Würde arbeitsloser Menschen muss gewahrt bleiben

Bischof Ludwig Schwarz SDB fordert mehr Einsatz gegen Arbeitslosigkeit.

Die Würde arbeitsloser Menschen und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft sind angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit in Gefahr: Das hat der Linzer Bischof Ludwig Schwarz SDB am Montag bei einer Pressekonferenz zum "Tag der Arbeitslosen" am 30. April betont. Gemeinsam mit Vertretern der Sozialplattform Oberösterreich und dem Gewerkschaftsbund (ÖGB) forderte Schwarz die Politik und Sozialpartner auf, Arbeitslosigkeit wieder auf das unvermeidbare Ausmaß zu reduzieren und Betroffene besser zu integrieren.

Um Arbeitslose aus ihrer Unsichtbarkeit und Sprachlosigkeit zu holen, gibt es am Linzer Martin-Luther-Platz am 30. April von 10 bis 16 Uhr einen Informationstag mit u.a. "Speed Dating" mit führenden Landespolitikern und Start einer Befragung zu "Würde und Gerechtigkeit für Arbeitslose Menschen". Veranstalter sind neben ÖGB, Volkshilfe, dem Verein Arbeitslose helfen Arbeitslosen und der Sozialplattform auch die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung, die Katholische Jugend Oberösterreich, die katholische Arbeitnehmerbewegung sowie die bischöfliche Arbeitslosenstiftung.

Trotz Höchststand bei den Beschäftigten hat Österreich ein "großes Problem mit dem Höchstmaß an Arbeitslosigkeit", warnte Bischof Schwarz. Die Gerechtigkeit sinke, angesichts einer sich immer mehr öffnenden Einkommensschere sowie durch Einkommensverluste aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit. Die menschliche Würde vieler Langzeitarbeitsloser sei verletzt, infolge ihrer Ausgrenzung durch materielle Einschränkungen und psychischer Belastungen. Wichtig seien deshalb die Rücksicht auf die persönliche Freiheit Betroffener, der Kampf gegen Stigma und Abgrenzung, die Förderung von Arbeitsfähigkeit sowie Gleichheit bei der sozialen Absicherung, der Chancen und Lebensqualität, so Schwarz.

Wirtschaft ankurbeln, Arbeitszeit besser verteilen
Für die Schaffung neuer Arbeitsplätze machte sich ÖGB-Landesvorsitzender Johann Kalliauer stark: Die Politik müsse in die Wirtschaft investieren, um Arbeit zu schaffen, "vor allem in soziale Infrastruktur, in Kinderbetreuung, sozialen Wohnbau, Forschung und Entwicklung sowie Bildung", betonte der Gewerkschaftsvertreter. Auch eine Erhöhung der Kaufkraft kurble die Wirtschaft an, was einerseits über eine durch Vermögenssteuern gegenfinanzierte Steuerstrukturreform zu erreichen sei, andererseits durch die Erhöhung des Arbeitslosengeldes, "zumindest auf
EU-Niveau": Schließlich sei es laut Kalliauer "unwürdig für eines der reichsten Länder der EU", dass Langzeitarbeitslose in Österreich laut Studien die finanziellen Einbußen als "sehr großes Problem"
ansähen.

Weitere Forderungen des ÖGB-Landesvorsitzenden war die gerechtere Verteilung der Arbeitszeit durch Verkürzung der Normalarbeitszeit und der höchstzulässigen Wochenarbeitszeit, denn: "Während viele Arbeitnehmer - teils unbezahlte - Überstunden leisten, bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke." Auch im Bereich der atypischen Beschäftigungen gebe es enormen Handlungsbedarf, würden sie doch oftmals keine ausreichende soziale Absicherung bieten. Der ÖGB fordere deshalb die "arbeitsrechtliche Gleichstellung freier Dienstnehmer", durch gute Kollektivverträge mit hohen Mindeststandards als Schutz vor Lohndumping.

Dorothea Dorfbauer von der Sozialplattform Oberösterreich machte auf das Schicksal von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Älteren oder Ausländern aufmerksam, die mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen seien wie die Gesamtgesellschaft. Für sie sowie für Jugendliche seien mehr angepasste Angebote der Unterstützung nötig. Fallen müssten zudem die rechtlichen Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt für Personen mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge und Asylwerber: "Wer zur Niederlassung berechtigt ist, soll auch arbeiten dürfen", so Dorfbauer.

(KAP)

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