
Eine kleine Pfingst-Geschichte
Wir leben in einer modernen und schnelllebigen Zeit, in der Begriffe wie Alter, Archiv, Nekrologie oder Erinnerung manchmal ihren tieferen Sinn zu verlieren scheinen. Vieles wird heute rasch ersetzt, erneuert oder vergessen, und manchmal erscheint die Verwendung alter Gegenstände auf den ersten Blick unpassend oder nicht mehr zeitgemäß. Doch gerade solche Dinge tragen oft eine besondere Geschichte in sich und verbinden Generationen miteinander.
Am Pfingstmontag durfte ich ein Messgewand tragen, das im Jahr 1902 von einer Familie zum Gedenken an ihren verstorbenen Vater erworben und gestiftet wurde – also lange vor meiner Geburt und sogar noch vor der Gründung unserer Pfarrei. Dieses Messgewand ist nicht nur wunderschön gearbeitet, sondern auch erstaunlich gut erhalten. Trotz seines hohen Alters wirkt es beinahe wie neu und zeugt von großer Sorgfalt, Wertschätzung und Liebe, mit der es über die Jahrzehnte bewahrt wurde.
Es war für mich eine besondere Ehre und zugleich ein tiefes Privileg, dieses Gewand im Dienst an Gott und unserer Gemeinde tragen zu dürfen. In diesem Moment fühlte ich mich auf eine stille Weise mit jener Familie verbunden, obwohl ich ihre Mitglieder nicht kenne und ihre Namen vielleicht längst vergessen sind. Dennoch lebt ihre Geste des Glaubens und der Hingabe bis heute weiter. Ebenso bin ich dem Mitbruder beziehungsweise Priester dankbar, der dieses Messgewand unserer Pfarre hinterlassen hat. Auch wenn ich ihn persönlich nie kennenlernen durfte, bleibt durch solche Zeichen eine geistliche und menschliche Verbundenheit bestehen.
Gerade darin zeigt sich etwas Schönes: Die Verbindung von Alt und Neu ist nicht nur wertvoll, sondern auch bereichernd. Tradition und Geschichte erinnern uns daran, dass wir Teil einer größeren Gemeinschaft sind, die über Generationen hinweg besteht. Alte Gegenstände können nicht nur Erinnerungen bewahren, sondern auch Glauben, Dankbarkeit und Hoffnung weitertragen.
P. Chinedu Okafor SDB

