Ad multos annos

Die Uralt-Glocken der St. Agatha-Kirche aus Herz Jesu Amstetten werden restauriert.
Zwei Glocken werden in Asten in den Niederlanden restauriert.

In der Filialkirche St. Agatha der Salesianer-Pfarre Amstetten haben sich drei historisch äußerst wertvolle Glocken erhalten.

Es ist laut dem Glockenreferenten der Diözese St. Pölten, Franz Reithner, ungewöhnlich, dass alle noch erhalten sind. Selbst die beiden Weltkriege überstanden sie unbeschadet: sie wurden weder eingeschmolzen, noch bei Luftangriffen zerstört. Noch dazu wurden sie über die Jahrhunderte vollwertig beansprucht, ohne dass eine weitere moderne hinzugefügt worden wäre.

Jetzt wurden zwei davon vom Eisenreichdornacher Unternehmen Braunshofer runtergeholt und sie werden in Asten in den Niederlanden restauriert. Die Arbeiten sollen bis zum Samstag, 29. September fertig sein, dann werden die Glocken bei der allmonatlichen Messe in der Agatha-Kirche der Bevölkerung neu präsentiert. 

Reithner berichtet:

"Die Glocken 1 und 2 weisen deutlich sichtbare Spuren des jahrhundertelangen Läutens auf. Durch die Anschläge des Klöppels kommt es im Gefüge des Metalls zu einer Kaltverfestigung, dadurch nehmen die Spannungen im Material zu. Das geht so lange bis sich diese Spannungen durch einen Riss abbauen. Dann ist der Ton der Glocke verloren, es gibt keinen Nachklang mehr. Früher mussten solche Glocken eingeschmolzen werden, seit einigen Jahrzehnten gibt es die Möglichkeit einer Schweißung. Dazu wird die Glocke auf ca. 500 Grad vorgewärmt. Das Gefüge entspannt sich dadurch wieder und eine neue Phase der Beanspruchung kann beginnen."

So weit ist es im St. Agatha noch nicht. Hier wird präventiv gehandelt. Nach fast 500 Jahre im Dienst werden die Glocken erwärmt und die Fehlstellen, die durch das Läuten entstanden sind, in der Legierung der Glocke (78% Kupfer, 22% Zinn) ergänzt. Der Effekt der Gefügeentspannung tritt ebenfalls ein. Aktuelle Forschungsergebnisse des Projektes "Pro Bell" werden in Zukunft eine Überwachung der Glockenspannungen durch Analyse ihrer Teiltöne zulassen. Im Fall der Glocke 2 waren bereits klangliche Anzeichen eines baldigen Risses festzustellen.

Auch der Umbau der Glockenaufhängung dient zum größten Teil der Schonung der Glocken: Beim Glockenstuhl aus Holz geht es hauptsächlich um das Mauerwerk des Turmes, die Aufhängung auf Holzjochen senkt die Anzahl der Klöppelanschläge pro Minute und ist daher nicht nur eine Maßnahme zur Verbesserung des Klanges. Die neuen Klöppel sind besser auf die Größe der Glocken abgestimmt, mit den elektronisch gesteuerten Läutemaschinen lässt sich der Läutewinkel exakter einstellen und das Anläuten sanfter gestalten.

(Text und Fotos: Wolfgang Zarl)

"Gute Reise!", wünscht Pfarrer Pater Hans Schwarzl den Glocken auf ihrem Weg zur Restaurierung.

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