Salesianerkardial wird 90

Kardinal Obando Bravo von Managua blickt auf ein bewegtes Leben.

Kardinal Miguel Obando Bravo, Alterzbischof von Managua, wird am Dienstag, dem 1. Februar 2016 90 Jahre alt. Der Salesianer stand bis 2005 rund 35 Jahre an der Spitze der Hauptstadt-Erzdiözese Nicaraguas. In seine Ära fielen der Sturz der Somoza-Diktatur und die Herrschaft der marxistisch orientierten Sandinisten ab 1979 sowie 1983 der Besuch Papst Johannes Paul II. in dem mittelamerikanischen Land. Zwischen 1971 und 2005 war Obando mehrfach Vorsitzender der Nicaraguanischen Bischofskonferenz. Seine Heimat hat seit 2014 einen weiteren Kardinal, den 65-jährigen Leopoldo Brenes Solorzano.

Miguel Obando Bravo wurde am 2. Februar 1926 in La Libertad (Freiheit) geboren. Nach Studien in Latein, Griechisch, Mathematik, Physik, Philosophie, Theologie und Psychologie wurde er 1958 zum Priester geweiht. 1968 ernannte ihn Papst Paul VI. zunächst zum Weihbischof in Matagalpa und 1970 zum Erzbischof von Managua.

Sein kirchlicher Aufstieg fiel in die Schlussphase der Somoza-Dynastie, die Nicaragua seit Mitte der 1930er Jahre ausgebeutet hatte. Als der Salesianer mit 44 Jahren Erzbischof in Managua wurde, nahm er rasch politischen Einfluss in dem stark katholisch geprägten Land und bezog deutlich Position gegen das Unrecht des Somoza-Clans. Ende der 1970er-Jahre versuchte er, zwischen dem Regime und der damals noch kleinen Rebellengruppe der "Sandinistenfront" (FSLN) zu vermitteln.

Nach der Revolution 1979 stand der Erzbischof den Sandisten zunächst aufgeschlossen gegenüber. In der neuen Regierung übernahmen auch vier katholische Priester Ministerämter, darunter die Brüder Ernesto und Fernando Cardenal.

Durch die Propagierung des Sozialismus und die Förderung einer regimenahen "Basiskirche" gerieten die Sandinisten unter Daniel Ortega jedoch in Frontstellung zu Obando. Weil dieser dann auch noch Verständnis für die Anliegen der "Contra"-Rebellen zeigte, geriet er schließlich in den Ruf eines "Reaktionärs".

Papst Johannes Paul II. stärkte die Position des Erzbischofs, indem er ihn 1985 in den Kardinalsstand erhob. Im Februar 1990 siegte bei den ersten freien Wahlen in Nicaragua die vom Erzbischof unterstützte Parteienkoalition "Uno". Neue Ministerpräsidentin wurde Violeta Chamorro.

Zum Ende der Amtszeit Obandos mehrten sich Versöhnungssignale zwischen dem Kardinal und den Sandinisten. Die Annahme seines Rücktritts zum 1. April 2005 gehörte zu den letzten Amtshandlungen von Papst Johannes Paul II. Am direkt darauf folgenden Konklave nahm er noch teil, kam jedoch aus Altersgründen nicht mehr zu jenem im Jahr 2013.

Obandos Engagement für Dialog und Frieden wurde auch international mit Auszeichnungen gewürdigt, unter vielen anderen mit dem Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte (1979), mit dem Großkreuz des Ordens de Isabel la Catolica (1991) und mit dem "Orden kultureller Unabhängigkeit Ruben Dario" (2012).

(KAP)

Zurück zur Übersicht

Um die volle Funktionalität unserer Website zu gewährleisten bzw. unser Angebot zu optimieren, setzt unsere Website Cookies. Weiterlesen …