„Sie werden sich hier wohlfühlen“

Dank der ehemaligen Schülerin Justina Liberman hat eine ukrainische Mutter in Vöcklabruck Zuflucht gefunden
Justina Liberman hilft Sr. Renate Schobesberger bei der Betreuung der Ukrainerin und ihrer Tochter.

Seit Ende März sind am Standort der Don Bosco Schwestern in Vöcklabruck eine Ukrainerin und ihre dreijährigen Tochter aus Charkiw untergebracht. Dass sie hier sind, verdanken sie der Vermittlung der ehemalige Schülerin Justina Liberman, die letztes Jahr die Don Bosco Schulen abgeschlossen hat. Die 20-Jährige arbeitet als Kindergartenpädagogin, hat russische und ukrainische Wurzeln und selbst eine Fluchtgeschichte zu erzählen.

Von Tschetschenien nach Österreich

Ihre Mutter floh während des Tschetschenienkrieges nach Österreich. Bei ihrer Ankunft war Justina noch ein Baby. Für ihre Mutter sei der Krieg in der Ukraine wie eine Wiederholung, erzählt Justina. „Meine Mutter erinnert sich sehr gut an ihre Flucht. Wie schwer es anfangs ist, wenn man die Sprache nicht versteht. Und wie freundlich man mit ihr trotzdem umgegangen ist. Sie hat sich jeden Tag ein Mantra zurechtgelegt, um weiterzumachen und nicht aufzugeben. Und sie hat viel mit mir geredet – auch wenn ich als Baby nichts verstanden habe, so hat sie mir alle Schritte, die sie machen wollte, genau erklärt.“

Hoffnung, dass der Krieg bald endet

Seit ihrer Ankunft steht Justina in ständigem Kontakt mit der jungen Frau aus der Ukraine, die gemeinsam mit zwei Freundinnen und deren Kindern hierher geflohen ist. Die Freundinnen sind im Attnang, vier Kilometer von hier, untergebracht. Von den Frauen lässt Justina sich berichten, was sich in den letzten Wochen zugetragen hat. Schon 14 Tage vor der Kriegserklärung sind sie mit den Kindern in die Keller ihrer Häuser gezogen. Anfang März sind sie dann aufgebrochen und waren eine Woche lang nach Österreich unterwegs. Ihre Männer mussten zurückbleiben. Zwar sind sie nicht als Soldaten eingesetzt, aber die Situation, in der sie ausharren müssen, ist erbärmlich.

Täglich wird mit den Daheimgebliebenen telefoniert und immer wieder fällt der Satz: „Hauptsache, es geht den Kindern gut!“ Worte, die auch ihre eigene Mutter auf der Flucht immer wieder heraufbeschworen hat, erzählt Justina. „Die Frauen haben die Hoffnung, dass der Krieg bald aufhört und sie schnell wieder nach Hause können“, so die 20-Jährige. „So optimistisch bin ich aber nicht.“

„Helfen zu können, ist mir ein Anliegen“

Justina ist überzeugt, dass sich die junge Frau mit ihrer Tochter hier bei den Don Bosco Schwestern wohlfühlen wird: „Ich war sehr gern hier und habe das Haus und die familiäre Atmosphäre, die hier herrscht, in sehr guter Erinnerung.“ Mit Sr. Renate Schobesberger, die die Betreuung der Geflüchteten übernommen hat, tauscht sie sich regelmäßig aus und steht als Ansprechpartnerin bereit, falls es Dinge zu Regeln gilt oder ihr Russisch gebraucht wird.

Darüber hinaus engagiert sie sich weiter für Flüchtende aus der Ukraine. Bei den diversen Behördengängen, die für dieses Menschen zu bewältigen sind, erweist sie sich mittlerweile als Profi. „Auch unabhängig von meiner Herkunft und meinen Sprachkenntnissen würde ich helfen. Das ist mir ein Anliegen, ich bin einfach ein sozialer Mensch“, sagt sie.

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