Impuls am Sonntag

von Sr. Elisabeth Siegl FMA zu Lk 6,27-38: Liebe zu den Feinden
Sr. Elisabeth Siegl FMA

Sprachlos. Diese Worte machen doch zunächst sprachlos, denn sie passen so überhaupt nicht in unseren normalen Erfahrungshorizont.

Doch: Mit genau diesen Worten lädt uns Jesus zu keiner geringeren Aufgabe ein, als in die Fußstapfen Gottes zu treten: „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Geht das? Ja, weil er es uns zutraut!

Und warum? Weil diese Liebe das einzige Mittel ist, um die Gewaltspiralen dieser Welt zu durchbrechen. Nur wenn sich der Mensch selbst geliebt weiß, kann er auch lieben. Wir dürfen uns zunächst selbst als die begreifen, die von Gott geliebt sind, und zwar bedingungslos – trotz Fehler, Schwächen, Unvollkommenheiten. Diese Liebe gilt allen Menschen ohne Vorbedingung. Uns steht es nicht zu, jemandem diese Liebe abzusprechen. Daher steht es uns auch nicht zu, Menschen zu verurteilen oder zu richten. Das heißt nicht, dass damit alles egal ist. Jesus hat sich scharf gegen die Sünde abgegrenzt, nicht aber gegen den Sünder. Den hat er gesucht und gefunden. Und dadurch konnte er ein neues Leben beginnen.

Es ist schon ein hohes Ideal, ja eine Zumutung, jemanden zu lieben, der einem Schlechtes tun will oder schon getan hat. Aber vielleicht können wir versuchen, mit den Augen Gottes zu schauen – zu wissen, dass auch dieser Mensch Sehnsucht nach Liebe hat. Und nur wenn er geliebt ist, kann er wieder lieben.

Das ist wohl das Schönste an unserem christlichen Glauben: Dass Gott die Liebe ist, und wir mit ihm Hass und Gewalt überwinden können, ja dass die Liebe das letzte Wort haben wird.

(Sr. Elisabeth Siegl FMA, Vöcklabruck)

Impuls zum Sonntagsevangelium Lk 6,27-38:

Liebe zu den Feinden und Verzicht auf Verurteilung
Euch aber, die ihr zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd! Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand das Deine wegnimmt, verlang es nicht zurück! Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen! Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr denen Geld leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzubekommen. Doch ihr sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, wo ihr nichts zurückerhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden! Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.

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