Lesen statt putzen

Mit Bildung gelingt Mädchen in Pakistan ein neues Leben.
In Quetta werden christliche und muslimische Mädchen aus armen Verhältnissen gemeinsam unterrichtet.

Mädchen haben in Pakistan einen schweren Stand. Viele werden schon früh verheiratet und können nicht zur Schule gehen. Die Salesianer Don Boscos setzen in dem islamischen Land vor allem auf Bildung.

Jacinta* kann jetzt wieder lachen und positiv in die Zukunft schauen. Früher war das anders, denn sie hatte vor allem eine Erfahrung machen müssen: nicht geliebt zu werden und unerwünscht zu sein. Mit 12 Jahren kommt sie in das Mädchenwohnheim „Laura Vincuña“ in Quetta im Westen Pakistans. Ihren Vater hat sie mit vier Jahren durch Krebs verloren und ihre Mutter verlässt sie, als sie noch klein war. Jacinta wächst erst bei einer Tante, dann bei einem Onkel auf. Als dieser unerwartet stirbt, kann sie zwar bei seiner Frau bleiben, aber diese ist hart zu ihr und lässt sie spüren, dass sie nicht zur Familie gehört. Die damals Neunjährige muss sich um den Haushalt kümmern: putzen, kochen und aufräumen. Sie wird gnadenlos ausgebeutet, hat aber nicht den Mut und die Kraft, sich zu wehren. Das ändert sich erst, als sie in die Schule kommt. Dort beginnt sie zu verstehen, wie schlecht und ungerecht sie von ihrer Tante behandelt wird. Sie wird mutiger und rebelliert, stößt damit jedoch auf Unverständnis. Sie erfährt nur noch mehr Härte. So flieht sie und wird schließlich in das Don Bosco Mädchenhaus gebracht.

Jacinta ist kein Einzelschicksal in dem islamischen Land. Viele Mädchen in Pakistan werden als Haushaltshilfen ausgebeutet. Eine moderne Form der Sklaverei. Die Mädchen haben keine Rechte, werden oft geschlagen und missbraucht, leben völlig isoliert. Viele Mädchen in Pakistan werden zudem vor dem 18. Lebensjahr verheiratet und besuchen dann meistens keine Schule mehr. „Dies ist ein großes Problem, denn Bildung ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Armut und erweitert den Lebenshorizont der Mädchen“, betont Pater Joel Jurao, der seit 2017 die Einrichtung in Quetta leitet. Wichtig sei die Unterstützung der Familien. Sie müssten in den Prozess mit eingebunden werden.

Mut machen und füreinander da sein
„Als Jacinta zu uns gekommen ist, war sie sehr verstört und depressiv. Mit ihren zwölf Jahren hatte sie einfach schon zu viel Schlimmes erlebt“, so Pater Joel. Die Salesianer in Quetta hören ihr zu, zeigen ihr, dass sie willkommen ist und viel Potential in sich hat. Jacinta fasst wieder Mut, möchte weiter zur Schule gehen. Im Don Bosco Zentrum besucht sie jetzt die 6. Klasse. „Sie ist sehr intelligent und lernt mit Begeisterung. Aber es gibt auch immer wieder Phasen, in denen sie in Depressionen verfällt“, erklärt Pater Joel. 

97 Prozent der Bewohner in Pakistan sind Muslime. Christen stellen eine Minderheit dar. In dem Mädchenwohnheim von Don Bosco werden nur christliche Mädchen aus armen Familien betreut; in die Don Bosco Schule gehen muslimische und christliche Mädchen gemeinsam, der Religionsunterricht wird jedoch getrennt durchgeführt. Immer wieder kommt es in dem islamischen Land zu Übergriffen auf religiöse Minderheiten, auch die Don Bosco Einrichtung in Quetta war schon davon betroffen. Doch die Arbeit soll trotzdem weitergehen. „Die Mädchen brauchen unsere Unterstützung. Und in Bildung liegt die Chance, etwas zu verändern“, so Pater Joel.

Erkämpfte Wertschätzung
Die Arbeit der Salesianer in Pakistan begann bereits im Jahr 1998.  Die Don Bosco Einrichtungen sind sehr angesehen. Viele muslimische Eltern erkennen mittlerweile, dass Bildung für ihre Töchter der Schlüssel für ein besseres Leben ist. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, das für Mädchen und Frauen zu den gefährlichsten der Welt gehört. In der pakistanischen Verfassung ist schon seit 1973 die Gleichstellung von Männern und Frauen festgeschrieben. Doch tatsächlich sind Frauen und Mädchen in dem islamischen Land zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Viele können nicht schreiben und lesen. Pakistan hat noch immer eine der niedrigsten Einschulungs- und Alphabetisierungsquoten weltweit.

Ein Zuhause auf Zeit
Im Mädchenwohnheim „Laura Vicuña“ in Quetta finden die jungen Frauen im Alter zwischen zehn und 16 Jahren ein „Zuhause auf Zeit“. Die Unterstützung im Alltag durch die Salesianer Don Boscos und die Good Shepard Schwestern sowie die familiäre Atmosphäre stärken die jungen Bewohnerinnen auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben.

So wie Anjali*, die den Schritt in die Selbständigkeit geschafft hat. Sie kam mit ihrer Familie nach Quetta und half durch Zufall im Don Bosco Haus in der Küche aus. Dort entdeckte sie ihren Wunsch zum Lernen. Ihre Eltern willigten ein und so besucht die 13-Jährige jetzt die 6. Klasse im Don Bosco Zentrum, wohnt im Laura Vicuña Haus und kann mit Zuversicht in die Zukunft schauen. „Das Beste, was wir den jungen Menschen in Quetta geben können, ist Bildung. Die Mädchen müssen in die Schule gehen können, und die Jungen lernen dort, dass Mädchen gleichberechtigte Partner unserer Gesellschaft sind“, betont Pater Joel.

*Name geändert

(Text gekürzt aus dem DON BOSCO magazin: Kirsten Prestin, Fotos: Don Bosco Mission Bonn

Die Don Bosco Mission Austria unterstützt Projekte der Salesianer, damit das Leben junger Menschen weltweit gelingt: SPENDEN

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