Volontariat im Ausland: "Profit auch für Österreich"

Dankbarkeit und Unzufriedenheit zugleich oft Impulsgeber für Volontariatseinsätze.
Rund 120 Besucher nahmen an der Fachtagung im Stift Lambach teil. (Foto:Pater Christian Tauchner)

Von einem freiwilligen sozialen Jahr im Ausland profitiert nicht nur der betreffende Jugendliche selbst, sondern die ganze Gesellschaft: Das hat Cornelia Pernsteiner, Geschäftsführerin von "Volontariat bewegt", am Samstag bei der "Fachtagung Weltkirche" in Lambach in einem "Kathpress"-Interview erklärt.

"Das Jahr im Ausland prägt Jugendliche immer, ist für sie ein meist positiver Lebensbaustein. Es vermittelt gesellschaftliche Werte und Perspektiven, die auch in die Familie und in das eigene Wirkungsumfeld weitergetragen werden", so Pernsteiner, deren Verein jährlich rund 40 junge Erwachsene für den einjährigen Freiwilligeneinsatz in Kinder- und Jugendsozialprojekten des Salesianerordens vorbereitet und in dieser Zeit begleitet.

Dankbarkeit sei oft Motiv für das Auslandsvolontariat, berichtete Pernsteiner. "Viele wollen etwas zurückgeben von dem, was sie selbst erfahren haben. Dazu kommt oft Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Tendenzen zu Hause und der Wunsch nach neuen Erfahrungen der Kultur, Sprache und Arbeit mit den Kindern vor Ort", so die Vereinsleiterin. Für einen guten Verlauf sei intensive Vorbereitung auf das Einsatzprojekt, auf interkulturelle und Kommunikationsprobleme sowie auf teils überzogene Erwartungen immens wichtig. "Volontariat bewegt" widme sich dieser Aufgabe und begleite auch den oft schwierigen Moment der Rückkehr, u.a. durch Anregung von Reflexion in Gruppenprozessen.

500 Jugendliche haben bereits am Volontariatsprogramm teilgenommen, das bis Ende 2012 von "Jugend Eine Welt" organisiert und dann dem von dem Hilfswerk sowie den Salesianern Don Boscos getragenen Verein "Volontariat bewegt" übertragen wurde. Derzeit stehe die Durchführung vor große Herausforderungen, betonte Pernsteiner:
"Österreichs Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit erschweren die nötige längerfristige Planung der Einsätze und machen die Zukunft stets ungewiss." Auch für den Einzelnen selbst sei der Einsatz somit ein finanzieller Aufwand - "was schade ist, denn schließlich ist dieses Jahr keine Abenteuerreise, sondern tatsächlich ein aktives Einbringen vor Ort."

Seitens der Projektpartner in den derzeit neun Einsatzländern in Afrika, Lateinamerika und Asien seien die Rückmeldungen auf die Jugendlichen aus Österreich sehr positiv, berichtete Pernsteiner.
"Wo die Jugendlichen auch an ihrem Einsatzprojekt gute Begleitung erhalten, kann ihr mitgebrachter Enthusiasmus gute Früchte hervorbringen."

Einsatz aktiviert Jugendliche vor Ort
Als "großes Geschenk" bezeichnete Schwester Consuelo Aguirre Martinez, Leiterin eines Don-Bosco-Bildungsprogramms in Lesotho, die jährlich zwei Freiwilligen von "Volontariat bewegt", die in ihrem Zentrum mitarbeiten. "Ihr Zeugnis bewegt die Menschen. Die Art und Weise, wie sich die Österreicherinnen jedes Mal neu in unsere Kultur, in die Gemeinschaft und in das Projekt integrieren, wie sie auf Komfort verzichten, sich mit Leidenschaft einbringen, geben was sie haben und keine Gegenleistung verlangen - das lässt auch unsere Jugendlichen aufhorchen. Sie beginnen zu fragen: Was inspiriert sie?
Und sie überlegen, wie sie selbst ihre Zeit für andere einsetzen könnten", so die Ordensfrau, die ebenfalls bei der Lambacher Weltkirche-Tagung referierte.

Sehr effektiv würden die Volontärinnen auch dem im südlichen Afrika weiterhin gängigen, negativen Bild von Europäern - als Eroberer und Kolonisatoren - entgegenwirken, erklärte Aguirre. Zudem widerlegten sie durch die Mitarbeit in Pastoralprojekten und im konkreten Mitleben mit der Ordensgemeinschaft auch, "dass in Europa der Glaube alt und für Jugendliche uninteressant geworden ist".

Missionar auf Zeit
Neben "Volontariat bewegt" wurde bei der Fachtagung Weltkirche auch eine weitere kirchliche Volontariats-Initiative, "Missionar auf Zeit" (MaZ), präsentiert. Philipp Scheffknecht, ausgebildeter Pastoralassistent und Religionslehrer, arbeitete ein Jahr lang ehrenamtlich in einem Pastoralprojekt der Steyler Missionare in Paraguay. Der Einsatz, dessen Aufgaben und besonders die Gastfreundschaft und Dankbarkeit der Menschen vor Ort seien für ihn ein Lernprozess - "ein riesiger Perspektivenwechsel" - gewesen und habe auch seinen Glauben an Gott gestärkt, berichtete der 33-Jährige.

Eineinhalb Jahre nach der Rückkehr nach Österreich, studiert Scheffknecht nun Kultur- und Sozialanthropologie und will später in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein. Ziel sei, auch beruflich "für mehr Gerechtigkeit und ein besseres Miteinander auf der Welt beizutragen". Auch viele ehrenamtliche Einsätze und Projektideen in Österreich seien für ihn aus den Erfahrungen im Einsatzland erwachsen, darunter die Mitarbeit in einer Workshopreihe für Schulen zum Thema Gerechtigkeit, Verteilung und innovative Wirtschaft sowie interkulturelle Angebote im "Weltdorf St. Gabriel" des Steylerordens.

(KAP)

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