Woran glaubst Du?

Zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen am 22. April. Mit einem Beitrag von Diakon Peter Rinderer.
Das diesjährige Motto „Wofür lebst du?“ ermutige dazu, nicht an der Oberfläche hängenzubleiben, sagt Bischof Wilhelm Krautwaschl. Foto: Canisiuswerk

Zum 55. Mal begeht die Katholische Kirche am 22. April den Weltgebetstag für geistliche Berufungen. In Österreich wird dieser vom Canisiuswerk vorbereitet, heuer wurde er unter das Motto „Wofür lebst du?“ gestellt.

„Wir alle benötigen regelmäßig jemanden, der uns an die Grundfrage des Lebens, wofür wir eigentlich leben, erinnert, damit wir nicht an der Oberfläche hängen bleiben und den Tiefgang jeden Augenblicks erfahren können“, sagt Wilhelm Krautwaschl, Referatsbischof des Canisiuswerks.

„Gerade die Evangelien führen uns vor Augen, warum es sich lohnt, sein persönliches Leben einzusetzen für andere Menschen, warum es sich lohnt, andere zu lieben. Wir dürfen dabei aus der Liebe Gottes schöpfen, sie dankbar annehmen und voller Freude weitergeben“, so Krautwaschl.

Hören, erkennen und leben
Alljährlich zum Weltgebetstag für geistliche Berufungen veröffentlicht auch der Vatikan am 1. Adventsonntag eine Botschaft des Papstes. In dieser weist Papst Franziskus auf die im Herbst 2018 stattfindende Bischofssynode hin, die sich damit auseinandersetzt, wie Jugendliche, Glaube und Berufung zueinander stehen: „Wir werden dabei tiefer verstehen lernen, wie sehr die göttliche Berufung zur Freude im Zentrum unseres Lebens steht“, betont er. Zudem weist er auf die drei Aspekte Hören, Erkennen und Leben hin.

Peter Rinderer ist Salesianer Don Boscos und Diakon. Derzeit ist er in der Pfarre Wien-Neu-Erdberg tätig.

Jeden Tag ein neues „Ja“

Jeden Tag sage ich mehrmals „Ja“ und „Nein “. Neben den fast automatisierten Minientscheidungen gibt es die überraschenden Anfragen, die etwas kosten, wie „Könntest du bitte …?“ oder „Haben Sie Zeit, um …?“. Wenn ich mir unsicher bin, erbitte ich ein bisschen Bedenkzeit.

Diese Zeit zur Entscheidungsfindung habe ich bei meinen bisherigen drei größten „Ja“ gebraucht: mit 20 Jahren für den Ordenseintritt bei den Salesianern Don Boscos und gegen das Elektrotechnikstudium, mit 28 Jahren für die ewige Ordensprofess. Mit 31 Jahren war dann die Entscheidung zur Diakonweihe.

Viele Pro-Argumente für ein „Ja“
Ein erfahrener Priester sagte einmal bei Exerzitien: „Baut eure Entscheidungen immer auf einem großen ‚Für‘ auf und nicht auf einem ‚Gegen ‘, auf einem ‚Ja‘ und nicht auf einem ‚Nein ‘.“ Vor meinem ewigen Versprechen habe ich auf meinen Lebensweg zurückgeschaut und vieles gefunden, für das ich mich entscheide: für die Menschen, für Jesus Christus, für die Kirche, für meine Ordensgemeinschaft, für die evangelischen Räte Gehorsam, Armut und Keuschheit und für ein intensives Arbeiten am eigenen Leben. Zu jedem der Bereiche sind mir Erlebnisse, Begegnungen und Lernerfahrungen eingefallen, die das bestätigten. Auf einer Pro- und Contra-Liste in meinem geistlichen Tagebuch waren viel mehr Pro-Einträge. Zugleich machte ich mir bewusst, dass dieses „Ja“ andere Optionen und Wege ausschließt. Entscheidung ist Fokussierung. Im Moment des Ja-Sagens habe ich neben dem Respekt vor der Größe der Entscheidung eine tiefe innere Freiheit gespürt.

Christliches Leben ist Hingabe
Es ist eine trügerische Freiheit, sich möglichst lange alle Optionen offenzuhalten. Bei der Hochzeit meines älteren Bruders verglich der Pfarrer unsere beiden Lebenswege: „Auch wenn Ehe und Ordensleben nach außen sehr unterschiedlich sind, sie verbindet die Hingabe.“ Christliches Leben ist – gegenläufig zu manchen modernen Logiken – in erster Linie ein Leben für andere.

In meinem Fall als Salesianer Don Boscos ist es das Dasein für Gott und für die Menschen, insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Benachteiligungen. Jedes große „Ja“ muss genährt werden, sonst schrumpft es. Entscheidend für mich ist die morgendliche Gebetszeit. In der Stille bringe ich meine Freuden und Sorgen vor Gott und erneuere mein „Ja“. Mir helfen die kleinen und großen Unterbrechungen im Alltag, in denen ich mich bewusst frage: Stimmt der Fokus in meinem Leben? Bin ich in einzelnen Bereichen davon abgekommen?

Eine bewusste kleine Unterbrechung ist ein Stoßgebet, eine erzwungene das Warten auf den nächsten Bus. Wohltuende 8 Unterbrechungen sind für mich der Blick ins Weite bei einer Bergtour im Sommer und die jährliche Exerzitienwoche.

All das sind für mich Möglichkeiten, mein „Ja“ innerlich zu bekräftigen. Mit Vertrauen durch Durststrecken Bei meiner Diakonweihe habe ich vor dem Bischof und in einer vollbesetzten Kirche meine Bereitschaft zum Dienst ausgesprochen: „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit.“

In einem lebenslangen Versprechen zeigt sich für den tschechischen Theologen Tomáš Halík „die Größe und Zerbrechlichkeit der menschlichen Freiheit“. Zerbrechlich ist jede Lebensentscheidung und Durststrecken gibt es immer wieder: Schwierigkeiten im Gebetsleben, Spannungen im Zusammenleben oder Misserfolge in der Arbeit. Gerade in solchen Momenten hilft mir die Erinnerung an Glücksmomente und an die lange Pro-Liste. Ich habe eine Entscheidung für ganz Vieles getroffen. Menschen fragten mich im Vorfeld der Weihe: „Wie kannst du bei einer ungewissen Zukunft ein so großes Versprechen leiste ?“

Ich kann es aus dem Vertrauen auf Gott und liebe Menschen, die schon bisher den Weg mit mir gegangen sind. Sie haben mich spüren lassen, dass das mein Weg ist und dass dieser Weg zu Glück und Freude führt. Nicht nur bei der Weihe, sondern jeden Tag wiederhole ich meine Zusage: „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit.“

Peter Rinderer SDB

In einer Zeit, in der vielfältige Lebensentwürfe möglich sind, bedeutet das, dass viele individuelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Was ist gut und richtig? Wie lebe ich mein Leben sinnvoll? Jesus bezeichnet sich selbst als das Leben und verheißt Leben in Fülle. Er ist Vorbild für sinnerfüllte Lebensgestaltung.

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