
Br. Peter Jirak ist in Uganda angekommen
Es ist früher Nachmittag und gemeinsam mit unserem Fahrer Bosco bin ich am Weg zu unserem Stützpunkt, um Essen für uns zu holen. Aufgeteilt auf drei Teams sind wir am Vormittag im Gebiet der Flüchtlingssiedlung unterwegs gewesen, um chronisch kranke Kinder zu versorgen. Fr. Uba, der Leiter der Salesianer vor Ort, fängt mich ab und zeigt mir einen achtjährigen Buben. Verbrennungen höheren Grades des gesamten rechten Arms inklusive Hand sowie am Unterschenkel. Der Vorfall liegt drei Wochen zurück, die Wunde ist unversorgt. Der Junge wirkt apathisch, die alleinerziehende Mutter mehrerer Kinder besorgt. Sie hat all ihr Geld für Schmerzmittel für ihren Sohn Emmanuel ausgegeben, nun ist sie gekommen, um die Salesianer um Hilfe zu bitten. Emmanuel hat 40 Grad Fieber. Wir entscheiden, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Nun steht ihm eine mindestens dreistündige, staubige Fahrt über Stock und Stein bevor. Noch rasch ein schmerzlinderndes und fiebersenkendes Mittel, die Wunden notdürftig abgedeckt. Wie gerne hätte ich ein Verbrennungstuch wie damals im Rettungsdienst beim Roten Kreuz dabei.

Die Mutter nehmen wir mit, Fr. Uba kümmert sich um die Betreuung der drei weiteren Geschwister. Gemeinsam mit Bosco entscheiden wir, das Fahrzeug zu wechseln. Unser Landcruiser ist für die Flüchtlingssiedlung perfekt. Aber Sprit ist aktuell teuer, so steigen wir auf ein kleineres Fahrzeug um und hoffen, dass wir auf der Strecke nicht in den Regen kommen. Es dämmert bereits, als wir gegen 17:30 Uhr in Gulu im Spital ankommen. Ich verhandle mit einem Pfleger, dass wir bald an die Reihe kommen. Die Fotos von den Verletzungen auf meinem Handy helfen, er weist Emmanuel ein Bett zu.
Bosco bleibt beim Fahrzeug, sicher ist sicher. Ein junger Pfleger nimmt routiniert die Daten auf. Verbrennungen sind hier Alltag. Der leitende Arzt arbeitet rasch. Es sind viele Patienten, er muss Prioritäten setzen. Wieder kommen die Fotos zum Einsatz. Reinigen, Verbinden, Bluttest werden angeordnet; ob dreiwöchige Aufnahme oder nicht, das muss ich entscheiden. Die Mutter macht sich sorgen um ihre kleinen Kinder zu Hause. Sie ist auf der Flucht und alleine, wer kümmert sich um die Kinder? Kurzer Rückruf bei Fr. Uba. Wir schaffen das, wir nehmen Emmanuel und die Mutter wieder mit. Der leitende Arzt ermahnt mich noch, sofort mit Physiotherapie zu beginnen. Emmanuel hat bereits Bewegungseinschränkungen; dann muss er weiter. Und ich werde in die Apotheke gegenüber des Krankenhauses geschickt, um einen Malariatest für Emmanuel zu kaufen. Ein Säugling wird gebracht, großflächige Verbrennungen.

Dann ein Verkehrsunfall, das kleine Mädchen krümmt sich vor Schmerzen. Nach und nach treffen immer mehr Angehörige von ihr ein. Das ist mehr als Anteilnahme; sie helfen bei der Versorgung mit, das ist hier üblich und notwendig. Das Team des Spitals arbeitet ruhig und routiniert. Gegen ein Uhr in der Früh ist Emmanuel an der Reihe. Der Arzt entschuldigt sich für die Verzögerung, die Notfälle. Die Prozedur ist schmerzhaft für Emmanuel. Es ist stickig, im Behandlungsraum. Ich spüre den Hunger, die Müdigkeit, dazu das sich krümmende Kind und seine Schreie. Mir wird schwindlig, gehe hinaus. Die kühle Nachtluft tut mir gut. Werden wir wirklich eine gute Versorgung von Emmanuel in der Flüchtlingssiedlung schaffen? Zurück im Behandlungsraum frage ich nach. Keine Sorge, die Wunden seien großflächig aber problemlos, nehmen Sie ihn mit. Das Ärzteteam ist anderes gewöhnt. Noch rasch bezahlen und wir brechen auf. Mittlerweile ist es zwei Uhr.

Ich möchte noch das notwendige Verbandsmaterial für Emmanuel kaufen, zumindest für die erste Woche. Tanken sollten wir auch. Das Geld reicht nicht für beides. Nur Verbandsmaterial, entscheidet Bosco. Er weiß schon, wo er im Notfall noch Sprit bekommen würde. Dann zeigt er lächelnd auf ein Elektro - Motorrad am Straßenrad: „Bald haben wir auch so eines.“ Don Bosco Mission Austria hat uns nämlich ein Elektro - Motorrad zugesichert. Ich muss lachen. Never loose hope - willkommen in Palabek.
Peter Jirak SDB

