Lieben geht ganz einfach

Im Juli 2014 wurde Salesianerpater Giuseppe Arribat SDB von Papst Franziskus zum Diener Gottes erklärt.

Die Urteile über Pater Arribat beschreiben einen liebenswürdigen, einfachen Salesianer:

"Er scheute keine Art von Arbeit, vielmehr suchte er sich gerade die einfachsten Dienste aus. Wegen seiner Bereitschaft, auch Reinigungsarbeiten zu verrichten, wurde er von den Novizen „Ritter des Besens“ genannt. Er wachte ganze Nächte bei Kranken. Während des Krieges überließ er durchreisenden Mitbrüdern sein eigenes  Zimmer und übernachtete selbst auf einem Lehnstuhl oder in der Kapelle. Ihm werden auch wunderbare Heilungen zugeschrieben.

In allen seinen Aufgaben und Verantwortlichkeiten, vor allem als Direktor über viele Jahre und in verschiedenen Häusern, zeigte sich Don Arribat als ein beispielhafter Salesianer: Immer inmitten der Jugendlichen, im Garten wie in der Kapelle, in der Schule beim Katechismusunterricht und im Krankenzimmer; er eilte vom Speisesaal in den Schlafsaal, vom Beichtstuhl in den Garten, immer achtend auf alles und auf alle. Er hatte außerordentlichen Respekt und Feinfühligkeit für alle Personen, vor allem für die Kleinen und Armen. Er wachte über sein Haus, gleichsam wie ein „Blitzableiter“, wie ein Schutzwall ein neuer Heiliger Josef. Ein offenes und lächelndes Angesicht. Während seine Askese an die Figur des heiligen Pfarrers von Ars erinnert, lassen uns seine Sanftmut und sein Lächeln an den heiligen Franz von Sales denken. Er war sehr spontan, geistreich, reagierte sehr unmittelbar und war in seinem Herzen jung geblieben. Als Beichtvater war er bestrebt, eine Erklärung zu finden, mitzufühlen und Mut zu machen. Von ihm ging eine schlichte Würde aus, und das machte Eindruck."

Der erste französische Salesianer

Am 17. Dezember 1879 wurde nämlich in Trédou im Departement Aveyron das zweite der insgesamt sieben Kinder der Familie Arribat geboren. Aus diesem Kind wurde später ein hervorragender Salesianerpriester, der erste französische Salesianer.

Als er 18 war, hatte seine Familie endlich die ärgste Not überwunden, und er bat im Salesianerhaus in Marseille darum, zur Schule gehen zu können. Es kümmerte ihn dabei nicht im Geringsten, dass er dort die Schulbank neben Kameraden drücken musste, die gerade erst elf Jahre alt waren. Die Persönlichkeit Don Boscos faszinierte ihn, und so bat er darum, Salesianer werden zu können. Als Spätberufener wurde er Aspirant und als Freizeitbetreuer im Jugendzentrum von Toulon-Montéty eingesetzt.

Im Jahr 1902 stand der Radikale Combes an der Spitze der Regierung. Durch einige Gesetze wurden rund 30.000 Ordensleute aus Frankreich ausgewiesen, ihre Niederlassungen und ihre Schulen wurden enteignet. Die ausgewiesenen Salesianer wichen über die Alpen aus und verlegten ihr blühendes Noviziat nach Avigliana in Piemont. Unter den Ausgewiesenen war auch der Novize Auguste, und so führten ihn seine ersten Schritte im Salesianerleben über das Land Don Boscos. 1903 empfing er das geistliche Gewand des Klerikers aus den Händen des seligen Michele Rua und wurde mit 25 Jahren Salesianer.

Heimlich in Frankreich

Die von der Regierung Combes erlassenen Gesetze hatten zwar die im Unterricht tätigen Ordensleute des Landes verwiesen, aber die rechtlichen Grundlagen, die in Frankreich das Prinzip der Unterrichtsfreiheit garantierten, waren nicht geändert worden. So kehrte Auguste nach Frankreich zurück und begann seinen apostolischen Einsatz in einer Art “Untergrund” an der Seite einiger anderer Salesianer. Sie durften nicht sagen, dass sie Ordensleute waren, durften auch ihr geistliches Gewand nicht tragen und sie durften auch nicht unter dem Namen Salesianer Häuser oder Schulen betreiben; so etwas war nur möglich als freier Verein wie etwa Alliance des maisons d‘éducation chrétienne – Vereinigung christlicher Erziehungshäuser. So war es Auguste möglich, in Marseille und La Navarre zu studieren und sich auf das Priestertum vorzubereiten und als Salesianer zu arbeiten; Geweiht wurde er im Jahr 1912.

Am 3. August 1914 erklärte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg. Angesichts dieser Bedrohung direkt an den Grenzen Frankreichs hörten die antiklerikalen Angriffe auf. Auch “Père Auguste” mit seinen 35 Jahren wurde eingezogen. Als Sanitäter und Verwundetenträger wurde er eingesetzt in der Hölle der Schützengräben. Ein Zeuge schrieb: “Wenn das Gespräch auf den Krieg kam – ein Thema, das Pater Arribat überhaupt nicht mochte –, dann wollte er nicht, dass über das Heldentum der Soldaten und über ihre Opfer Witze gemacht wurden. Er hatte dem Tod unter den Salven der Maschinengewehre und in den von Flöhen verseuchten Schützengräben ins Angesicht geschaut.”

Eine neue Front: die jungen Arbeiter

Nach Kriegsende schlug das religiöse Klima in Frankreich um. “Die Kameradschaft mit Priestern und Lehrern im Schlamm der Schützengräben und unter dem Feuer der Kanonen hinterließ ihre tiefen Spuren. Auch das Werk der Salesianer entwickelte und organisierte sich. Pater Arribat stieg intensiv in die Arbeit ein,

Am 3. September 1939 erklärten Frankreich und England den Krieg gegen das nazionalsozialistische Hitlerdeutschland, das zwei Tage zuvor in Polen einmarschiert war. Pater Arribat war nun 60 Jahre alt und alle seine jungen und tüchtigen Mitbrüder rückten zum Militär ein. Voller Leid und Trauer dachte er an die Zeiten von Kugelhagel und Schlachten, die nun wieder bevorstehen würden.

Frankreich brach nach einem Monat zusammen. Am 14. Juni besetzten die deutschen Truppen Paris. Im Herbst 1941 wurde Pater Arribat mit der Leitung des Salesianerwerks in Villemur-sur-Tarn bei Toulouse betraut. Sechs Jahre blieb er hier und dies war die gefährlichste Zeit seines Lebens, aber auch die Zeit, in der er die meiste Gnade erfuhr. Er versteckte im Salesianerhaus in Villemur jüdische Buben, und als die SS-Division “Das Reich” die Salesianerschule besetzte, musste er all seine Gelassenheit und Höflichkeit aufwenden, um eine Katastrophe zu verhindern.

Die tüchtigsten Mitbrüder waren zum Militärdienst einberufen worden. Pater Arribat arbeitete umso mehr und versuchte sie zu ersetzen. Der Eindruck, den die Zeitzeugen von ihm hatten, war vor allem der eines Dieners und zwar im vollen Sinn des Wortes: den Hof fegen, die Toiletten reinigen, Geschirr spülen, Kranke behandeln und bei ihnen wachen, die Kapelle schmücken, den Kleinen die Schuhe zubinden – darin bestand sein tägliches Tun.

Nach dem 2. Weltkrieg wirkte Pater Arribat noch an mehreren Häusern, bis er am 19. März 1963 starb. Er hatte 84 Jahre gelebt und alle gelehrt, “Es ist so einfach zu lieben”. Ein Wolfshund, den er allein hatte zähmen können, kam und legte sich an sein Totenbett.

(ANS/Teresio Bosco: Zeichen der Liebe Gottes)

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