Ich habe Asyl

„Feel like a Refugee“ – ein Angebot des Don Bosco Flüchtlingswerks beim Langen Tag der Flucht am 30. September 2016.

Auf Einladung des Don Bosco Flüchtlingswerks besuche ich im Wiener Salesianum den Langen Tag der Flucht, der für mich eine Stunde dauern wird. Im Jugendzentrum „Sale für Alle“ ist heute ein Parcours aufgebaut, den ich durchlaufen werde. Besucherinnen und Besucher können so selbst erleben, in welche Situationen junge Flüchtlinge in Österreich kommen.

Betreut werde ich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Don Bosco Flüchtlingswerks und von jungen Asylwerbern, die beim kleinen Buffet mithelfen und auch an anderen Ecken, wie ich bemerken werde.

Zum Start erhalte ich meine Rolle: Ich komme aus Somalia, bin 17 Jahre alt und bin eine Darod. Ich habe keine Ahnung, wer die Darod sind. Ist das eine Bildungslücke? Ich wurde mit zehn Jahren zwangsverheiratet, wurde von meine Mann geschlagen und vergewaltigt. Mit 14 Jahren habe ich die Flucht geschafft. Schleppern stand ich körperlich zur Verfügung und war nach zwei Jahren in Europa.

Ein Fingerabdruck und gesuchte Dokumente
Mit diesem Wissen ausgestattet muss ich einen ersten Fragebogen ausfüllen. Da ich nur zwei Jahre eine Schule besucht habe, ist mir das teilweise mit Zeichen möglich. Mein Geburtsdatum weiß ich natürlich nicht. Ich gebe an, dass ich Christin bin, weil ich in Europa den Glauben kennengelernt habe. Dass ich einmal verheiratet war, lasse ich besser weg. Was Dokumente sind, weiß ich sowieso nicht und ich habe natürlich auch keine. Ein Mitarbeiter befragt mich nochmals und füllt eine Karte für mich aus. Dann muss ich noch einen Fingerabdruck auf mein neues Dokument geben.

Nun geht es zur Altersbestimmung. Ziemlich gruselig werde ich via Lautsprecher aufgefordert, mich auszuziehen. Das mache ich hier natürlich nicht. Ich soll meine Hände hochhalten, so werden irgendwie meine Knochen analysiert und mein Alter könnte so bestimmt werden. Die Szenerie gefällt mir gar nicht.

Bei der nächsten Station ist es freundlicher: Ein junger Mann gibt mir und einigen anderen Asylsuchenden Sprachunterricht: „Salam“ kenne ich ja noch von Ali Baba – ein freundlicher Gruß. Beim Zählen steige ich aus, „Na“ und „Do“, so die Lautsprache, sind neun und zehn. Die Schrift ist wunderschön und unser Lehrer schreibt die geschwungenen Wörter von rechts auf links an die Tafel. Junge Flüchtlinge helfen uns und sagen uns ständig die Wörter vor. Was müssen sie von unserer Auffassungsgabe halten?

Korrekt aber technokratisch
Nun folgt der letzte Schritt zu meinem Asylantrag. Ich komme zum Interview. Die Befragung dauert und dauert. Immer wieder werde ich gefragt, wie lange die Flucht gedauert hat, woher ich das Geld hatte, wie das mit meiner Zwangsheirat war und so fort. Die Befragung ist korrekt, aber eben sehr technokratisch. Wie soll ich als 17-Jährige die Fragen alle beantworten? Ich könnte natürlich um einen Dolmetscher bitten, das wäre einfacher. Doch dann wird festgestellt, dass die Zwangsheirat ein Grund für meine Flucht ist. Ich habe Asyl!

Nach diesem Hindernislauf erhalte ich einen 5 EUR-Gutschein, denn mit so wenig Geld müssen junge Flüchtlinge pro Tag auskommen.

Mein Fazit: Das Don Bosco Flüchtlingswerk hat ein richtig interessantes, erlebbares und auch berührendes Programm entwickelt, um ein Gefühl für junge Menschen auf der Flucht zu bekommen. „Feel like a Refugee“ sollte noch öfter angeboten werden.

(SL)

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