Korruption ist wie Krebs

Salesianerkardinal Maradiaga beim Treffen der interreligiösen Initiative "Ethics in Action" im Zuge des "Forum Alpbach".
"Korruption ist wie Krebs, der die Gesellschaft tötet", sagt der honduranische Kardinal und Papstberater Oscar Rodriguez Maradiaga SDB.

Spitzenvertreter aus Vatikan und Weltkirche haben am Dienstag, dem 21. August 2018 bei einer Veranstaltung der interreligiösen Initiative "Ethics in Action" beim Tiroler "Forum Alpbach" den Appell zum umfassenden Kampf gegen alle Formen von Korruption erneuert. 

Korruption bedrohe Leben und Gesellschaft auf vielfältige Weise, so der Tenor bei dem Podiumsgespräch. Sie führe zu Steuerflucht, niedrigem Wirtschaftswachstum und fehlenden Investitionen, trage zu schlechter Bildung und Infrastruktur sowie Umweltzerstörung bei und in letzter Konsequenz auch zu bewaffneten Konflikten. Den Preis dafür zahlten vor allem die Armen.

Bloß korrupte Regime verantwortlich zu machen, reicht aus Sicht des afrikanischen Kardinals Onaiyekan dabei nicht aus. "Es wäre für korrupte Machthaber nicht möglich, Milliarden aus Staatskassen zu entwenden, wenn sie das Geld nicht irgendwo verstecken könnten", spielte er auf in Steueroasen und Konten internationaler Banken verstecktes Geld an. Entsprechende internationale Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung seien bekannt. "Wir wissen, was zu tun wäre, aber es wird nicht gemacht", monierte der Kardinal fehlenden politischen Willen.

Menschenhandel und Drogenbusiness

Große Machtfülle erzeuge auch große Korruption, sagte der Wirtschaftsprofessor und UN-Sonderberater für die Nachhaltigen Entwicklungsziele Jeffrey Sachs. Und es gebe dabei nicht nur um das Fehlverhalten des Einzelnen. "Korruption verursacht riesige Kosten für die Gesellschaft." Deshalb zähle der Kampf gegen Korruption und Bestechung in allen ihren Formen auch zu den Zielen des UN-Aktionsplans für eine nachhaltige Entwicklung ("Sustainable Development Goals"). 

Ein Beispiel für ähnliche Verflechtungen gab auch Kardinal Maradiaga. Er rief dazu auf, den mit Korruption verbundenen Menschenhandel und das florierende "Drogenbusiness" nachdrücklicher zu verfolgen. Die Regierungen hätten Programme gestartet, um etwa gegen den Drogenhandel vorzugehen. Nun seien in diesem Bereich Jugendgangs ein wachsendes Problem: "Wenn es für die Jungen keine Arbeitsplätze gibt, sehen sie keine Chancen und können leicht für das Drogenbusiness rekrutiert werden."

Moral hält Demokratie zusammen

An den "Ethics in Action"-Gesprächen in Alpbach nahm auch der vatikanische Kurienbischof Marcelo Sanchez Sorondo als einer der Mitbegründer der Initiative teil. Die größten Probleme der westlichen Welt seien Korruption und die Schwächung der Demokratie - zwei an sich verschiedene Phänomene, die aber zusammenhängen, wie der Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in einem Interview mit der Zeitung "Die Presse" am Rande des Treffens sagte. Moral halte die Demokratie zusammen. Triumphiere Korruption, würden gute Demokratien oder auch Gesellschaften schnell zu schlechten, so Sanchez.

(KAP)

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