WM-Start am Welttag gegen Kinderarbeit

Kinderarbeit ist auch in Brasilien ein großes Problem, doch anstatt in Bildung fließen die Gelder in WM-Stadien.
Schuhe putzen um zu überleben.

Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt macht anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni auf das Problem der weitverbreiteten Kinderarbeit im WM-Land Brasilien aufmerksam:
Noch immer müssen dort rund eine halbe Million Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren arbeiten. Die meisten sind in der Landwirtschaft tätig, beispielsweise bei der Ernte von Cashewnüssen, die zu den gefährlichsten Formen von Kinderarbeit zählt. Der brasilianischen Regierung ist es laut Angaben des Brasilianischen Institutes für Geographie und Statistik gelungen, die Anzahl der unter 14-jährigen KinderarbeiterInnen von 704.000 im Jahr 2011 auf 554.000 im Jahr 2012 zu reduzieren, doch für die Umsetzung ambitionierter nationaler Programme fehlt den meisten Bundesstaaten das Geld.

Cashewnüsse verätzen Kinderhände
Eine von zahlreichen Formen gefährlicher und eigentlich verbotener Kinderarbeit, die insbesondere im armen Nordosten Brasiliens häufig vorkommt, ist die Ernte von Cashewnüssen. Ihre Schale enthält ein Öl, das die Finger schwärzt und die feinen Kapillarlinien wegätzt. Viele Kinder beginnen schon in den frühen Morgenstunden mit dem Brechen der Nüsse, um rechtzeitig in der Schule sein zu können. So können sie zum Familieneinkommen beitragen und ihre Familien verlieren die staatlichen Beihilfen nicht, die an den Schulbesuch der Kinder geknüpft sind. Doch die Chance der bereits völlig übermüdet in der Schule ankommenden Kinder auf Schulerfolg ist begrenzt.

Komplexe Ursachen bekämpfen
Jugend Eine Welt unterstützt in Brasilien mehrere Don Bosco Hilfsprojekte, die benachteiligten Kindern eine Schul- und Berufsausbildung sichern und verhindern, dass sie auf der Straße landen. "Leider ist es nicht damit getan, Kinderarbeit gesetzlich zu verbieten, die Kinder von den Feldern zu holen oder Betriebe besser zu kontrollieren, auch wenn das wichtige Schritte sind", ist Jugend Eine Welt Vorsitzender Reinhard Heiserer überzeugt. Vielmehr müssten die komplexen Ursachen ausbeuterischer Kinderarbeit bekämpft werden, arme Familien die Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen bzw. Unterstützung erhalten und soziale Sicherungssysteme besser funktionieren. Zudem wären massive Investitionen ins chronisch unterfinanzierte Bildungssystem ein Gebot der Stunde.

Weltweites Problem
Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist die Anzahl von KinderarbeiterInnen seit der Jahrtausendwende weltweit von 246 Millionen auf 168 Millionen gesunken. Doch trotz dieses Fortschrittes arbeiten noch immer mehr als 85 Millionen Kinder in besonders gefährlichen Bereichen wie der chemischen Industrie, in Steinbrüchen, als Kinderprostituierte, Drogenkuriere oder KindersoldatInnen. Und das, obwohl sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2000 dazu verpflichtet hat, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis spätestens 2016 zu beseitigen.

(Angelika Gerstacker)

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