"Der Evangelisierung und der Erziehung der Ärmsten dienen"

Interview mit dem Generaloberen Don Artime mit der spanischen Wochenzeitschrift "alfa y Omega"

In einem Interview mit der spanischen Wochenzeitschrift „Alfa y Omega“ äußerte sich der Generalobere der Salesianer Don Boscos, P. Ángel Fernández Artime, am 9. April zu Themen des Generalkapitels, seiner Wiederwahl und aktuellen Fragestellungen. 

Zu seiner zweiten Amtszeit als Generaloberer und den Leitlinien in den nächsten Jahren
(…) Natürlich wird die zweite sechsjährige Amtszeit nicht wie die erste sein. Jetzt kenne ich die Kongregation und ihre Präsenzen in 134 Ländern, von denen ich 100 besucht habe, bereits gut. Deshalb ist es eine Chance, bei den wesentlichen Dingen wirksamer zu sein. (…)Es ist eine Gelegenheit, um zu träumen und neue Präsenzen zu eröffnen, vorausgesetzt, dass sie in erster Linie der Evangelisierung und der Erziehung der Ärmsten dienen.
(…) Für uns Salesianer Don Boscos kann die Sendung für die Jungen und Mädchen, die keine Möglichkeiten haben, die gefährdet sind und abgeschrieben werden, an den unterschiedlichsten Orten auf uns warten. Weil sie uns brauchen, müssen wir sie erreichen.

Zu den Erwartungen junger Menschen an die Salesianer Don Boscos
(…) Sie waren sehr überzeugend und klar in ihrer Botschaft. Sie haben uns gesagt, dass sie uns mögen und dass sie uns auf ihrem Lebensweg an ihrer Seite haben möchten. Sie haben uns aufgefordert, sie in den Jahren, in denen sie uns nötig brauchen, zu begleiten. (…) Sie haben uns gebeten, für sie Freunde, Brüder und auch Väter zu sein, denn so stark sie auch sind, „viele junge Menschen weltweit leben mit der Abwesenheit des Vaters. Uns fehlt die Erfahrung der Vaterschaft“. Schließlich haben sie uns in zahllosen Momenten mit Nachdruck gesagt: „Wir brauchen es vor allem, dass Ihr uns noch viel mehr zeigt und sagt, dass Gott uns liebt“.

Zu seinem Traum nach seiner Zeit als Generaloberer
(…)Ich möchte die zukünftigen Jahre in einer einfachen Umgebung leben, vielleicht an einem Ort der Mission in den Anden oder in einem anderen Gebirge, jedenfalls an Orten der Sendung unter den Ärmsten, unter ganz schlichten Menschen, in einer einfachen Pfarrgemeinde oder in einem salesianischen Jugendzentrum und Oratorium für arme Jungen und Mädchen oder in einem gastfreundlichen Zentrum für Straßenkinder.

Zur Prävention vor Missbrauch
Der Missbrauch ist sicherlich eine der traurigsten Seiten der Kirchengeschichte. Es ist auch die größte Tragödie und der größte Schaden, den ein Salesianer verursachen kann, weil wir, wie Don Bosco, versprochen haben, dass unser Leben für die jungen Menschen da ist.
Ich kann Euch versichern, dass wir seit vielen Jahren einen ethischen Verhaltenskodex in allen Teilen der Welt, in denen wir uns befinden, festigen und schaffen. (…)

Zur Rolle der Frau in der salesianischen Kongregation
Don Bosco hat im Oratorium in Valdocco immer die Figur der Mutter, einer Mutter für seine Söhne betont. Die erste war seine Mutter, Mama Margherita. (…) Die amtliche Lehre der salesianischen Kongregation hat seit vielen Jahren gefordert, dass Frauen erzieherische Verantwortung in den salesianischen Präsenzen haben sollten und die wertvolle Bedeutung der Gegenwart von Frauen in den salesianischen pädagogischen Einrichtungen hervorgehoben.

Zur weltweiten Corona-Pandemie
Wir hätten uns nie irgendetwas in dieser Art vorgestellt, so wie wir auch nie den Terrorismus der letzten 20 Jahre in einem großen Teil der Welt, vor allem dem westlichen, für möglich gehalten hätten. Diese Pandemie bringt bei vielen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen (zum Beispiel Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern, sozialen Diensten usw.) das Beste hervor. Aber auch das Schlimmste an Egoismus und Individualismus in der Politik vieler Länder.(…) 

Zur Frage, was wir als Katholiken tun können
Ich hoffe, dass wir aus dem, was wir gerade durchleben, etwas lernen. Werden wir zum Beispiel wieder über unsere Verhältnisse leben? Wollen wir die verlorene Zeit durch Konsum aufholen, durch immer mehr Besitz, (…)? Oder werden wir lernen, dass wir glücklich mit dem Notwendigen und mit mehr Schlichtheit leben können? Werden wir den Wettlauf um die Verschmutzung der Welt fortsetzen oder geben wir dem Planeten eine Verschnaufpause? (…)
Natürlich müssen wir als Christen und Katholiken auf die Verhältnisse der Armut, die gerade im Begriff sind zu explodieren, weiterhin mit Weitblick, Kreativität und Großzügigkeit reagieren. (…)

Übersetzung: Barbara Klose
Redaktion: Br. Dr. Clemens Schwaiger

Das komplette 6-seitige Interview zum Download 

 

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