800 Kinder und keine Schule

Pater Ivan Stojanovic über seine Arbeit als Salesianermissionar in Ghana.
Carina Baumgartner und Lana Ivanjek arbeiteten im April zwei Wochen bei Pater Ivan in Tatale. Sie waren begeistert.

Pater Ivan Stojanovic ist gebürtiger Kroate und leitet seit 2016 die Mission der Salesianer in Tatale im Norden von Ghana.

Pater Ivan, warum sind Sie Missionar geworden?
Ich bin im Kommunismus groß geworden und hatte als junger Salesianer wenige Möglichkeiten mit der Jugend zu arbeiten. Ich dachte daher, dass das vielleicht anderswo auf der Welt für mich das besser möglich wäre, wo es auch viele Jugendliche gibt. Und dann bin ich 1992 mit 32 Jahren, drei Jahre nach meiner Priesterweihe nach Ghana gekommen.

Warum sind Sie nach Tatale gegangen?
Als Papst Franziskus uns aufgerufen hat, an die Peripherie zu gehen, wollte ich genau diese Herausforderung annehmen. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich jedoch aus Gesundheitsgründen wieder in Kroatien. Ich ging also zurück nach Ghana, nur dieses Mal in den Norden, nach Tatale. Schnell habe ich dort die große Freundlichkeit und Offenheit der Menschen gespürt.

Was machen Sie in Tatale?
Wir betreuen die Pfarre und darüber hinaus 40 Dörfer, die wir wöchentlich besuchen. In Tatale haben wir eine Bibliothek aufgebaut, in der täglich 100 Kinder und Jugendliche lernen. Zudem organisieren wir Nachhilfe für Jugendliche, die die Matura nicht geschafft haben. Wir haben auch ein großes Oratorium in Tatale, in das täglich 200 Kinder kommen, um zu spielen, zu singen, zu tanzen und zu lernen. Auch in den Dörfern gibt es Oratorien, die von uns betreut werden.

Aktuell möchten wir ein Trainingscenter für Jugendliche und junge Erwachsene in Tatale aufbauen. Dort sollen sie eine Ausbildung erhalten, um selbst als Animatoren und Animatorinnen im Oratorium arbeiten zu können, Verantwortung zu übernehmen und so die Zukunft von Tatale mitzugestalten. Die Kinder und Jugendlichen sind die Hoffnung von Tatale!

Pater Ivan im Kreis der Jugend in Tatale: "Ich spüre die Freundlichkeit der Menschen."

Was sind Ihre Herausforderungen?

Erstens: das Wasser. Es regnet sieben Monate im Jahr nicht und wir haben ständig mehr als 30 Grad. Das Wasser ist also das erste, was die Menschen brauchen und wir sehen es als unsere Aufgabe, diesem Bedürfnis nachzukommen.

Zweitens: Zugang zu Bildung. Es gibt nicht einmal in jedem Dorf eine Schule. Es gibt ein Dorf, in dem 800 Kinder leben, aber keine Schule vorhanden ist! Der Zugang zu Bildung ist eine sehr wichtige Aufgabe. Auch die Kinder, die die Schule besucht haben, schaffen die Abschlussprüfungen nicht. Nur 2 % der Bevölkerung kann lesen. Das sind Lehrer, Beamte, Soldaten, Polizisten und Pflegepersonal in den Krankenstationen. Mädchen und Burschen haben den gleichen Zugang zur Bildung. Die Mädchen werden aber oft bald zwangsverheiratet und gesellschaftlich erst anerkannt, wenn sie Kinder haben. Die Bildung ist wichtig, um auch die Position der Frau zu verbessern.

Katechese ist eine weitere Herausforderung. Unsere Gemeinschaft in Tatale besteht aus vier Salesianern und wir betreuen 40 Dörfer. Evangelisation passiert aber nicht so, wie man sich das traditionell vorstellen würde, sondern wie Don Bosco es vorgelebt hat. Wenn wir irgendwo mit einem Ball ankommen, freuen sich die Kinder. Über das gemeinsame Spiel können wir langsam Vertrauen aufbauen. Wir haben die Hilfe von Katecheten, die mit uns die Dörfer besuchen. Die Jüngeren wollen sehr gerne Christen werden. Wir haben schon 1.000 Taufen gefeiert. Die Älteren haben Angst, ihre vertrauten Götter und Gewohnheiten aufzugeben. Ich sehe es als meine Aufgabe, den Menschen diese Angst zu nehmen und ihnen die Botschaft der Liebe nach dem Evangelium zu vermitteln.

Spendenkonto Don Bosco Mission Austria
IBAN AT33 6000 0000 9001 3423
Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Registrierungsnummer: SO2476

(Interview: Sophie Lauringer, Mitarbeit: Lana Ivanjek)

Bruder Günter Mayer von der Don Bosco Mission Austria begrüßte Pater Ivan in Wien.

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