Weg zu Versöhnung nach Bürgerkrieg noch lang

Elfenbeinküste: Laut Ordensmann Ansehen der Kirche nach Parteinahme im Krieg schwer beschädigt.
Von der Millionenstadt Abidjan aus verwaltet der Provinzökonom der Salesianer Don Boscos die Provinz Westafrika.

Der Friede in der Elfenbeinküste steht nach zehn Jahren Bürgerkrieg weiterhin auf wackeligen Beinen, die Versöhnungsarbeit kommt nur schleppend voran: Das hat Hernan Cordero Dominguez, Provinzökonom der Salesianer Don Boscos für Westafrika mit Sitz in Abidjan, in einem Interview mit "Kathpress" erklärt. "Was in zehn Jahren zerstört wurde, braucht mindestens 20 Jahre, um wieder aufgebaut zu werden. Der Krieg war ein enormer Rückschritt und ist weiter eine reale Gefahr", so der aus Ecuador stammende Salesianerbruder, der auf Einladung des katholischen Hilfswerks "Jugend Eine Welt" Österreich besuchte.

Mehrere Kircheneinrichtungen waren im Krieg Zufluchtsorte, darunter auch die Don-Bosco-Station in Duekoe, die in der Regierungskrise 2011 vorübergehend über 30.000 Flüchtlingen Schutz gab. Dennoch habe der Bürgerkrieg für die gesamte Kirche viel Schaden angerichtet, erklärte Cordero: Ein massiver Vertrauensverlust sei daraus entstanden, dass sich Bischöfe im Krieg teils für, teils gegen die Regierung positioniert hätten. "Viele der Menschen wenden sich infolge dieser Teilung den Sekten zu oder wurden der Kirche gegenüber völlig indifferent", so der Ordensbruder.

Die Versöhnungsarbeit im Land komme nur schleppend voran, obwohl die Regierung sie als vorrangig sehe. Cordero: "Trotz vieler lobenswerter Aktionen, Konferenzen, Festakte oder Fernsehsendungen hat sie Angst davor, die Kernprobleme zu lösen, allen voran die Frage des Grundeigentums, des Zusammenlebens der Ethnien im Land und des Nationalismus." Immer wieder würden Politiker schwelende Konflikte im Wahlkampf populistisch ausnützen, was die Ruhe im Land enorm störe.

Bildung für den Frieden
Viel besser gelinge die Friedensarbeit auf Ebene der Gemeinden, Sozialeinrichtungen und Pfarren, so Cordero, der hier als Beispiele die Schulen, Berufsausbildungskurse und Freizeitzentren des eigenen Ordens anführte: "Zuhause hören die Kinder, die jeweils andere Ethnie sei böse, doch ihre Freundschaften im Fußballspiel, Klassenzimmer oder bei kulturellen Veranstaltungen zeigen ihnen das Gegenteil." Besonders würden die Salesianer Don Boscos darauf achten, bei Schülern wie auch Lehrern nicht nach Geschlecht, Religion, Ethnie oder sozialer Schicht zu unterscheiden.

Ebenso notwendig für den Frieden sei jedoch die schwierige Arbeit mit den Jugendlichen, die kriegsbedingt nie in Schule und Arbeitswelt integriert wurden. Über Kurzkurse versuchen die Salesianer hier, Grundlagen für den Start eines Kleinunternehmens oder Kontakte zu Arbeitgebern zu vermitteln. "Zentral geht es den meisten Jugendlichen darum, eine Arbeit zu finden, eine Familie zu gründen und die Verwandten zu unterstützen, da hier das Gemeinschaftsdenken sehr stark ausgeprägt ist, sowie die konkrete Verbesserung der Lebenssituation", legte Cordero dar.

Hoffen auf Weltjugendtag
Rückenwind für den sozialen Einsatz der Kirche erkennt der Salesianerbruder durch Papst Franziskus, besonders wegen dessen Forderung einer "Kirche für die Armen" und dem "Blick auf die Peripherie, die in Afrika ja überall ist". Dass Franziskus noch keine Reise nach Afrika in Aussicht gestellt hat, sei für ihn kein Anlass zur Sorge: "Er hat bisher schon öfter das Protokoll umgedreht." Als Wunsch nannte Cordero einen Weltjugendtag auf afrikanischem Boden. "Ein derartiges Treffen wäre ein wichtiges Zeichen, auch wenn es einfacher und mit weniger Infrastruktur ausfällt."

(KAP)

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