Ein außergewöhnlicher Mensch

Dissidentenpriester und Salesianer Anton Srholec wurde geehrt.

"Anton Srholec ist ein außergewöhnlicher Mensch, der sich seine christlichen Überzeugungen nie nehmen ließ und stets den Menschen in den Mittelpunkt gestellt hat." Das betonte der steirische Caritasdirektor Franz Küberl bei einem Festkonzert anlässlich der Auszeichnung Srholecs mit dem Leopold Kunschak-Anerkennungspreis am Mittwoch, dem 10. Juni 2015 in der Wiener Hofburgkapelle. Pater Srholec erhielt den Preis am 22. Mai im österreichischen Parlament. Srholec selbst konnte bei dem Konzert, das vom slowakischen A-cappella-Ensemble "Close Harmony Friends" gestaltet wurde, aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.

Der 1929 geborene Anton Srholec gilt als einer der bedeutendsten Dissidentenpriester der Slowakei. Bereits als Jugendlicher trat er dem Salesianerorden bei. Nach einem Fluchtversuch 1951 verbrachte er über zehn Jahre in Haft, weswegen er erst ab 1969 sein Theologiestudium in Italien aufnehmen konnte.

Pater Anton habe sein ganzes Leben dem Dienst an den Menschen gewidmet, und dadurch eine "Kultur der Mitmenschlichkeit" geprägt. Den Menschen Würde zu geben sei ihm immer ein besonderes Anliegen gewesen, dieses Engagement mache ihn zu einem "Nuntius des Evangeliums", so Küberl. Gemessen daran, dass Srholec viele Jahrzehnte seines Lebens in Haft und überwacht verbringen musste, habe er nie seine Gelassenheit verloren. Durch seine Verdienste auf unterschiedlichsten Ebenen habe sich Srholec unauslöschlich in das "Buch der Mitmenschlichkeit" eingeschrieben, so Küberl.

Das Beispiel Anton Srholecs zeige ganz exemplarisch, dass vieles in der Geschichte des geteilten Europas noch nicht aufgearbeitet ist, betonte der ehemalige österreichische Vizekanzler Erhard Busek. Es habe vor dem Fall des Eisernen Vorhangs wenig Aufmerksamkeit für die Menschen dahinter gegeben "und nachher auch nicht viel Anerkennung", so Busek. Dabei sei es wichtig nicht zu vergessen, welches Unrecht den Menschen in dieser Zeit widerfahren sei. Insbesondere die Geschichte von Pater Anton habe von offizieller Seite viel zu spät die angemessene Anerkennung erhalten.

"Das Böse, das man erlebt, wird zur Motivation und inspiriert zu intensiveren guten Taten", sagte der heute 85-jährige Srholec einmal in einem Interview über sein Wirken. Noch immer führt er am Stadtrand von Bratislava ein Heim für Obdachlose, in dem etwa 40 Männer versorgt werden. Außerdem ist er Vorsitzender der Konföderation politischer Häftlinge in der Slowakei.

Srholec wurde für seine Verdienste mehrfach im In- und Ausland ausgezeichnet und mit Ehrendoktortiteln versehen. 1999 wurde er mit dem Kardinal-König-Preis für Verdienste um Glauben und Freiheit und 2013 mit dem Jan-Langos-Stiftung-Preis für Verdienste um die Demokratie ausgezeichnet.

(KAP)

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