Frischer Orgelwind im ehemaligen Pulverlager

In Graz Don Bosco wurde ein Geheimnis gelüftet, berichtet Thomas Frühwirth von der Langen Nacht der Kirchen.

Umbau mit Weitblick
Vom Turm der Grazer Don Bosco Kirche bietet sich bei klarem Wetter ein Blick weit über die Grazer Dachlandschaft. Direkt hinter dem Sakralbau ist eine ansehnliche Sportanlage mit Tennis- und Fußballplätzen zu sehen: Nach dem Vorbild des heiligen Don Bosco zählt die Sorge um Jugendliche zu den Kernaufgaben des Salesianer-Ordens.

Trotz des Eröffnungsspiels der Fußball-Europameisterschaft 2016 hat sich ein gutes Dutzend Frauen und Männer dem abendlichen Rundgang angeschlossen: Zwei geprüfte Kirchenführer präsentieren mit Pfarrer Helmut Rodosek ein Gotteshaus, das einige Besonderheiten bietet: Die heutige Kirche ist nämlich ein Umbau eines ehemaligen Munitionslagers. Der 24 Meter hohe Turm ist aus den Holzbalken der Zwischendecke des Kirchenraumes erbaut – eine kleine Sensation.

1776 als „erstes Grazer Pulvermagazin“ errichtet, diente die Anlage im Laufe der Jahre als Depot für Kampfmittel und Pferdegeschirr. Bevor das Gebäude 1934 vom Orden gekauft wurde, stand es lange Zeit leer.

Orgelklänge auf der Empore
Vom Chor aus bietet sich ein Blick in den schlichten Kirchenraum mit seinen Rundbögen und Seitengängen. Das Altarbild nach den Entwürfen Ludwigs von Kurz-Goldenstein zeigt Don Bosco, umgeben von jungen Menschen. Bereits ein Jahr nach der Heiligsprechung des „Apostels der Jugend“ wurde die Kirche als erste im deutschsprachigen Raum auf dessen Namen geweiht – durch Ferdinand Pawlikowski, den letzten Fürstbischof von Seckau. Dieser hatte bis zur Besetzung Österreichs im Jahre 1938 das Amt des Militärvikars inne. Von Bedeutung ist er auch für den Bau des Grazer Elisabethinenkrankenhauses und Priesterseminars.

Zum Auftakt tönt von der Empore eine vierstimmige Fuge. Wie viele Menschen es zum Vortrag wohl benötige, fragt Organist Robert Zavacky schelmisch. Seit einem Jahr spielt er die Richter-Orgel in Don Bosco. Kürzlich hat er die Abschlussprüfung des Orgelstudiums an der Grazer Universität für Musik und darstellende Kunst absolviert. Bald schlägt der Kirchenmusiker romantischere Töne an: Es erklingt das Andante aus der Ersten Orgelsinfonie des französischen Komponisten Louis Vierne. Danach werden die Register gezogen und die dynamischen Möglichkeiten des Instruments eindrucksvoll demonstriert: Gebannt lauscht alles der virtuosen Toccata, dem 6. Satz aus der Sinfonie. Flink gleiten die schwarzen Schuhe über die Pedale. Zum Abschluss erschallt die Eurovisionshymne. „Fast wie ein Wurlitzer“, kommt ein Zuruf aus der Menge.

Gegen neun Uhr abends verlassen die Besucher die Kirche. In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden. Von Innen dringt Licht durch die Glasfenster eines Baus, dessen Architektonik eine zeitlose Bedeutung birgt.

(Thomas Frühwirth)

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