Don Bosco freut sich auf den Papst

Am Sonntag, dem 21. Juni 2015 besucht Franziskus das Mutterhaus der Salesianer in Turin-Valdocco.

Heilige gehören den Gläubigen der ganzen Welt, aber sie haben ihre Orte: Orte, an denen die Verehrung für sie auf großer Flamme köchelt. 

Assisi steht für Franziskus, Avila für Theresa, und Turin für Don Bosco. Ein Gebäudekomplex in der Ausdehnung eines Stadtviertels, Valdocco genannt, ist Synonym für den Heiligen, der diese Einrichtung mit seinen Helfern in jahrzehntelanger Arbeit errichtete. Und noch 150 Jahre später pulsiert in diesem Turiner Wallfahrtsort das Charisma des Mannes, der sich mit seinem ganzen Priesterleben für benachteiligte Jugendliche in die Bresche warf. 

Heiterkeit und Andacht schlagen dem Besucher entgegen. Und Vorfreude auf Papst Franziskus, natürlich, der nächsten Sonntag nach der Meditation vor dem Turiner Grabtuch bei Don Bosco vorbeischaut.

Die Höfe im Valdocco sind riesenhaft und voll: Gruppen, Pilger, Kinder und Ordensleute drängen sich darin. Verloren fühlt sich hier dennoch niemand. Das ist den 280 Freiwilligen zu danken, die jeden Besucher herzlich begrüßen und im Notfall mit einem Pflaster versorgen, wenn der Schuh drückt. „Wer auch immer kommt, was auch immer dieser Mensch denkt oder hat oder nicht hat: hier soll er einen Ort der Aufnahme finden“, erklärt Pater Rafael Gasol die Essenz von Don Bosco. Der fröhliche Ordensmann führt derzeit im Dauereinsatz durch die Mariahilfbasilika, wo der Heilige bestattet ist, durch die historischen Gebäudeflügel des Valdocco und durch das Oratorium. In diesem Hof fühlen sich gerade mindestens 300 Kinder spürbar sehr zu Hause.

Valdocco bedeutet Tal der Ermordeten. Hier vor den Stadtmauern stand der Galgen, an dem im 19. Jahrhundert viel zu viele verwahrloste junge Kleinkriminelle starben. Don Bosco holte die Straßenkinder zu sich, unterwies sie, baute eine Berufsschule, eine Kirche, Raum für Erholung, lebte und lachte mit ihnen. Dass diese Burschen vom Beginn ihres Lebens an gescheiterte Existenzen sein sollten, Abschaum, menschlicher Müll, war ein Gedanke, den der Priester als zutiefst unchristlich erkannte. Don Bosco schrieb im 19. Jahrhundert der katholischen Kirche das ein, was Papst Franziskus heute als ihren Kernauftrag benennt: an die Ränder gehen.

Schon als Erzbischof hat Bergoglio, dessen Großvater aus Turin stammte, öfter in Valdocco Station gemacht, verrät Pater Rafael. Die Arbeit der von Don Bosco gegründete Kongregation der Salesianer in Argentinien habe Bergoglio außerordentlich geschätzt. Und, ja: Don Bosco hatte die erste Gruppe von Mitstreitern außerhalb Turins seinerzeit ausgerechnet nach Buenos Aires geschickt. Bei den Patres und den Freiwilligen in Valdocco jedenfalls kennt die Begeisterung für den Besucher keine Grenzen. Bunte Bänder, Konzertproben und ein großformatiges „Benvenuto, Papa Francesco!“ sind da das mindeste.

(Gudrun Sailer)

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