Im Wohnzimmer von Stadlau

Jeden Dienstag hat die Wärmestube in der Wiener Don Bosco Pfarre für Bedürftige geöffnet.
Einfach stimmig: Alte Tische, Sessel und auf jedem Tisch Blumen.

Man nehme einen unbenützten Vorraum zwei Stockwerke über der Pfarrkanzlei in Wien Stadlau. Man finde 22 Ehrenamtliche aus mehreren Gemeinden. Als nächstes besuche man die Vorbereitungsschulung der Pfarrcaritas. Dann steht der Eröffnung einer Wärmestube nichts mehr im Weg.

Alte Tische, kleine Blumenvasen, verschiedene Sessel, Kartenspiele und Illustrierte. Alles passt in dem Raum irgendwie gut zusammen wie in einem der angesagten Hipster-Cafés - auch die Selbstbedienung an der Bar. Jeden Dienstag von 10 bis 17 Uhr betreuen engagierte Frauen und Männer die Gäste in der Wärmestube.

21 sind heute gekommen wie Frau Martha und Frau Elisabeth. Beide plaudern angeregt und kennen sich gut aus in der Kirche Wiens. Frau Martha sind viele Salesianer namentlich bekannt. Frau Elisabeth freut sich schon jetzt den nächsten Auftritt der Blasmusik Don Bosco in der Währinger Pfarre St. Gertrud. Hier in Stadlau gefällt es ihr aber besonders gut, wie Frau Elisabeth lobt: „Das ist die schönste Wärmestube in Wien. Das Essen ist super und für meinen Sohn nehme ich gerne Naschereien mit. Auch Stiefel habe ich hier schon gefunden.“

Neben der reichlichen Verpflegung mit Kaffee und Tee, Aufstrichbroten, einem warmen selber gekochten Mittagessen und Snacks gibt es kostenfrei warme Kleidung für kalte Wintertage. Der 34-jährige Igor sucht sich heute eine neue Hose aus. Lisa Sensenbrenner wird seine alte waschen. Die pensionierte Lehrerin hat viel Verständnis und Empathie für ihre Gäste: „Nicht alle sind obdachlos, eine Dame kommt jede Woche zum Reden. Das ist auch völlig in Ordnung für uns.“

Jeden Dienstag von 10 bis 17 Uhr betreuen engagierte Frauen und Männer die Gäste in der Wärmestube.

Heizen oder essen
Heute helfen neun Ehrenamtliche – die Aufgaben reichen vom Empfang beim Eingang und Mittagessenkochen über Hilfe an der Bar bis zum Wegräumen. Leiter der Pfarrcaritas in Stadlau ist der pensionierte Bankangestellte Kurt Roth: „Es gibt Leute, die müssen sich entscheiden, ob sie heizen oder etwas zu essen kaufen. Die kommen zu uns in die Wärmestube.“

An einem Tisch sitzt ein Mann, der ruhig Seite um Seite schreibt. Ein anderer schultert seinen großen Tramperrucksack für die kommende Nacht. Igor hat sich in der Zwischenzeit ein Häferl Tee geholt und auf einem Sofa Platz genommen. Er stammt aus der Slowakei und lebte sechs Jahre als Metallfacharbeiter in England. Damals war er Alkoholiker. Jetzt ist er trocken, aber in Österreich hat er noch keine Arbeit gefunden. Und so ist Igor seit zwei Jahren obdachlos. Im Sommer hat er seinen Platz auf der Donauinsel, im Winter hat er eine geschützte Schlafstelle nahe einer U-Bahnstation gefunden. Derzeit plagen ihn Zahnschmerzen. Igor bekennt, dass er noch ein wenig Angst hat, zum Zahnarzt in der Obdachloseneinrichtung „neunerhaus“ zu gehen.

An den Herrgott glaube ich trotzdem
Wenig später packt er ruhig seine Sachen zusammen, auch die anderen Gäste verabschieden sich langsam. Kurt Roth und seinem Team macht dieses Projekt richtig Freude und so hofft er, dass nach dem Pilotjahr 2019 die Wärmestube auch im nächsten Jahr wieder geöffnet wird. Er mag die Menschen, das merkt man bei seinen Erzählungen.

Zum Abschluss erzählt er von einem Gespräch mit einem Gast, der mit der Kirche seine Probleme hatte. Aber zum Schluss sagte der Mann: „An den Herrgott glaube ich trotzdem.“ Auf Wiedersehen nächsten Dienstag!

(sl, fotos: franz hamberger)

Ein ruhiger Platz auf dem Sofa.

Die Wärmestube in Stadlau ist bis 26. März jeden Dienstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Pfarre Stadlau, Gemeindeaugasse 5, 1220 Wien
Weitere Wärmestuben: www.caritas-wien.at

Radio Klassik Stephansdom berichtet zum Nachhören: In der Wärmestube 

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