Wasser für die vergessenen Kinder von Sierra Leone

Jugend Eine Welt finanziert Trinkwasserbrunnen für das Gefängnis von Freetown - heute Spatenstich!
Der 16-jährige Maju schaut durch die Gitterstäbe seiner Zelle im Pademba-Gefängnis. Für den Diebstahl eines Handys, den er bestreitet, wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. (Foto:Fernando Moleres)

Das Zentralgefängnis "Pademba" von Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Sierra Leone, verfügt über keine Trinkwasseranlage. Hier sind mehr als 1.300 Menschen, darunter viele Kinder, auf engstem Raum zusammengepfercht - ursprünglich wurde das Gefängnis für 350 Gefangene gebaut. Jugend Eine Welt Vorsitzender Reinhard Heiserer war zutiefst erschüttert, als er die dunklen, verschmutzten Zellen vor einigen Wochen besuchte und mobilisierte sofort Hilfe:  Am 5. Mai erfolgt im Beisein von Salesianerbruder Lothar Wagner, dem Projektpartner von Jugend Eine Welt vor Ort, der erste Spatenstich für einen neuen Trinkwasserbrunnen.

Desolates Justizsystem
Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und hat sich noch immer nicht von einem grausamen Bürgerkrieg erholt, der 2002 endete. Gewalt  ist allgegenwärtig - ebenso wie Korruption. 75 Prozent der Einwohner sind jünger als 35 Jahre, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei  60 Prozent. Insbesondere mittellose Straßenkinder landen oft für Jahre hinter Gittern und werden dort häufig schlichtweg vergessen - sie haben keine Angehörigen, die sie freikaufen könnten oder sich um sie kümmern. An die 60 Prozent der Gefängnisinsassen wurden noch gar nicht ordentlich verurteilt, viele sind unschuldig oder wurden wegen Bagatellen wie dem Diebstahl eines Brotes inhaftiert. Doch weil es viel zu wenige Justizbeamte gibt, müssen Untersuchungshäftlinge durchschnittlich drei bis fünf Jahre auf ihre Verhandlung warten.  Nur geschätzte 5 -10 Prozent aller Gefangenen verfügen über eine rechtliche Vertretung.

Die Hölle auf Erden
Seit rund zwei Jahren besucht Bruder Lothar, der in Freetown mehrere Don Bosco Hilfsprojekte leitet,  das Pademba-Gefängnis fast täglich, spricht mit den Gefangenen, bringt Wasser und organisiert Hilfe. "Es ist die Hölle auf Erden. Die Zellen sind so eng, dass die Häftlinge abwechselnd schlafen müssen, weil der Platz auf dem Boden nicht ausreicht. Es gibt keine Matratzen, keine Möbel, keine Decken - nur Dreck, Exkremente und Gitter. Trotzdem bin ich gern hier, weil es so viel Sinn macht."

Immer wieder kommt es aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände zu Krankheiten und Todesfällen. Zumindest diesbezüglich wird sich die Situation dank des mit Hilfe von Jugend Eine Welt errichteten neuen Trinkwasserbrunnens nun verbessern.

Langfristige Unterstützung für Don Bosco Fambul
Seit Jahren unterstützt Jugend Eine Welt die Hilfsprojekte von Bruder Lothar und seiner Organisation "Don Bosco Fambul": Durch sie erhalten Straßenkinder, vergewaltigte Mädchen, Opfer von Genitalverstümmelung und ehemalige KindersklavInnen Hilfe und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Für die Zukunft ist auch geplant, mittellosen Minderjährigen im Notfall rechtlichen Beistand zu ermöglichen.

(Angelika Gerstacker)

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