Tore zum Glück

In Kolumbien sind Drogen und Kriminalität weit verbreitet. Viele Jugendliche sind arbeitslos und ohne Zukunftsperspektiven.
Andres sagt: „Die Ciudad Don Bosco bedeutet mir sehr viel. Wir können dort nicht nur lernen, sondern auch Sport treiben. Also mache ich natürlich so viel wie möglich in meiner Zeit hier.“

Der 17-jährige Andres Felipe* aus Medellín will dieser Aussichtslosigkeit entfliehen – seine Fußballbegeisterung und das Sportprojekt „Dad Bosco“ helfen ihm dabei.

Wenn früh morgens die Sonne über Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín aufgeht, beginnt das alltägliche Chaos auf den Straßen mit lautem Hupen, rußigen Abgasen und zigtausenden Rollern und Mopeds. Gleichzeitig füllen sich die Gehwege mit wuselnden Massen, einschließlich vieler Leute in knallgelben Trikots der kolumbianischen Nationalmannschaft.

In Robledo Aures treffe ich einen jungen Mann, der mithilfe des Sports, den er so liebt, eine völlig andere Zukunft anstrebt.

Andres Felipe* ist siebzehn und irgendwie schon zu groß für sein Alter. Er lebt hier zusammen mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und einer jüngeren Schwester nur ein paar Minuten entfernt von der Ciudad Don Bosco, wo er sich unter der Woche überwiegend aufhält.

Die Ciudad Don Bosco ist ein Komplex, der hunderten von Kindern Unterkunft bietet und Jugendlichen aus Familien mit niedrigen Einkommen oder aus einem schwierigen Umfeld Bildungsangebote bereitstellt. Andres ist ein schüchterner Junge, der still auf seinem Platz sitzt und zum Unterricht beiträgt – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Jungs, die herumtoben, laute Musik hören und im Unterricht schlafen. 

Fußball als Gegenkonzept
Wie viele andere Jungs in Kolumbien ist Andres fußballverrückt. Wenn er mit seinen Freunden Fußball spielt, wird aus ihm, dem schüchternen Jungen, ein Anführer, der Gegner grätscht und seine Mannschaftskameraden kommandiert. Laut Carlos Mario Florez, dem Programmleiter in Ciudad Don Bosco, „bedarf es bei keinem anderen Spiel so viel Führungskraft, Teamwork, Strategie und Taktik; alles Dinge, die einem auch im Leben weiterhelfen“.

Aus diesem Grund hat Florez das Programm „Dad Bosco“ ins Leben gerufen, ein Fußballprojekt der Ciudad Don Bosco, das junge Menschen vor den Gefahren des Lebens in den Slums schützen soll. Durch den Mangel an Führung und Vorbildern sind sie dort häufig Gewalt, Prostitution, organisiertem Verbrechen, Drogenhandel und -missbrauch sowie der Gefahr von Schwangerschaften im Teenageralter ausgesetzt. Florez ist überzeugt, dass das Fußballspielen sie nicht nur beschäftigt, sondern dass es auch die Lebenswirklichkeiten der Jungs beeinflussen und verändern kann, die in Don Bosco unterrichtet werden.

Am nächsten Morgen steht Andres auf dem Dach seines Hauses und balanciert einen Ball auf seinem Kopf. Er fängt an, zu erzählen: „Fußball bedeutet mir alles! Am liebsten möchte ich immer nur Fußball spielen. Es ist quasi meine Medizin! Wenn ich gestresst bin, Probleme habe oder krank bin, spiele ich Fußball und es geht mir wieder gut.“ Wie so viele Teenager in Kolumbien möchte Andres eines Tages Fußballprofi werden.

Endlich Wochenende! Aber das heißt nicht, dass Andres jetzt alle Zeit der Welt hat, an seinem Traum zu arbeiten. Stattdessen hilft er an den Wochenenden seiner Mutter im Haushalt und geht seinem Stiefvater beim Bau ihres künftigen eigenen Hauses zur Hand. Auf der Baustelle schleppt Andres Sandsäcke, während direkt neben ihm gleichaltrige Jungs abhängen und Drogen konsumieren. Laut einer Regierungsstatistik sind 52 Prozent der Arbeitslosen in Kolumbien zwischen 18 und 26 Jahren alt. Die Mischung aus viel freier Zeit und dem Mangel an Zielen macht sie anfällig für Drogenmissbrauch oder das Leben als Mitglied einer Gang. Aber Andres hat auch immer noch Zeit für die normalen Dinge, die Teenager so machen, wie z. B. mit seiner Freundin abhängen, Verwandte besuchen und natürlich fürs Kicken mit seinen Kumpels.

Ein klares Nein zu Drogen
Wir laufen zusammen auf einer kleinen Straße in Richtung eines der betonierten Bolzplätze in seiner Nachbarschaft. Ich frage ihn, ob er jemals Drogen genommen hat. „Nein, weil ich darin keinen Sinn sehe. Man versucht dadurch ja nur, die Realität auszublenden. Am Anfang, als ich meine Freunde kennenlernte und einige von ihnen auch Drogen nahmen, haben sie mich eingeladen, mitzumachen. Aber ich habe immer nein gesagt. Auch schaden Drogen ja dem Körper, was wiederum fürs Fußballspielen schlecht ist. Der Sport hat mir also quasi geholfen, mich von Drogen fernzuhalten“, erzählt er. Am Bolzplatz angekommen, schließt sich Andres sofort seinen Freunden an, die bereits spielen. 

Ein paar Tage später bin ich wieder in der Ciudad Don Bosco. Heute sind Prüfungen und es findet kein Unterricht statt. Trotzdem sehe ich Andres und seine Klassenkameraden auf einem Fußballfeld ganz in der Nähe des Rektorats. „Andres Felipes Fall ist ungewöhnlich, er ist die Ausnahme von der Regel“, erläutert Carlos Mario Florez. Seine Vision für das Fußballprogramm „Dad Bosco“ sieht vor, so viele Andres wie nur möglich heranzubilden, um dadurch andere zu inspirieren, seinem Beispiel zu folgen und sich von Drogen und Kriminalität fernzuhalten. Das Ziel heißt, jede Menge Tore zum Glück zu schießen.

Weitere Fotos: HIER

*Name geändert

(Text gekürzt aus dem DON BOSCO magazin und Fotos: Eduardo Leal/Don Bosco Mission Bonn/ichtv)

Die Don Bosco Mission Austria unterstützt Projekte der Salesianer, damit das Leben junger Menschen weltweit gelingt: SPENDEN

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