Sternsinger: Ihre Mühen und Leistungen

Eine Reportage aus Herz Jesu Amstetten von Wolfgang Zarl.

Vom königlichen Empfang bis zu einem „Nein, ich schlafe noch …“ – so erleben die Sternsinger ihre Besuche in den Haushalten. Lokalaugenschein in einem Amstettner Ortsteil mit großen Blockhäusern: Olivia Ottmann, Katrin Wagner, Stefanie Haiden und Nadine Krizek machen sich frühmorgens zum Don Bosco Heim der Salesianerpfarre Amstetten Herz Jesu auf, um sich als „Heilige Drei Könige und Stern“-Darsteller fesch zu machen. Begleitet werden sie von Wolfgang Zarl, der sie an diesem Tag fährt und immer wieder motivieren sollte: „Ach, das eine Haus schaffen wir noch.“ Oder: „Nehmt es nicht persönlich, dass da mal nix hergegeben wurde oder jemand aus der Wohnung gerufen hat: ‚Es ist niemand daheim …‘“ Grundsätzlich rennt der Schmäh, die vier Mädels sprühen geradezu vor Lebensfreude. Immer wieder gibt es beim doch recht mühsamen Rauf- und Runterlaufen der Stiegenhäuser spontane Einfälle. So lädt die Sternträgerin dazu ein, beim waagrecht gehaltenen Sternestab den berühmten Limbo-Tanz auszuprobieren.

Die 12- bis 13-Jährigen wissen, um was es geht: Sie bringen Segenswünsche in die Haushalte und sammeln für 500 Projekte der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, um Menschen in Not in Asien, Afrika und Lateinamerika zu helfen. Österreichweit sind zwei von drei Kaspars, Melchiors und Balthasars weiblich.

Freude über Kakao und Kekse

Das Gebiet, in das die Sternsinger entsandt worden sind, ist nicht ganz einfach: Vielen ist der Auftritt samstags um 10 Uhr viel zu früh, sie äußern ihren Unmut oder ihr Desinteresse: „Jetzt ist´s grad schlecht?“ Begleiter Zarl: „Ja, verstehe – später vielleicht?“ „Nein, auch nicht“, ruft die Person nochmals zurück. Manche Migranten verstehen nicht recht viel, auch wenn sie freundlich sind und spenden.

Die Mädchen müssen kichern, wenn nach dem Läuten die Antwort kommt: „Ich kann Euch leider nicht aufmachen, ich habe nichts an.“ Oder wenn eine Frau öffnet, die Sternsinger von Weitem hinmarschieren und ihnen hochfreundlich mitteilt: „Nein, von mir bekommt Ihr leider nix.“ Bei manchen Wohnungen dauert es länger, bis die Schülerinnen mit ihren Gedichten und Liedern beginnen können, denn da wird es als kleines Fest zelebriert und alle Familienmitglieder versammeln sich, um den Auftritt zu hören. Die Sternsinger sind gerade für ältere Menschen und Familien mit Kleinkindern ganz, ganz wichtig: Manche rufen enttäuscht in der Pfarre an, wenn sie die Heiligen Drei Könige verpasst haben.

Ein Tipp: Sternsinger freuen sich über Einladungen in die Wohnungen, über Kekse, Heiße Schokolade oder eine Limonade. Gerade wenn das Wetter eiskalt ist und die Wege beschwerlich sind. Katrin, Olivia, Stefanie und Nadine hatten dieses Glück selten, in anderen Ortschaften gibt es umfangreichere Gastfreundschaft. Und zur Erinnerung: Die Kinder und Jugendlichen und ihre Begleiter gehen wie 85.000 Sternsinger österreichweit ehrenamtlich von Haus zu Haus.

Große Haufen an Süßigkeiten
Unsere vier Amstettner Sternsinger wollten für den Ortsteil ein gutes Ergebnis erzielen, aber sie freuten sich auch schon über kleinste Gaben. Denn ihnen ist klar, dass manche Bewohner oder Jungfamilien nicht viel haben und vielleicht Kredite laufen haben. Dazu schenken viele den Sternsingern Süßigkeiten. In ländlich geprägten Ortsteilen nehmen „Profi-Sternsinger“ Sackerl mit, weil sie traditionell riesige Haufen an Schleckereien oder Chips einheimsen. Bei der Familie Burgi und Hans Brandstetter in Preinsbach werden sie zu Mittag mit einem Festessen überrascht. Weil ihnen ihr Betreuer einredete, sie bekämen Broccoli mit Spinat war die Vorfreude enden wollend. Vielmehr erhielten sie das, was alle Heiligen Drei Könige lieben: Wiener Schnitzerl! Dazu Suppe, ein leckeres Eis und Kekse.

Katrin, Olivia, Stefanie und Nadine gingen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Erschöpft freuen sie sich auf die Verteilung der Beute: Hochzufrieden sind sie über ihren Süßigkeiten-Berg. Und beim Geldergebnis wissen sie: Sie haben alles getan, damit armen Menschen geholfen wird und jeder Euro zählt.

Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar, sorgt für den kompetenten Einsatz der Spendengelder. Die Finanzen werden jährlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfer/innen kontrolliert. 

Hintergrund zur Hilfe unter gutem Stern
Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, begann das Sternsingen für Mission und Entwicklungshilfe bereits 1946 - vor 70 Jahren - im slowenischsprachigen Südkärnten. Initiator war Salesianerpater Janez Rovan aus Schwabegg/Zvabek. Er organisierte erstmals in Europa eine Sternsingergruppe, die nicht für sich selbst, sondern für die Missionsarbeit um Spenden bat.

Der slowenische Salesianer Janez Rovan (1911 - 1988) habe 1946 dem alten Brauch des Neujahrssingens beziehungsweise des Dreikönigssingens einen neuen Sinn gegeben, so die "Kleine Zeitung": "Statt für die eigene Tasche, wurde für bedürftige Menschen in der 'Dritten Welt' gesammelt. Das Sternsingen für die Missionsarbeit war erfunden. Die Katholische Jungschar machte daraus in den folgenden Jahrzehnten ein karitatives Großereignis. Dabei war der Anfang im Jahr 1946 in Südkärnten bescheiden. Mit selbst gebastelten weißen Königskappen und in ihren Messgewändern gingen die Heiligen Drei Könige, begleitet von Pfarrer Rovan, durch Schwabegg."

Trotz sehr schwieriger Wirtschaftslage unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges sei die Spendenfreudigkeit sehr hoch gewesen: "Das Geld wurde an Missionare in Indien übergeben, die Sachspenden gingen in die Flüchtlingslager in Spittal/Drau in Lienz - Erfolge, die es ohne das große Engagement von Janez Rovan nicht geben würde."

(KAP)

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