Statistik der Frauenorden Österreichs

Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, zieht Resümee.

Am 23. März 2015 präsentierte Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, die statistischen Zahlen der heimischen Frauenorden für 2014. Das Resümee vorweg genommen: Österreichs Ordensfrauen werden kontinuierlich weniger, dafür aber immer internationaler. Und erfreulicherweise bleibt die Anzahl der Novizinnen konstant.

„Was wäre, wenn in unserem Land die Musikerinnen ausgehen würden?“ – mit dieser überraschenden Frage leitete Sr. Beatrix Mayrhofer die Präsentation der statistischen Zahlen der österreichischen Frauenorden für 2014 ein. „Wer würde die Musik lebendig halten? Das scheint auf den ersten Blick ein ganz anderer Kontext zu sein, aber ich nehme ihn als Symbol dafür, was Ordensfrauen in unserer Gesellschaft tun und bewirken. Ordensfrauen bringen eine besondere Melodie in unsere Gesellschaft ein, und diese würde fehlen, wenn es keine Ordensfrauen mehr gäbe.“

2014: 3.793 Ordensfrauen
Die Statistik spräche eine eindeutige Sprache: Die Ordensfrauen in Österreich würden von Jahr zu Jahr weniger. Mit Stand 31. Dezember 2014 hätte es in Summe 3.793 Ordensfrauen gegeben. 2.018 wären davon über 75 Jahre alt, 945 wären zwischen 66 und 75 Jahre alt. Auch die Orden spiegeln in gewisser Weise die Altersstruktur wieder, in der sich die gesamte Gesellschaft in Österreich befindet, so Sr. Beatrix.

830 Ordensfrauen im „Erwerbsalter“
Doch „der einzelne Mensch ist entscheidender als die statistischen Zahlen. Wie sich die einzelne Ordensfrau einbringt, relativiert sofort die Zahlen“, betonte Österreichs oberste Ordensfrau. Derzeit seien in Österreich 830 Ordensfrauen im gesellschaftlich gesehen „Erwerbsalter“ bis 65 Jahre – eine Größenordnung, die über Jahrhunderte betrachtet den normalen Stand der Zahl von Ordensfrauen entsprach.

Konstante Anzahl von Novizinnen
Die Zahl der Novizinnen bleibe über die Jahre gesehen relativ konstant; 2014 waren es insgesamt 27 junge Frauen, die sich für den Weg in eine Ordensgemeinschaft entschlossen. Neun Frauen kamen aus österreichischen Diözesen, 18 aus ausländischen. Die Frauenorden lebten in ihrem Alltag bereits Internationalität und hätten auch internationale Ausbildungsstätten. Viele wären nach ihrer Noviziatszeit auch weltweit tätig.

Ordensfrauen verändern sich und andere
Selbstbewusste, gut ausgebildete und am Gemeinschaftsleben interessiert junge Frauen um die 30 Jahre dockten wieder öfter an die Ordenswelt an. Tiefe Spiritualität ist Mangelware in der Gesellschaft und in Orden wird danach ehrlich gesucht. „Wäre Ordensleben nicht auch dein Lebenskonzept?“ – ist eine Frage, die die Frauenorden gerade auch mit dem JAHR DER ORDEN in die Gesellschaft einfließen lassen wollten. Unterschiedlichste Formen von Gemeinschaftsleben außerhalb des Klischees „Nonne“ oder „Schwester“ entlang der verschiedensten Ordensaufträge seien in den 105 in Österreich heimischen Ordensfamilien zu finden.

Projekt „Erfahrungskraft Ordensfrau“
Dem spürten die Frauenorden auch mit dem Projekt „Erfahrungskraft Ordensfrau“ nach. 2016 feiert die Vereinigung der Frauenorden Österreichs ihr 50jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass werden heuer Lebensgeschichten von Ordensfrauen jeden Alters, jeder Ordensrichtung und jedes Aufgabenbereichs gesammelt und im April des nächsten Jahres zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Buchform veröffentlicht. „Wir möchten bewahren, was Ordensfrauen in den letzten 50 Jahren erlebt und geschaffen haben“, fasste Sr. Beatrix zusammen, und betonte: „Aber natürlich ist ein Aspekt auch, was wir daraus für die Zukunft mitnehmen können.“

Frauenorden probieren „ganz Neues“ aus
Schon immer hätten Ordensfrauen mit ihrer Erfahrungen die Gesellschaft in Österreich mitgeformt. Dieser Tradition folgend reagierten die Frauenorden auf heutige aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Entwicklungen, indem sie „ganz Neues“ ausprobieren. Sei es, indem sie sich aktiv gegen Menschenhandel oder Zwangsprostitution einsetzen (wie der Verein Solwodi) oder sich ganz intensiv um jene Menschen kümmern, die betteln, obdachlos sind und als „überflüssiger Rest der Gesellschaft“ bezeichnet werden.
„Die Frauenorden sind auf einen guten Weg, sich den Herausforderungen für die Zukunft zu stellen“, zeigte sich Sr. Beatrix selbstbewusst. „Damit die Musik nicht verstummt und im Orchester der Gesellschaft die Stimme der Ordensfrau nicht verloren geht.“

(Ferdinand Kaineder/Robert Sonnleitner, Medienbüro Ordensgemeinschaften Österreichs)

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