Menschenwürde nicht nehmen lassen

Slowakischer Salesianerpater Anton Srholec für Kreisky-Preis nominiert.
Der 85-jährige Anton Srholec (re.) soll für seine Verdienste um die Menschenrechte ausgezeichnet werden.

Der slowakische Salesianerpater Anton Srholec ist ein "außergewöhnlicher Mensch, der sich seine eigene Würde und die Überzeugung von der Würde und Gleichberechtigung aller Menschen durch nichts hat brechen oder nehmen lassen": Mit diesen Worten begründete der Grazer Caritasdirektor Franz Küberl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien, warum er sich als Mitglied eines Personenkomitees dafür einsetzt, dass der seit kurzem 85-jährige Srholec den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte erhält. Das Personenkomitee umfasst derzeit über 50 Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Kultur - unter ihnen die Bischöfe Alois Kothgasser und Ludwig Schwarz.

Der Ordensmann sei eine "Leuchtfigur", die auf ihre zum Großteil "unerquickliche Vergangenheit" mit großer Gelassenheit zurückblickt - trotz langjähriger Haft und Überwachung durch den Staat sowie eine Behandlung durch "seine Kirche, die nicht immer sanft war", so Komitee-Vorsitzender Küberl weiter. Dabei bräuchten sowohl die katholische Kirche in der Slowakei als auch der Staat Srholec "wie einen Bissen Brot". Wer sonst verstehe die Kernbotschaft des Papstes so gut wie der Salesianerpater?, fragte der frühere Caritas-Präsident.

Das Komitee beruft sich vor allem auf Srholec' Widerstand gegen den Kommunismus und jedwede Verletzung der Menschenrechte. Der Salesianerpater verrichtete nach der Auflösung seines Ordens durch die Kommunisten 1950 als Dissident zehn Jahre lang Zwangsarbeit im Uranbergwerk Jachymov. Seit der "Wende" 1989 engagiert er sich vor allem für Obdachlose.

Heute ist der bereits mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnete Ordensmann Vorsitzender der Konföderation politischer Häftlinge in der Slowakei, Mitglied im Helsinki-Ausschuss für Menschenrechte und in einer leitenden Funktion in dem von ihm gegründeten Haus "Resoty"
für Obdachlose tätig. 2013 wurde Srholec für sein Engagement im Bereich Demokratie und Menschenrechte mit dem Preis der "Jan-Langos-Stiftung" ausgezeichnet.

In der Slowakei sei der Salesianerpater in allen Gesellschaftsschichten bekannt und genieße "höchstes Ansehen", so der slowakische Theologe Miroslav Kocur bei der Pressekonferenz.
"Viele Leute haben große Karrieren gemacht, aber Pater Anton ist immer unter seinen obdachlosen Freunden geblieben." Er lebe und zeige vor, wie Christen heute ihren tieferen Glauben ganz konkret und aktiv als Bürger leben können.

Ein breites Spektrum deckt auch das Personenkomitee zur Nominierung von Srholec für den Kreisky-Menschenrechtspreis ab. Ihm gehören auch der Wiener Theologe Paul Zulehner, der tschechische Religionssoziologe Tomas Halik, Österreichs Botschafter in der Slowakei, Josef-Markus Wuketich, Grün-Politikerin Ulrike Lunacek, der frühere Vizekanzler Erhard Busek, der Künstler Christian Ludwig Attersee oder der Schriftsteller Martin Pollack an. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von vier niederösterreichischen Familien.

Slowakischer "Vater der Armen"
Anton Srholec wurde am 12. Juni 1929 als Sohn einer Kleinbauernfamilie in Skalica geboren. Schon als Jugendlicher trat er in den Salesianerorden ein. 1951 misslang ihm ein Fluchtversuch aus der damaligen Tschechoslowakei, den er unternahm, weil ihm das kommunistische Regime kein Theologiestudium erlaubte. Die Folge waren zehn Jahre Haft, den Großteil davon im berüchtigten Uranbergwerk Jachymov. Erst 1969 erhielt Srholec die Erlaubnis zu einem Aufenthalt in Italien, wo er in zwei Semestern an der Salesianeruniversität in Turin das gesamte Theologiestudium nachholte; 1970 wurde er in Rom von Paul VI. zum Priester geweiht.

Nach dem "Prager Frühling" widmete sich Srholec der Seelsorge vor allem an Jugendlichen, "wurde aber nicht nur von der staatlichen Obrigkeit, sondern auch der Amtskirche schikaniert, mehrfach versetzt und schließlich vom Priesteramt ausgeschlossen", wie das Personenkomitee mitteilte. Nach seinem Pensionsantritt blieb Srholec weiterhin in Menschenrechtsorganisationen und Sozialinitiativen aktiv, vor allem im Obdachlosenzentrum Resoty.

Für seine Verdienste wurde Anton Srholec mehrfach im In- und Ausland ausgezeichnet, zum Beispiel mit Ehrendoktoraten der Universität Trnava und der Slowakischen Universität der Heiligen Elisabeth.

(KAP)

Zurück zur Übersicht

Um die volle Funktionalität unserer Website zu gewährleisten bzw. unser Angebot zu optimieren, setzt unsere Website Cookies. Weiterlesen …