Gaza-Blockade beenden

Papstberater Rodriguez-Maradiaga: Versöhnung muss bei jedem einzelnen beginnen.

Einen dauerhaften Waffenstillstand im Gazastreifen hat Kardinal Oscar Rodriguez-Maradiaga SDB gefordert.
Dieser wäre jedoch "nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem gerechten Frieden", der niemanden aus der Region ausschließen dürfe, so der Präsident des Caritas-Weltdachverbands (Caritas Internationalis) am Freitag gegenüber Radio Vatikan.

In seinem Aufruf verlangte er eine Aufhebung der Blockade von Gaza und die Ermöglichung eines sicheren und würdevollen Lebens für die Menschen dort. "Als Caritaspräsident bete ich für die palästinensischen und israelischen Familien, die ihre Kinder, Mütter und Väter verloren haben, und für jene, die ermordet wurden", sagte er weiter.

Die Palästinenser im Gazastreifen würden infolge des bereits dritten Krieges innerhalb von fünf Jahren ein Leben führen, in dem Wasser rar sei, das meiste Essen von humanitären Hilfsorganisationen komme und vielen Menschen die Würde zu arbeiten verwehrt bliebe, umschrieb Rodriguez-Maradiaga die Lage. Er verwies auch auf die fehlenden Schutzräume, die überfüllten Spitäler und die zerbombten Schulen, die eigentlich Zufluchtsorte für Fliehende seien.

Der Weg zur Versöhnung sei lang, aber er müsse bei jedem einzelnen beginnen, so der Kardinal, der zum "K9"-Beratergremium des Papstes zählt. Israel und Hamas sollten "die Waffen niederlegen und stattdessen einen Feldstecher in die Hand nehmen, um zu sehen, dass die meisten Opfer unschuldige Menschen sind".

Der honduranische Kardinal erinnerte an den Aufruf von Papst Benedikt XV. zu Beginn des Ersten Weltkriegs: "Gewalt kann den Körper unterdrücken, aber nicht die Seele des Menschen." Er verwies zudem auf Papst Franziskus, der am 8. Juni bei einem Treffen mit den Präsidenten Israels und Palästinas betont hatte: "Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen."

Rodriguez-Maradiaga dankte allen Mitarbeitern der Caritas, die unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen ihre Arbeit leisteten, um den Betroffenen materielle und seelische Hilfe zu bringen.

Franziskus-Ablass für Frieden im Heiligen Land
Dem Gebet für den Nahen Osten, vor allem für das Heilige Land und für den Gazastreifen, ist in diesem Jahr auch das traditionelle Fest der "Vergebung von Assisi" gewidmet, wie der Bischof der mittelitalienischen Geburtsstadt des Heiligen Franziskus, Domenico Sorrentino, am Freitag gegenüber dem vatikanischen Pressedienst Fides mitteilte. Das jährlich am 2. August begangene Fest ist mit einem Ablass verbunden, den Franziskus zu Beginn des 13.
Jahrhunderts bei Papst Honorius III. erwirkt hatte. Voraussetzung dafür ist das Gebet in der Portiuncula-Kapelle, der Wohn- und Todeszelle des Heiligen in der Unterkirche von Assisi. Zu dem Anlass kommen jährlich viele Tausende Gläubige in die umbrische Kleinstadt.

Bei ihrem Gebet sollten die Gläubigen an diesem Tag vor allem ein Ende des Krieges und der Feindseligkeiten im Heiligen Land erbitten sowie einen gerechten und dauerhaften Frieden, so Sorrentino.
Ausdrücklich erinnerte der Bischof in seinem Aufruf an den Papstbesuch Mitte Mai im Heiligen Land und an das Friedensgebet vom 8. Juni, zu dem die Präsidenten Israels und Palästinas, Shimon Peres und Mahmoud Abbas, in den Vatikan gekommen waren.

Dieses Gebet habe viele Hoffnungen entfacht, der anschließende Gewaltausbruch in der Region sei daher eine bittere Enttäuschung gewesen. Er bedeute aber keine "Niederlage des Gebets", denn eine Einladung zum Gebet sei immer auch eine Einladung zur Umkehr. "Wo die Vernunft blind wird und die Sinne blind, hat nur der Geist Gottes Zugang", so der Bischof von Assisi.

(KAP)

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