Die fliegende Pforte

Radio Vatican berichtet über eine Idee von Salesianerbischof Luciano Capelli.

So ein entgrenztes Heiliges Jahr hat die Kirche noch nicht erlebt: Überall auf dem Planeten hat Papst Franziskus „Heilige Pforten der Barmherzigkeit“ aufspringen lassen. Eine ganz besondere dieser Heiligen Pforten gibt es auf den Salomoneninseln im Pazifik: Sie fliegt. Sie kommt zu den Menschen überall auf dem Archipel.

Aber der Reihe nach. Bischof von Gizo auf den Salomoneninseln ist seit sechzehn Jahren ein Italiener, Luciano Capelli. Und dessen Haupt-Herausforderung ist es seit jeher, wie er trotz der großen Entfernungen von einer Insel zur nächsten doch nah bei seinen Leuten sein kann. Seit ein paar Jahren fliegt Capelli darum mit einem Ultraleichtflugzeug herum – und in diesem Heiligen Jahr hatte er bei einer Tournee über Land auch eine Heilige Pforte mit im Flieger.

„Es war eine fantastische Erfahrung, die Heilige Pforte mitzunehmen! Ich hatte mit meinen Priestern zusammen beratschlagt: Wie machen wir das, dass die Leute die Barmherzigkeit Gottes verstehen, und dass sich sich mal als Teil der Weltkirche fühlen können? Wir wußten zuerst wirklich nicht, wie wir das machen sollten. Und dann kam jemand plötzlich auf diesen Einfall: Die Leute können nicht zur Heiligen Pforte kommen? Dann bringen wir die Heilige Pforte eben zu den Leuten!“

Gesagt, getan: Capelli setzte zu einem Rundflug an. „Es war fantastisch, alle Dörfer waren Feuer und Flamme – eine wunderschöne Erfahrung. Zuerst Tänze oder ähnliche Aufführungen, dann der Wortgottesdienst, die Erfahrung der Vergebung, der Barmherzigkeit, und schließlich die Herausforderung des gegenseitigen Vergebens. Sie müssen bedenken: Am Rand der Welt gibt es keine Richter und keine Anwälte, aber durchaus Konflikte. Also, die Präsenz dieser Pforte und die Motivation des Glaubens haben zu einer schönen, sehr lebendigen Zeremonie der kulturellen Versöhnung in Melanesien geführt.“

Die Menschen auf seinen Inseln seien eher wortkarge Gesellen, berichtet der Bischof. „Das sind isolierte Menschen, die keine grundlegenden Gesundheitsdienste und keine Schulen haben. Sie haben immer im eigenen Stamm gelebt und von dem überlebt, was der Wald und das Meer jeden Tag so hergeben. Darum sind die Leute immer hocherfreut, wenn mal der Pfarrer oder der Bischof kommt. Sie sind offen, sehr aufnahmebereit, sie warten auf Botschaften. Das war nun etwas Neues für sie: dass der eine für den anderen leben soll. Und mit jemandem zu kommunizieren, der dir zuhört.“

Etwa vierzig Prozent der Bevölkerung sind Anglikaner, so Bischof Capelli; sie hätten sehr gute Beziehungen zu den Katholiken, die etwa zwanzig Prozent aufbieten. Auch Methodisten und Angehörige anderer Konfessionen gebe es auf den Inseln. Die Kirchen arbeiteten zusammen, „um den Leuten das zu bieten, was der Staat ihnen nicht bieten kann“.

„Wir reden hier von etwa vierzig Inseln, über Hunderte von Kilometern im Pazifik verstreut; wenn man die im Boot ansteuert, findet man womöglich bei der Ankunft ein ganz anderes Wetter vor als bei der Abfahrt. Im Flugzeug brauche ich etwa anderthalb Stunden, dann bin ich in jedem Teil meines Bistums. Das ist wirklich fantastisch! Man kommt da auch in Gegenden, in die man früher praktisch gar nicht gelangen konnte; mittlerweile bin ich drei- oder viermal im Jahr überall, um die Leute zu treffen.“

Den Missionsbefehl Jesu, nämlich das Evangelium „in alle Welt“ zu tragen, nimmt der fliegende Bischof wörtlich. Evangelisierung auf den Salomoneninseln bedeutet für ihn: „Freundschaft, Verständnis, Zusammensein, Teilen.“ Das sei „die wahre Religion, die wahre Evangelisierung: eine Botschaft der Hoffnung zu bringen“.

Und doch, sogar auf seinen entlegenen Inseln hätten die Stämme schon einiges von Papst Franziskus aus dem fernen Rom gehört. „Diese Botschaft der (Enzyklika) Laudato si’ war für sie fantastisch – da ist von der Natur die Rede, und sie leben in und von der Natur. Die andere Botschaft, die bei ihnen ankommt, ist die von der Barmherzigkeit... Auch weil es da keine festen Mechanismen zur Konfliktlösung gibt, haben sie den Wert der Versöhnung verstanden.“

(radio vatican)

Zurück zur Übersicht

Um die volle Funktionalität unserer Website zu gewährleisten bzw. unser Angebot zu optimieren, setzt unsere Website Cookies. Weiterlesen …