Momente eines Jahrzehnts

Seite 10 Jahre ist Ludwig Schwarz SDB Diözesanbischof von Linz.
Ein Fotobuch als Geschenk zum Jubiläum. Foto: Diözese Linz

Der Terminkalender eines Bischofs enthält viele Termine, wie sie vielfältiger nicht sein könnten. Neben zahlreichen Sitzungen und (Auswärts-)Terminen im kirchlichen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Kontext ist Bischof Schwarz auch immer wieder Gastgeber: So hält er Sprechtage ab und empfängt Schulklassen, die den Bischofshof und seinen Hausherrn kennenlernen wollen, genauso wie Besuch aus allen Ländern der Welt, von Weißrussland bis Tibet. Anlässlich seines 10-jährigen Amtsjubiläums als Bischof von Linz wurde ein Fotobuch mit ausgewählten Momentaufnahmen des vergangenen Jahrzehnts gestaltet, die diözesane Ereignisse, aber auch den täglichen Dienst eines Bischofs ins Bild bringen.

Überreicht wurde dem Diözesanbischof das Fotobuch bei der Dechantenkonferenz am 16. September 2015 von Generalvikar Severin Lederhilger. Dieser dankte Bischof Schwarz in seiner Festansprache für dessen Wirken in den vergangenen 10 Jahren. Es sei für Schwarz wohl eine persönliche Hausforderung gewesen, vom Weihbischof zum Diözesanbischof zu werden, „vom Wiener zum Linzer – soweit dies eben möglich ist, wie die Anhängerschaft an Rapid bzw. LASK auch Grenzen aufzeigt –, vom ‚Wein-Liebhaber‘ zum ‚Most-Tolerierer‘ und ‚Bier-Akzeptierer‘“, so Lederhilger launig. Er wünschte dem Jubilar im Namen aller Anwesenden alles Gute und Gottes Segen.

Die Anfänge

Am 6. Juli 2005 wurde der Salesianer Ludwig Schwarz von Papst Benedikt XVI. zum 13. Bischof der Diözese Linz ernannt. Im Jahrbuch 2016 der Diözese Linz ist nachzulesen, dass damals rasches Entscheiden gefragt war: Am Abend des 4. Juli 2005 klingelte beim damaligen Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz das Telefon – am anderen Ende der Leitung war die Nuntiatur. Bischof Schwarz sollte Bischof von Linz werden. Eigentlich wollte sich Schwarz Bedenkzeit erbitten und mit seinem Beichtvater über diese schwerwiegende Entscheidung sprechen. Aber dazu blieb keine Zeit: Schon am nächsten Tag war der letzte Ministerrat vor der Sommerpause angesetzt, dessen Zustimmung notwendig war. Also sagte Ludwig Schwarz Ja – im Vertrauen auf Gott.


Am Sonntag, 18. September 2005 um 16 Uhr erfolgte bei einem Festgottesdienst im Linzer Mariendom die feierliche Amtsübernahme. Dieser übernahm von seinem Vorgänger Maximilian Aichern den sogenannten Rudigierstab und den Bischofssitz. Im Gottesdienst wurde das Ernennungsdekret von Papst Benedikt XVI. verlesen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst mit Mozarts „Spatzenmesse“ – in Anlehnung an das Zitat von Don Bosco, dem Gründer des Salesianerordens, dem Schwarz angehört: „Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen.“ Der Wahlspruch des neuen Diözesanbischofs, der auch in seinem Wappen verewigt wurde: „Servite Domino in laetitia“ – „Dienet dem Herrn in Freude“ (Psalm 100,2). Mit Ludwig Schwarz feierten 21 Bischöfe aus Österreich, den Partnerdiözesen und anderen Diözesen der Welt, an ihrer Spitze Nuntius Erzbischof Dr. Georg Zur und Kardinal Dr. Christoph Schönborn. An der Feier nahmen auch hochrangige VertreterInnen der Orden, der Ökumene, aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien sowie Angehörige und WeggefährtInnen teil.

Die Anliegen

Ludwig Schwarz ist ein Bischof, der gern bei den Menschen seiner Diözese ist. Ein Besuch bei den Hochofenarbeitern in der VOEST gehört genauso selbstverständlich dazu wie der Besuch von Projekten für arbeitslose Jugendliche oder von Einrichtungen für obdachlose Menschen. Seit seinem Amtsantritt hat Bischof Schwarz auch fast alle der 489 oö. Pfarren einmal besucht – sei es bei 231 Pfarrvisitationen, bei 230 Firmungen, anlässlich von Priester- oder Diakonweihen, Altarweihen, Kirchweihfesten, Segnungen von Pfarrheimen oder anderen pfarrlichen Ereignissen. Es ist ihm ein Anliegen, in der nächsten Zeit noch all jene Pfarren zu besuchen, in denen er bisher noch nicht war. Bischof Schwarz hat 9.195 jungen (und auch erwachsenen) Menschen das Sakrament der Firmung gespendet sowie 29 Priester und 43 Ständige Diakone geweiht. 8 Diözesanwallfahrten wurden von ihm initiiert und begleitet; sie führten unter anderem im Paulusjahr nach Rom, zur Großen Schutzfrau Österreichs nach Mariazell, auf den Spuren von Bischof Franz Joseph Rudigier nach Partenen/Vorarlberg und Südtirol und zum Diözesanpatron, dem hl. Severin, nach Frattamaggiore bei Neapel, nach Montecassino, Amalfi und Sorrent. Ziel der nächsten Diözesanwallfahrt, die von 10. bis 16. April 2016 stattfindet, ist Rom – anlässlich des „Jahres der Barmherzigkeit“, das von Papst Franziskus ausgerufen wurde.


Bischof Schwarz ist es wichtig, ehrenamtliches Engagement in der Katholischen Kirche in Oberösterreich vor den Vorhang zu holen und zu würdigen. 2009 wurden die diözesanen Ehrenzeichen eingeführt. 26 Floriani-Medaillen (für herausragende überregionale Leistungen) und 104 Severin-Medaillen (für besonderes pfarrliches Engagement) hat Bischof Ludwig Schwarz seither verliehen.

Selbst Kind von Flüchtlingen, weiß Schwarz aus eigener Erfahrung, was es heißt, die Heimat überstürzt verlassen und anderswo neu beginnen zu müssen. Sein Einsatz für Flüchtlinge und Menschen an den Rändern der Gesellschaft ist ihm ein Herzensanliegen. Die leidvollen Erfahrungen haben aus ihm keinen verbitterten Menschen gemacht, sondern im Gegenteil das Gespür für benachteiligte Menschen wachsen lassen. „Ich habe keinen Groll im Herzen und trage auch niemandem etwas nach. Versöhnung zwischen den Völkern war und ist mir ein großes Anliegen“, sagt Schwarz selbst über diese Erfahrungen. Bei einer Kundgebung gegen Gewalt im Jänner 2015 in Linz verurteilte Bischof Ludwig Schwarz Gräueltaten, die von extremistischen Gewalttätern begangen werden, auf das Schärfste. Es sei erschütternd, wenn dies im Namen Gottes geschehe. „Menschen brutal auszulöschen, kann nie im Sinne Gottes sein.“ Vehement forderte Schwarz dazu auf, soziale Ungleichheit zu bekämpfen – jenes Übel, das den Nährboden für Gewalt bereite. Angesichts der derzeitigen Notsituation von Menschen auf der Flucht hat Schwarz die oö. Pfarren eindringlich gebeten, sich aktiv in der Flüchtlingshilfe zu engagieren.

Bischof Ludwig Schwarz setzt sich für soziale Gerechtigkeit ein – landesweit, in Österreich und weit darüber hinaus. So ist er Sprecher der Allianz für den freien Sonntag Österreich und Vorsitzender der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission (KOO). Als KOO-Vorsitzender forderte er immer wieder vehement in der Öffentlichkeit den Einsatz für eine professionelle und wirksame Entwicklungszusammenarbeit, für die entsprechende Gelder zur Verfügung stehen müssen. Seit 2011 verleiht Bischof Schwarz den Missionspreis der Diözese Linz an engagierte oö. UnterstützerInnen von Missionsprojekten. Anliegen ist ihm auch der Dialog mit Wirtschaft, Politik und Interessenvertretungen zugunsten besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen. Am 8. Juni 2010 unterzeichnete er gemeinsam mit AK-Präsident Johann Kalliauer ein „Manifest für Gerechtigkeit“, in dem beide vehement das gesellschaftliche Leitprinzip der Gerechtigkeit einfordern. Eine Gesellschaft biete nur dann die Grundlage für ein gutes Leben für alle, wenn sie fair gestaltet sei und allen eine gerechte Teilhabe an den erwirtschafteten Gütern ermögliche, so die Unterzeichner. Sie forderten eine Politik, die den sozialen Zusammenhalt fördert und die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit – mit existenzsichernden, sinnstiftenden und würdigen Arbeitsbedingungen – sicherstellt. Am 9. Juli 2012 wurde das Dokument „Christliche Werthaltungen und verantwortungsbewusste Wirtschaft als Basis für Wohlstand und soziale Sicherheit“ vorgestellt und von Bischof Ludwig Schwarz (Diözese Linz), Dr. Rudolf Trauner (Präsident der Wirtschaftskammer OÖ) sowie Klaus Pöttinger (Präsident der Industriellenvereinigung OÖ) unterzeichnet.

Ein herausragendes Ereignis der Amtszeit von Bischof Schwarz war die Seligsprechung von Franz Jägerstätter, die am 26. Oktober 2007 im Linzer Mariendom erfolgte. Jägerstätter hatte aus Glaubensgründen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet und war am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel hingerichtet worden. Diözesanbischof . Ludwig Schwarz ging in seiner Predigt den Motiven nach, die Franz Jägerstätter in seinem Leben geleitet haben. „Alles steht für Franz Jägerstätter unter der Maxime der Liebe zu Gott. Diese Liebe befähigt ihn, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.“ Christsein sei für Jägerstätter „der höchste Beruf, den es auf dieser Welt gibt“, gewesen. Wacher Sinn, kritische Unterscheidung, klare Entscheidung und Standfestigkeit seien im Alltag gefragt und hätten Jägerstätter geleitet im Auftreten gegen den Nationalsozialismus mit dessen menschenverachtenden, totalitären und kirchenfeindlichen Ideologien. Die Bildung eines wohlbegründeten und letztlich eigenständigen Gewissens, das sich vom Strom der Mehrheitsmeinung nicht mitreißen lasse, seien ihm unverzichtbar gewesen, so Bischof Schwarz. Der Selige habe darauf vertraut, dass Gott ihn auch in seiner letzten Stunde nicht verlassen werde.


Jägerstätters Witwe Franziska verstarb am 16. März 2013, kurz nach ihrem 100. Geburtstag. Beim Requiem am 22. März im Linzer Mariendom erinnerte Bischof Schwarz daran, dass Franziska Jägerstätter über Jahrzehnte hinweg mit ihrem Leben die Botschaft des seligen Franz Jägerstätter in die heutige Zeit übersetzt habe. Er würdigte Franziska Jägerstätter als eine gläubige Frau, „die für uns alle ein Vorbild in der Nachfolge Christi“ sei. „Sie hatte ein schweres Leben nach dem Krieg und bewahrte doch immer ein frohes Herz. Wer ihr begegnete, ging immer beschenkt weg“, so der Linzer Diözesanbischof. Den Begräbnisgottesdienst am 23. März in St. Radegund zelebrierte Schwarz gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn, Bischof em. Maximilian Aichern, dem Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, dem damaligen Feldkircher Diözesanadministrator Benno Elbs, Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer und Pfarrer Josef Steinkellner.

Ein weiterer Höhepunkt während der vergangenen zehn Jahre war für Bischof Schwarz der Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2007, der unter dem Motto „Auf Christus schauen“ stand. Ebenfalls ein persönliches Highlight für Bischof Schwarz: der 200. Geburtstag von Bischof Franz Joseph Rudigier am 21. April 2011, der mit einem Festgottesdienst im Linzer Mariendom und mit einem Symposium der Katholisch-Theologischen Privatuniversität in der Aula des Linzer Priesterseminars begangen wurde. Der Bau des Linzer Mariendoms war unter Bischof Rudigier begonnen worden, zahlreiche Orden waren gegründet worden, die noch junge Diözese Linz hatte durch Bischof Rudigier in einer Zeit des Umbruches eine soziale und pastorale Identität erhalten.
Weitere Herzensanliegen, die Bischof Schwarz auch immer wieder in seinen Predigten und Ansprachen thematisiert, sind die Familie, der Schutz des Lebens, die Jugend und das Gebet um geistliche Berufe.

Die Zwischenbilanz zum 75. Geburtstag

Am Fronleichnamstag, dem 4. Juni 2015, beging Bischof Ludwig Schwarz seinen 75. Geburtstag – ein Grund zu feiern, zu danken und zurückzuschauen. Beim Festgottesdienst am 5. Juni dankte der Jubilar Gott für sein Leben, seine christliche Familie, für die Führung Gottes in den kirchlichen Dienst und für alle MitarbeiterInnen, die ihm in der Diözese seit 10 Jahren zur Seite stehen. Bei seiner Festpredigt betonte Generalvikar DDr. Severin Lederhilger, Grundlage des bischöflichen Hirtendienstes von Ludwig Schwarz sei neben dem „Weg der Liebe“ die Freundschaft mit Christus und der Gehorsam gegenüber seiner kirchlichen Mission. Getragen von Glaube und Hoffnung, habe sich Bischof Schwarz mehrmals auf „unvorhersehbare Abenteuer“ eingelassen, etwa auf seinen Ordenseintritt oder auf verantwortungsvolle Ämter und Aufgaben. Schwarz habe diese Aufgaben „angenommen in der Hoffnung, dass es schon recht wird – und es ist recht geworden“, so Lederhilger.

Der Lebenslauf

Ludwig Schwarz, am 4. Juni 1940 als erstes von neun Kindern in Pressburg geboren, verbrachte die ersten fünf Lebensjahre in Bruck an der Donau (Slowakei). Nach der Vertreibung aus der Heimat im Jahr 1945 lebte die Familie für mehrere Jahre in einem Barackenlager in Wien.
Mit 16 Jahren trat Ludwig Schwarz in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Er studierte nach dem Ordenseintritt Theologie in Klagenfurt und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern (Bayern). Er wurde am 29. Juni 1964 vom Augsburger Bischof Josef Stimpfle in Benediktbeuern zum Priester geweiht und kam als Kaplan in die Pfarre Don Bosco in Graz. Danach studierte er Klassische Philologie und Archäologie an der Universität Wien und war gleichzeitig Krankenhausseelsorger. 1970 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Von 1969 bis 1978 war er Rektor des Interdiözesanen Seminars für Priesterspätberufe in Horn, anschließend Provinzial der Österreichischen Salesianerprovinz mit Sitz in Wien.
1984 kam Schwarz nach Rom. Zuerst war er Direktor des internationalen Don-Bosco-Konvikts an der Päpstlichen Universität der Salesianer. Ab 1985 unterrichtete er an dieser Universität klassische und christliche Philologie. Ab 1993 war er Provinzial der Salesianer für Rom/Latium.
1999 ereilte Schwarz in Rom der Ruf des Nuntius, nach Wien zurückzukehren, um als Nachfolger von Abt Gregor Henckel-Donnersmarck in der Position eines Nationaldirektors den Österreich-Zweig der Päpstlichen Missionswerke/Missio zu leiten. Papst Johannes Paul II. ernannte Schwarz am 15. Oktober 2001 zum Titularbischof von Simidicca und Weihbischof in Wien. Die Bischofsweihe erfolgte am 25. November 2001 im Stephansdom. Am 6. Juli 2005 wurde Schwarz durch Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Linz ernannt. Die Amtseinführung erfolgte am 18. September 2005. 
Der Wahlspruch von Bischof Ludwig Schwarz lautet: „Servite Domino in laetitia“ (Dienet dem Herrn in Freude, Psalm 100,2).

Tätigkeiten für die Weltkirche
• Mitglied der Bischöflichen Kommission „Ecclesia celebrans“ zur Übersetzung des Missale Romanum 2002 / Editio tertia (seit 2005)
• Vorsitzender der Päpstlichen Kommission „Quo principia“, die im Auftrag der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung die deutsche Übersetzung des „Missale Romanum“ zu überprüfen hatte (2009 – 2011)
• Berater für soziale Fragen in der Europäischen Bischofskonferenz (Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes – ComECE) im Auftrag der ÖBK

Zuständigkeiten in der Österreichischen Bischofskonferenz (ÖBK)
• Mitglied der Glaubenskommission
• Mitglied der Finanzkommission
• Vorsitzender der Bischöflichen Kommission für Weltmission
• Referats-Bischof für Ordensgemeinschaften
• Referats-Bischof für die Koordinierungsstelle der ÖBK für Internationale Entwicklung und Mission (KOO) mit 24

Mitgliedsorganisationen
• Referats-Bischof für Mission und Entwicklung (inkl. MIVA – Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft)
• Referats-Bischof für Iustitia et Pax
• Kontakt-Bischof für Katholische Sozialakademie Österreichs
• Kontakt-Bischof für Pro Europa
• Vorsitzender der „Allianz für den freien Sonntag Österreich“

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