+ Pater Anton Srholec verstorben

Der Menschenrechtsaktivist erlag einer Krebserkrankung.

Der bekannte slowakische Ordensmann und Menschenrechtsaktivist Pater Anton Srholec SDB ist am Donnerstag, dem 7. Jänner 2016 86-jährig in Bratislava verstorben. Der einstige Dissident in Zeiten des kommunistischen Regimes erlag einem Lungenkrebsleiden, bestätigte die slowakische Bischofskonferenz. Srholec galt in der Slowakei vielen als Vorbild für christliche Nächstenliebe und aufgrund seines Engagements für politische Häftlinge, Jugendliche in Notsituationen sowie für Obdachlose auch als "Vater der Armen".

Schon an der Verleihung des Leopold-Kunschak-Preises im österreichischen Parlament am 22. Mai des vergangenen Jahres und an einem für ihn veranstalteten Fest in der Wiener Hofburgkapelle wenige Wochen darauf hatte Srholec aufgrund seiner schweren Krankheit nicht mehr teilnehmen können. Im September hatte der Salesianerpriester das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlassen, um "zu Hause zu sterben". Zum letzten Mal hatte er sich im August offiziell zu Wort gemeldet, als er die kirchliche Flüchtlingsinitiative "Wer wird helfen, wenn nicht wir" unterstützte.

Der Ordensmann war für sein Engagement mehrfach im In- und Ausland ausgezeichnet worden, u.a. mit Ehrendoktoraten der Universität Trnava und der Slowakischen Universität der Heiligen Elisabeth, dem Kardinal-König-Preis für Verdienste um Glauben und Freiheit (1999), dem Jan Lango-Stiftung-Preis für Verdienste um die Demokratie (2013) sowie mit einer Einreichung für den Bruno Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte (2014).

Anton Srholec, geboren 1929 als Sohn einer Kleinbauernfamilie in Skalica, trat schon als Jugendlicher in den Salesianerorden ein. Nachdem der Salesianerorden 1950 vom Regime der damaligen Tschechoslowakei aufgelöst worden war, misslang ihm 1951 ein Fluchtversuch, den er unternahm, weil ihm das kommunistische Regime kein Theologiestudium erlaubte.

Die Folge waren zehn Jahre Haft, den Großteil davon im berüchtigten Uranbergwerk Jachymov. Statt Missionar in einem Entwicklungsland sei er hier - durch Gründung illegaler Gebetskreise und karitativer Zirkel sowie den Aufbau einer Jugendorganisation - zum Missionar im Gefängnis geworden, blickte er Ende 2014 in einem "Kathpress"-Interview zurück. Oftmals von Spitzeln verraten, verbrachte der Pater viel Zeit in Einzelhaft und musste zahlreiche zusätzliche Schikanen der Behörden über sich ergehen lassen.

Erst 1960 rettete Srholec eine Amnestie aus der Haft. Er arbeitete in den Folgejahren in verschiedenen Fabriken, setzte aber hier seine verbotenen Aktivitäten und auch Studien fort und bekam dadurch weiterhin immer wieder Schwierigkeiten mit dem Regime. 1969 erhielt er die Erlaubnis zur Ausreise nach Italien, wo er in zwei Semestern an der Salesianeruniversität in Turin das gesamte Theologiestudium nachholte. 1970 wurde er in Rom von Paul VI. zum Priester geweiht.

Nach der Rückkehr in die Heimat wurde er während der sogenannten Normalisierung nach dem Prager Frühling nicht nur von staatlichen Organen, sondern auch von der Amtskirche schikaniert: Er durfte zunächst nur als Mesner, dann als Kaplan in entlegenen Pfarren wirken. 1985 wurde ihm die Arbeitserlaubnis als Priester gänzlich entzogen. Die Kirche in seiner Heimat habe sich zu sehr mit dem kommunistischen Regime arrangiert, kritisierte er im Nachhinein oft.

Nach seinem Pensionsantritt blieb Srholec weiterhin in Menschenrechtsorganisationen und Sozialinitiativen aktiv, vor allem durch die Gründung des Obdachlosenzentrums "Resoty" in Bratislava im Jahr 1991, wo er über 20 Jahre lang tätig war. Die Weiterführung der Einrichtung, in der 40 Bedürftige betreut werden, gilt als gesichert durch die finanzielle Unterstützung des Mediziners Vladimir Krcmery, einem Neffen des in der Arztes Sylvester Krcmery, der mit Srholec zu den Schlüsselfiguren der slowakischen Untergrundkirche zur Zeit des Kommunismus zählte.

Wiederholt hatte sich Srholec in den vergangenen Jahren zudem für eine Rehabilitierung des 2012 abgesetzten Tyrnauer Bischofs Robert Bezak eingesetzt. Die Kirche habe sich mit diesem Schritt ein "Eigentor" geschossen, an das man sich noch lange erinnern werde, zeigte sich der Ordensmann solidarisch.

(kathpress)

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