Er war der Vermittler der Kirche

Nicaragua: Salesianerkardinal Obando im Alter von 92 Jahren gestorben.
Der Salesianer war einer der prominentesten und schillerndsten Kirchenvertreter seines Landes. Foto: ANS

Kardinal Miguel Obando y Bravo SDB wurde 92 Jahre alt. Er stand bis 2005 rund 35 Jahre lang an der Spitze der Hauptstadt-Erzdiözese Managua.

Der Papst sandte seine Trauerbekundung auch den Salesianern: "Wir beten, dass Jesus ihm die Krone der Herrlichkeit schenken möge, und wir senden Euch allen, die ihr ihm erst später folgen werden und jetzt mit uns trauert, den Apostolischen Segen", so Franziskus.

Das Leben Obando y Bravos folgte einem politischen Zick-Zack-Kurs. Geboren wurde er am 2. Februar 1926 in La Libertad in eine bäuerlich-indianische Familie. Er trat nach seiner Schulzeit in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Er studierte Philosophie, Katholische Theologie und Pastoralpsychologie in El Salvador, Guatemala, Kolumbien und Venezuela. 1958 empfing er die Priesterweihe und arbeitete ein Jahr lang als Lehrer für Mathematik und Physik. 1959 wurde er Präfekt am Seminar der Salesianer in San Salvador.

Am 18. Jänner 1968 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Putia und Weihbischof in Matagalpa. Paul VI. ernannte ihn zwei Jahre darauf zum Erzbischof von Managua. Der Salesianer stand dann 35 Jahre an der Spitze der Erzdiözese Managua und prägte wie kaum ein anderer Kirchenvertreter die gesellschaftspolitische Diskussion in dem mittelamerikanischen Land. Er erlebte aus nächster Nähe die politischen Extreme mit und geriet damit immer wieder zwischen die Fronten.

Obandos Aufstieg fiel in die Schlussphase der Somoza-Dynastie, die Nicaragua seit Mitte der 1930er Jahre ausgebeutet hatte, sowie die Herrschaft der marxistisch orientierten Sandinisten ab 1979. Zwischen 1971 und 2005 war Obando mehrfach Vorsitzender der Nicaraguanischen Bischofskonferenz. 1985 wurde er von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsrang erhoben.

Als Obando Erzbischof in Managua wurde, bezog er schnell Position gegen die blutige Diktatur des Somoza-Clans. Ende der 1970er Jahre versuchte er zunächst, zwischen dem Regime und der damals noch kleinen Rebellengruppe der "Sandinistenfront" (FSLN) zu vermitteln.

Nach der sandinistischen Revolution stand der Erzbischof der neuen Regierung zunächst aufgeschlossen gegenüber, auch weil vier katholische Priester Ministerämter bekleideten, darunter die Brüder Ernesto und Fernando Cardenal. Durch die Propagierung des Sozialismus unter Daniel Ortega gerieten die Sandinisten jedoch in Frontstellung zu Obando. Weil dieser zugleich Verständnis für die Anliegen der "Contra"-Rebellen zeigte, stand er bald auch im Westen in den Ruf eines politischen Reaktionärs. 1990 siegte bei den ersten freien Wahlen in Nicaragua die vom Erzbischof unterstützte Parteienkoalition "Uno" unter Violeta Chamorro.

Später erfolgte eine neuerliche Annäherung an die Sandinisten. 2007 war Kardinal Obando Präsident der staatlichen Versöhnungskommission. 2012 unterstützte er den erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf Ortegas, trotz der schon damals massiven Vorwürfe der Wahlmanipulation gegen das Ortega-Regime.

Held des Friedens
2013 erhielt der Kardinal aus der Hand Ortegas für seinen Einsatz für den Frieden den höchsten Orden Nicaraguas im Bereich Kultur und Wissenschaft; 2016 wurde der Kardinal nach einem Beschluss der Nationalversammlung des Landes und auf Betreiben Ortegas offiziell zum "Helden des Friedens" ernannt.

(KAP)

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