Straßenkinder kicken in Rio

Fußball-WM der Ärmsten will auf Probleme der Straßenkinder weltweit aufmerksam machen.
Bei der WM der Straßenkinder hat in der Gruppe der Mädchen ein brasilianisches Team gewonnen.

Seit frühester Kindheit lebt Dario auf der Straße. Seine Mutter schickte ihn betteln, wenn er weniger als 100 Reals, etwa 30 Euro, heimbrachte, schlug sie ihn. Irgendwann kam er nicht mehr nach Hause, er blieb auf der Straße.
Heute ist Dario auf der Siegerseite: Der 16-Jährige hat einen Job und eine Freundin. Sein Ziel ist es, Profi-Fußballer zu werden.Er hat mit seinem Team, den „Pequenos Nazarenos“ aus Fortaleza das Eröffnungsspiel der Straßenkinder-WM gewonnen: 4 zu 0 gegen Ägypten.

Bei der Straßenkinder-WM in Brasilien traten 240 Jugendliche aus 19 Ländern gegeneinander an. Die Veranstaltung sollte im Vorfeld der Fußball-WM, die im Juni in Brasilien startet, die Öffentlichkeit auf das weltweite Problem der Straßenkinder hinweisen.
Gleichzeitig wollten die teilnehmenden Jugendlichen benachteiligten Kindern auf der ganzen Welt ein Beispiel dafür geben, dass es möglich ist, das von Elend und Verzweiflung geprägte Leben auf der Straße hinter sich zu lassen.

Die Resonanz auf die WM der Straßenkinder war groß. Papst Franziskus sandte eine Friedensbotschaft. Fußballstars wie Lokalmatador Pelé oder David Beckham ließen ebenso Grüße ausrichten wie Prinz William aus Großbritannien.

Eine Schweigeminute mit nachfolgendem tosenden Applaus wurde dem brasilianischen Jungspieler Rodrigo Kelton gewidmet, dessen Portrait die siegreichen „Pequenos Nazarenos“ ins Zentrum des Spielfeldes trugen. Der 14-jährige Rodrigo war am 13. Februar von Unbekannten durch vier Schüsse in den Rücken ermordet worden.  „Er war unser bester Spieler und hatte schon einen fixen Vertrag mit einem Fußballclub in der Tasche“, sagte Manoel Torquato, der das Team aus Fortaleza begleitete.

Hilfe für Straßenkinder
Täglich werden in Brasilien durchschnittlich acht Straßenkinder ermordet. Die meisten leben vom Betteln oder kleinen Gelegenheitsjobs, sammeln Müll oder prostituieren sich. Drogen bestimmen ihren Alltag. 
Um an dieser verzweifelten Situation etwas zu ändern, hat Manoel Torquato 2005 die Kampagne „Kinder gehören nicht auf die Straße“  initiiert. Unterstützung erhält er von Jugend Eine Welt, den Salesianern Don Boscos und den Don Bosco Schwestern.

Im Lauf der Jahre gelang es Torquato aus der kleinen Initiative die größte brasilianische Plattform für die Rechte von Straßenkindern zu entwickeln. Mittlerweile wird die Kampagne von 600 Organisationen getragen. 2012 lud die Regierung Vertreter der Kampagne ein, an der Entwicklung neuer Strategien zur Verbesserung der Situation der Straßenkinder mitzuarbeiten.

Wie lange es allerdings dauern wird, bis diese Strategie für die runde 24.000 Kinder, die in 75 brasilianischen Städten auf der Straße leben, wirkliche Hilfe bringt, kann auch Torquato nicht abschätzen.
Was die FIFA-Fußball-WM anbelangt, sind er und seine Kollegen skeptisch: „Die WM verschlingt Milliarden, die anderswo dringend gebraucht werden.“ Mit dem Geld könnten mehr gut ausgebildete Sozialarbeiter bezahlt werden, die Polizei besser geschult, sichere Unterkünfte für Straßenkinder errichtet und arme Familien unterstützt werden.  Säuberungsaktionen wie das monatelange Wegsperren von Straßenkindern in Institutionen rund um die WM seien jedenfalls keine Lösung. 

Die WM der Straßenkinder endete am 6. April. Den ersten Platz unter den Mädchen gewann das brasilianische Team, bei den Burschen siegte die Mannschaft aus Tanzania.

(Angelika Gerstacker)

Die brasilianische Mannschaft „Pequenos Nazarenos“ mit dem Portrait des ermordeten Rodrigo Kelton.
Die brasilianische Mannschaft „Pequenos Nazarenos“ im Eröffnungsspiel gegen Ägypten. Die Straßenkinder-WM fand erstmals 2010 anlässlich der Fußball-WM in Südafrika statt.

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