"Wir leben für und mit den Menschen"

Provinzleiterin Sr. Małgorzata Pietruszczak berichtet über die Situation der Don Bosco Schwestern in der Ukraine
Die Don Bosco Schwestern in Lviv nehmen Flüchtende auf.

Die Provinzleiterin der Visitatorie "Madre di Dio" von Osteuropa-Georgien (EEG), Sr. Małgorzata Pietruszczak,, spricht im Interview über die Situation der Don Bosco Schwestern (FMA) in der Ukraine:

„Unsere Schwestern beten zuallererst, dann aber leben sie mit den Menschen, für die Menschen und unter den Menschen. Niemals hätten wir an solch eine Situation gedacht – aber vielleicht hat Gott uns darauf vorbereitet. Es ist kein Zufall, dass das 24. Generalkapitel uns aufgefordert hat, ‚präsent zu sein‘. Die Menschen von heute brauchen im Moment nichts anderes. Sie brauchen keine großen, sondern kleine Dinge: neben ihnen sitzen, Essen verteilen, Kaffee und heißen Tee bringen, vor allem aber zuhören – nicht virtuell, sondern in der realen Welt – denn diese Menschen mit ihren Nöten sind real.

In Odessa gibt es drei Schwestern, die diese einfachen Dienste leisten: Essen zubereiten, Menschen willkommen heißen und ihnen zuhören. Das Gebiet liegt in der Nähe von Mariupol und Cherson. Man kann die Bombardierungen hören. Zwei von ihnen helfen in der Pfarrei und bei der Caritas, eine andere arbeitet bei den Salesianern Don Boscos. Sie haben diese Dinge auch in Kiew getan, bevor sie abgereist sind. Die Schwestern sind mutig und auch klug: Solange sie können, bleiben sie bei den Menschen.

Das Haus liegt in der Nähe der Grenze, und sie nehmen vor allem Menschen auf, die auf der Durchreise nach Polen sind: Sie heißen sie willkommen, geben ihnen ein Bett, bleiben bei ihnen. Wenn die Sirene ertönt, gehen sie in den Keller und bleiben dort für die nötige Zeit.“

Odessa: Sr. Teresa Matyja und freiwillige Helfer bringen Medikamente und Windeln auf die Kinderstation eines Krankenhauses.

Schwester Małgorzata sieht die Zeichen der Vorsehung: Kurz nach Ausbruch des Krieges fuhr eine der Schwestern mit ihrer Mutter, die gerade operiert worden war, nach Polen und war dort Gast anderer Ordensschwestern. Sie konnte vor Ort als Dolmetscherin helfen, da sie Ukrainisch, Russisch und Polnisch spricht. Gemeinsam mit ihr öffneten die Schwestern ihre Türen für die Kinder und bereiteten ihnen Betten, Mahlzeiten und kleine Erholungsmöglichkeiten. Die polnische Regierung stellte Betten zur Verfügung und erleichterte die Anreise mit Transportmitteln.

Die Hilfe dieser Don Bosco Schwester, die aus einer Notwendigkeit heraus nach Polen reisen musste, hat gezeigt, dass es nicht so sehr auf materielle Hilfe ankommt, sondern vielmehr auf die Nähe zu den Menschen und vor allem auch auf die Kenntnis der Sprache. Aus diesem Grund stehen die Schwestern nun auch an anderen grenznahen Orten zur Verfügung, wo sie als Dolmetscherinnen fungieren.

Für die Menschen, die vor einem Krieg fliehen, ist es nicht einfach, die neue Situation und die bürokratischen Verfahren vor Ort sofort zu verstehen. Zudem zeigt sich bald die Verletzlichkeit der Kinder, sowohl physisch als auch psychisch, so dass man den Müttern zuhören und versuchen muss zu verstehen, wie man ihnen helfen kann.

Eine ukrainische Schwester hat in Polen in einem Haus mit mehr als 30 Menschen aus der Ukraine die Leitungsaufgabe übernommen. Sie hilft ihnen, das Leben in der Gemeinschaft zu organisieren, Mahlzeiten zuzubereiten, das Haus aufzuräumen, Spiele für die Kinder und eine gute Betreuung zu organisieren. So befähigt sie die Geflüchteten, nach und nach ihren eigenen Beitrag zum Gemeinschaftsleben zu leisten und auf diese Weise zu einer Art Normalität zurückkehren zu können.

„Ich weiß nicht, was morgen sein wird“, schließt Schwester Małgorzata. Sie hat die Hoffnung und den Wunsch, zusammen mit den Don Bosco Schwestern ihrer Provinz und mit der großzügigen Hilfe aller Provinzen der Welt und vieler Vereinigungen und Wohltäter, diesen Menschen zu helfen.

„Dieser Krieg ist dramatisch, aber wenn wir nicht aus dieser Situation lernen, wird sich nichts ändern. Wenn ich mich nicht bekehre, wird es keinen Frieden geben: Frieden oder Krieg fangen bei uns an, bei den kleinen Dingen. Wir müssen reden, einen Dialog führen, manchmal unseren Standpunkt verlassen, vielleicht mehr beten, vor allem aber menschlich und mütterlich sein, wie Gott es für uns vorgesehen hat. Ich weiß nicht, was morgen sein wird, aber ich glaube, dass wir aus dem, was wir erleben, lernen müssen, auch Respekt für die verschiedenen Parteien zu haben. Frieden oder Krieg beginnen mit uns.“

www.cgfmanet.org vom 28. März 2022

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