Kinderrechtekampagne zu Olympia

Don Bosco und Jugend Eine Welt fordern mehr Hilfe für Straßenkinder.

Eine Brasilien-weite Kampagne wird Olympia-Gäste und die lokale Bevölkerung verstärkt über Kinderrechte informieren. Unter dem Titel „Respektieren, schützen, garantieren – Alle gemeinsam für die Rechte von Kindern und Jugendlichen“ sollen bei sämtlichen großen Sport-Events Aktionen laufen. Zusätzlich ermöglicht eine von Unicef entwickelte App das blitzschnelle Melden von Missbrauchsfällen, die Kinder betreffen.

Die Don Bosco Partnerorganisation Jugend Eine Welt und ihre Partner vor Ort begrüßen die neue, von der „Nationalen Front der Bürgermeister Brasiliens“ (FNP) entwickelte Kampagne, sind aber in großer Sorge hinsichtlich Kinderrechtsverletzungen, die abseits der Öffentlichkeit bzw. von Sicherheitskräften begangen werden. So fanden in Zentrums-nahe Stadtteilen von Rio de Janeiro bereits Monate vor Beginn der Olympischen Spiele gezielte „Säuberungsaktionen“ statt, bei denen Straßenkinder und andere Obdachlose im Fokus standen. Die Jugendlichen wurden häufig in Auffanghäusern untergebracht und wie Kriminelle behandelt, ohne dass ihnen Straftaten nachgewiesen worden wären. Noch schlimmer erging es jenen, die – meist im Zusammenhang mit Kleinkriminalität oder Drogendelikten - in den chronisch überbelegten staatlichen Jugendstrafvollzugseinrichten landeten, in denen 2015 mehr als 18.000 Jugendliche inhaftiert waren. Viele berichteten später über massive Gewalterfahrungen.

Strafmündigkeit ab 16 – noch immer nicht vom Tisch
Seit Jahren diskutiert das brasilianische Parlament über eine Verfassungsänderung, mit der die Strafmündigkeit von 18 auf 16 Jahre herabgesetzt würde. Salesianerbruder Raymundo Mesquita, ehemaliger Kinderrechtsbeauftragter der brasilianischen Regierung, kritisiert dieses Vorhaben scharf: „Damit würde man im besten Fall Symptome bekämpfen bzw. perspektivlose Jugendliche bestrafen, die keine andere Wahl haben, als sich mittels Kleinkriminalität über Wasser zu halten. Zudem gelten die brasilianischen Gefängnisse als „Schule des Verbrechens“. Viel sinnvoller als eine Herabsetzung der Strafmündigkeit wären verstärkte Hilfsprogramme für benachteiligte Jugendliche und Straßenkinder bzw. Investitionen ins Bildungssystem!“ Dieser Meinung waren in den vergangenen Monaten auch zahlreiche StudentInnen, die in verschiedenen Städten für ein Beibehalten des Status Quo demonstrierten. „Wir vereinen uns mit Millionen Schreien von brasilianischen Jugendlichen und mit denen von BürgerInnen, sagt nein zur Reduktion, wir rechnen mit euch!“, appellierten die Salesianer Don Boscos in einem offenen Brief an die Abgeordneten des Parlaments.

Don Bosco in Brasilien
Die Salesianer Don Boscos sind seit 1883 in Brasilien tätig, die Don Bosco Schwestern seit 1892. Gemeinsam betreuen die Projektpartner von Jugend Eine Welt mehr als 130 Sozialprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche – auch in der Olympiastadt Rio, wo rund 5.500 Straßenkinder leben. „Wir befürchten, dass bedingt durch die aktuelle Rezession und die Streichung von Sozialhilfen in Zukunft noch mehr Kinder auf der Straße landen, wenn nicht intensiv gegengesteuert wird“, ist Jugend Eine Welt Vorsitzender Reinhard Heiserer besorgt. Die Hilfsorganisation möchte zusätzlich zu schon jetzt geförderten Projekten künftig auch den Ausbau und die Renovierung des Don Bosco Jugendzentrums in der Favela Jacarezinho, einem der größten Elendsviertel von Rio, unterstützen. So sollen noch mehr benachteiligte Kinder die Chance auf qualitätsvolle Schulbildung und eine reelle Zukunftschance erhalten.

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