Erzbischof Bo: Myanmar heute offenes Land

Gesellschaftliche Rolle der katholischen Kirche sei es zur weiteren Demokratisierung beizutragen.

Myanmar, das frühere Birma, ist nach den Worten von Erzbischof Charles Maung Bo SDB heute ein offenes Land mit einer vorankommenden Demokratisierung. Dieser Prozess sei allerdings von vielen Problemen, gerade auch für die Regierung, begleitet, da alle gesellschaftlichen Gruppen auf die Beachtung ihrer Interessen pochten, sagte der 65-Jährige Salesianer der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Berlin.

Bo ist seit 2003 Erzbischof der Metropole Yangon, dem früheren Rangun. Yangon/Rangun ist heute nicht mehr Hauptstadt von Myanmar.

Der frühere General Thein Sin (69), seit 2011 Staatspräsident und Regierungschef, geht nach Einschätzung Bos den Weg vorsichtiger Reformen weiter. Einige strittige Projekte, vor allem das geplante Gesetz zum "Schutz von Rasse und Religion", sieht der Erzbischof unter dem Druck einer kleinen Gruppe buddhistischer Mönche und der Hardliner-Organisation "969" auf den Weg gebracht. Die von ihnen 2013 initiierte Petition für dieses Gesetz hätten 1,3 Millionen Menschen unterschrieben. Laut Gesetzentwurf müssen buddhistische Frauen für die Heirat mit einem Nichtbuddhisten die Erlaubnis der Behörden und ihrer Eltern haben. Der nichtbuddhistische Mann wird verpflichtet, vor der Hochzeit zum Buddhismus überzutreten.

Dieses Gesetz sei "unnötig" und schränke die Religionsfreiheit ein, bekräftigte Bo. Das Vorhaben richte sich vor allem gegen die rund vier Prozent der Bevölkerung, die der muslimischen Minderheit angehören. Dieser unterstellten buddhistische Kreise, Myanmar "islamisieren" zu wollen sowie mit Fundamentalismus und Terrorismus in Verbindung zu stehen. Diese Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.
Bo hofft, dass es nicht zu diesem Gesetz kommt, geht allerdings davon aus, dass es bei dem angelaufenen und bis zum 20. Juni durchgeführten Referendum Zustimmung finden werde.

Die gesellschaftliche Rolle der katholischen Kirche sieht Bo vor allem darin, zum Allgemeinwohl und zur weiteren Demokratisierung beizutragen. Besonders wichtig sei dabei die Bildung. Es gelte, Katholiken und besonders die Jugend, die dafür aufgeschlossen sei, zu befähigen, in Gesellschaft und Politik mitzuwirken und die Werte des Christentums zur Geltung zu bringen. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung seien Myanmars Bischöfe dankbar auch für die Unterstützung durch die kirchlichen Hilfswerke in Deutschland.

In den 16 Diözesen des südostasiatischen Landes leben nach Angaben Bos rund 800.000 Katholiken. 90 Prozent der insgesamt 55 Millionen Menschen seien Anhänger des Theravada-Buddhismus. Zweitgrößte christliche Religion seien die etwa 500.000 Baptisten. Ferner gebe es noch kleine anglikanische und protestantische Gemeinschaften. Die ökumenischen und interreligiösen Beziehungen bezeichnete der Erzbischof als gut.

(KAP)

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