Das Wichtigste ist die Liebe

Don Bosco in Istanbul hilft jungen Flüchtlingen.

Seit vielen Jahren unterstützt die Don Bosco Partnerorganisation Jugend Eine Welt die Arbeit der Salesianer Don Boscos in Istanbul für benachteiligte Jugendliche und Flüchtlingskinder. P. Jacky Doyen SDB, Leiter der Salesianischen Gemeinschaft von Istanbul, und Don Andrés Calleja SDB, Leiter der Don Bosco Schule für Kinderflüchtlinge, waren von 7. – 9. März auf Wien-Besuch und berichteten über aktuelle Herausforderungen.

Die Don Bosco Flüchtlingsschule
In Istanbul ist die Flüchtlingskrise weniger spürbar als in vielen anderen Landesteilen. Trotzdem sei der immer größer werdende Zustrom von Flüchtlingen und Migranten in der Stadt deutlich spürbar.
Die Flüchtlinge haben in der Regel keine Arbeitserlaubnis. Sie bekommen keinerlei finanzielle Unterstützung, ihre Kinder dürfen nicht in normale türkische Schulen gehen. Umso wichtiger ist die Flüchtlingsschule der Salesianer, die nach dem 1. Irakkrieg eingerichtet wurde und ursprünglich nur für einen begrenzten Zeitraum geplant war. Derzeit kommen die meisten Schüler aus Syrien und dem Irak, es gibt aber auch Flüchtlingskinder aus Afghanistan, Marokko, dem Iran und Pakistan. Ihre Familien möchten nicht in der Türkei bleiben, sondern legal in andere Länder wie insbesondere Canada, die USA und Australien weiterreisen. Auf eine entsprechende Zuweisung warten sie meist viele Jahre.

Die Familien der Kinder sind sehr arm – die meisten leben in kleinen Einzimmer-Appartments. Die Eltern müssen tagsüber arbeiten und die Kinder wären ohne die Salesianerschule unbetreut und in großer Gefahr, auf der Straße zu landen. Bei Don Bosco sind alle Kinder willkommen – niemand wird abgewiesen und niemand wird nach seinem Glauben oder seiner politischen Einstellung gefragt. Die Eltern der Kinder wissen, dass es sich um eine katholische Schule handelt und dass jeder Schultag mit einem „Vater Unser“ begonnen wird – das sei für niemanden ein Problem.

Viele Kinderflüchtlinge haben vor ihrer Ankunft in der Don Bosco Schule nur wenig oder gar keine Schulbildung erhalten. Insbesondere Flüchtlinge, die in letzter Zeit aus den Kriegsgebieten gekommen sind, haben ein sehr schlechtes Bildungsniveau.

Viele Kinder haben Schlimmes hinter sich, manche haben den Tod naher Angehöriger miterlebt. Die freundschaftliche und positive Atmosphäre im Don Bosco Zentrum ist für sie eine große Hilfe – ebenso Fächer wie Zeichnen, Malen, Sport, Musik, Tanz und Theater, in denen sie ihre Gefühle ausdrücken können. Um professionelle psychologische Hilfe sicherzustellen, arbeitet die Schule mit dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern bzw. einem Psychologen aus dem Irak zusammen.

Das Don Bosco Center ist für alle Kinder und Jugendlichen ein Ort der Erholung, an dem sie Hoffnung schöpfen und mit Respekt behandelt werden. Während ihre Eltern oftmals voller Trauer über Vergangenes und Verlorenes sind, schauen die Kinder positiv in die Zukunft und versuchen möglichst viel zu lernen. Regelmäßig gibt es kleine Tanz- oder Theater-Aufführungen, zu denen die Eltern eingeladen werden, die häufig bestätigen, ihre Kinder noch nie zuvor so glücklich erlebt zu haben.

Leider endet die glückliche Schulzeit für die meisten Flüchtlingskinder viel zu früh. Im Alter von 14 – 16 Jahren werden sie von den Eltern aus der Schule genommen und zur Arbeit geschickt – die Mädchen früher, weil sie älter aussehen. Ab diesem Zeitpunkt schuften die Jugendlichen von früh bis spät, meist in Textilfabriken oder in Restaurants.

Sorgenkinder: Junge afrikanische MigrantInnen
Besonders große Sorgen machen sich Don Andrés und Vater Jacky um hunderte junge christliche afrikanische MigrantInnen, von denen viele ebenfalls am Wochenende zu Don Bosco kommen. Insgesamt betreut das Zentrum im Jahr rund 600 junge Menschen mit Flüchtlings- bzw. Migrationshintergrund. Die jungen AfrikanerInnen kommen aus Ländern wie Ghana, Somalia, Eritrea, der Demokratischen Republik und der Republik Kongo, aus Kamerun und Nigeria. Die MigrantInnen halten sich illegal in der Türkei auf und haben keine Chance, als Flüchtlinge anerkannt zu werden. Sie sind häufig Mehrfachdiskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer christlichen Religion ausgesetzt und in einer verzweifelten Situation. Viele machen sich früher oder später auf den Weg in Richtung Europa – Don Andrés und Vater Jacky können sie nicht aufhalten. „Es ist herzzerreißend, wenn sie zu uns kommen und sagen „Vater, wir gehen heute Nacht. Bitte segne uns“. Wir wissen, viele nehmen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer und riskieren ihr Leben“, sagte Vater Jacky traurig. „Wir tun was wir können - und wir beten für sie.“

Das Wichtigste ist die Liebe
Die Salesianer Don Boscos in Istanbul werden in den nächsten Monaten – mit verstärkter Hilfe durch Jugend Eine Welt – ihre wichtige Arbeit fortsetzen und noch erweitern. Was hilft Don Andrés und Vater Jacky, auch angesichts der täglich anwachsenden Flüchtlingskrise und der Not so vieler ihrer Schützlinge ihren Humor und ihre Zuversicht nicht zu verlieren? Darauf hatte Vater Jacky eine klare Antwort: „Wir folgen dem Weg von Jesus, das ist unsere Berufung. Wir sind, wo wir gebraucht werden.“ Und Don Andrés ergänzte: „Viele Dinge im Leben sind relativ. Aber das Wichtigste ist die Liebe, so wie sie uns unser Herr vorgelebt hat.“

(Angelika Gerstacker/red)

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