Neo-Kardinal Bo aus Myanmar: Einsatz für Arme hat Priorität

Papst Franziskus nimmt den Salesianer Erzbischof Charles Maung Bo ins Kardinalskollegium auf.

Die katholische Kirche in Myanmar muss nach Worten des neuen Kardinals Charles Maung Bo SDB eine führende Rolle als Fürsprecher der Armen einnehmen. Es gehe darum, "in der Wirtschaft für Gerechtigkeit zu sorgen", sagte der 66-jährige Erzbischof von Yangon in einem Interview. Es mangle "nicht an Wohltätigkeit, sondern ganz einfach an Gerechtigkeit".

Papst Franziskus nimmt am Samstag 20 kirchliche Würdenträger aus allen fünf Kontinenten neu ins Kardinalskollegium auf, darunter auch den Salesianer Bo. Er ist der erste Kirchenvertreter Myanmars, des früheren Burma, der zum Kardinal erhoben wird.

Bo sagte, noch in den 1960er-Jahren sei Myanmar eines der reichsten Länder Südostasiens gewesen. Heute seien 60 Prozent sehr arm; 40 Prozent lebten sogar in absoluter Armut, nicht wenige "in einer modernen Form der Sklaverei".

Die katholische Kirche wolle sich besonders für das Recht auf Land für Vertriebene und Binnenflüchtlinge und für das Recht auf Bildung einsetzen. "Die Armut in Myanmar ist Folge der Ungerechtigkeit, die auf unserem Volk lastet. Und wir werden nicht Ruhe geben, bevor den Armen Gerechtigkeit zuteil wird", sagte Bo.

Mit Blick auf die Wahlen Ende des Jahres sagte Bo, die Abstimmung würde "fair sein, wenn es als Beobachter internationale Medien und internationale Wahlbeobachter geben wird". Allerdings beanspruchten die Militärs 25 Prozent der Sitze. "Und die pensionierten Generäle, die ihre Uniformen gegen Straßenanzüge getauscht haben, versuchen alles, um die Mehrheit der Sitze zu erhalten", so der Erzbischof.

Die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi verhalte sich "zu all dem ruhig", so Bo weiter. "Ich finde sie mehr als geheimnisvoll. Vielleicht hat sie ihre eigene strategische Planung", sagte er.

Seine Kardinalserhebung nannte Bo eine Ehre "für das Volk von Myanmar". Fünf Jahrzehnte habe die Kirche unter einer erdrückenden Diktatur gelebt. "Das Überleben der Kirche und ihr Wachstum scheint vielen wie ein Wunder", sagte der Erzbischof. Die Kardinalsehre sei "auch eine Anerkennung für die Bischöfe des Landes, deren Geduld und Klugheit die Kirche überleben ließen". Zugleich verstehe er die Auszeichnung als Appell des Papstes zu einem größeren Dienst an der Kirche und der Nation, die derzeit "eine kritische Situation" durchlebe.

Die 20 neuen Kardinäle, die am Samstag den Purpur erhalten, kommen aus 18 Ländern. Vier von ihnen stammen aus Staaten, die noch nie zuvor einen Kardinal gestellt haben: Myanmar, Tonga, Panama und Kapverden. Es ist das zweite Mal seit seinem Amtsantritt im März 2013, dass Franziskus neue Kardinäle ernennt.

Franziskus hatte die neuen Kardinälen in einem Brief aufgefordert, ihre neue Würde nicht zu übermütig zu feiern. Sie sollten Festlichkeiten durchaus zulassen. Hierbei sei jedoch darauf zu achten, dass sich nicht "der Geist der Weltlichkeit einschleicht", der mehr schade "als ein Grappa auf nüchternen Magen".

Das Kardinalskollegium zählt nach den neuen Ernennungen 227 Mitglieder. Zu den gegenwärtig 110 zur Papstwahl berechtigten Mitgliedern unter 80 Jahren kommen dann 15 hinzu. 102 haben die Altersgrenze bereits überschritten.

(KAP)

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