Das "Haus der Sonne"

VIDES-Volontärin Sandra Bruza berichtet aus einer speziellen Einrichtung für junge Mütter in Benin.
Schlafenszeit für alle Babys im "Haus der Sonne" in Cotonou, Benin.

Das „Maison du Soleil“ in Cotonou/Benin ist eine Sozialeinrichtung, an die sich minderjährige Mütter wenden können. Sie und ihre Kinder werden dort sozialarbeiterisch und wenn nötig medizinisch und psychologisch betreut. VIDES-Volontärin Sandra Bruza, die sich zur Zeit in Cotonou im Einsatz befindet, erzählt von ihren Erfahrungen im „Haus der Sonne“:

Das „Haus der Sonne“ ist der Arbeitsplatz in Cotonou/Benin, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Nicht allein, weil ich jeden Vormittag dort bin, sondern einfach weil mir die Babys in diesem Haus so viel bedeuten. Seit September habe ich neben unterschiedlich alten Babys bereits fünf Neugeborene im Arm gehalten und ich sehe ihnen weiterhin beim Wachsen zu. Es mag wohl nichts Besonderes sein, doch es ist viel mehr als das. Jeden Vormittag verbringe ich mit ihnen, und die Situation, in der sie sich teilweise befinden, macht jeden Fall noch einmal spezieller.

Das Schicksal einer jungen Mutter
Z.B. haben wir eine junge Mutter, die 15 Jahre alt ist, und seit September mit ihrem zehn Monate alten Sohn im „Haus der Sonne“ lebt. Vor zwei Wochen brachte sie ihr zweites Kind auf die Welt. Mir tut es Leid zu sehen, wie wenig Zeit und auch Geduld das junge Mädchen manchmal für ihr Baby hat. Doch ich verstehe sie, kenne ich doch ihre Lebensgeschichte. Der Vater der Babys ist ein älterer Herr, der bereits verheiratet ist und Kinder hat. Das junge Mädchen sollte bereits bei ihrer ersten Schwangerschaft abtreiben. Nachdem sie sich dem widersetzt hat, kam es wenige Monate später zu einer zweiten Schwangerschaft. In ihrer Familie herrschen Konflikte, die es ihr nicht ermöglichen, Unterstützung zu erhalten. Das „Maison du Soleil“ gibt ihr die Chance, trotz dieser schwierigen Lage noch eine Perspektive im Leben zu finden. Sie macht eine Ausbildung zur Konditorin. Besonders die letzten Wochen vor der Geburt ihres zweiten Kindes verbrachte sie viele Vormittage mit mir gemeinsam im „Haus der Sonne“, da es ihr zu schlecht ging, um zur Ausbildung zu gehen. Auch wenn sie ihre Kinder im Arm hält, sie ist in meinen Augen auch noch ein Kind. Gerade mal 15 Jahre alt. Und doch ist sie nicht ein Einzelfall.

Kein Einzelfall
Seit Januar haben wir weitere minderjährige Mütter und Schwangere empfangen. Bei vielen ist mir deren Geschichte unbekannt, doch in den meisten Fällen passierte es aus Unachtsamkeit oder die Mädchen wurden vergewaltigt. Die drei neuen Mädchen sind zwischen 13 und 14 Jahre alt. Oft sind sie von ihrer Familie verstoßen worden. Neben den jungen Müttern, sind vor allem die Babys diejenigen, die mir so unendlich leidtun. Ich fühle mich verantwortlich, den Kindern das zu geben, was ihnen genommen wurde – ein liebevolles Aufwachsen.

Nach Lösungen für Mütter und Kinder wird gesucht
Besonders am Herzen liegt mir die Geschichte „meiner“ Zwillinge, die ich seit meiner Ankunft hier „unter Schutz“ genommen habe. Ihr Vater kam sie das letzte Mal im Oktober besuchen. Seitdem sah man ihn nie wieder. Ihre Mama ist nun 18 Jahre alt und macht gerade ihr Praktikum, um das Diplom zur Köchin zu erhalten. Sie ist nun über ein Jahr im „Haus der Sonne“, von der Familie hört man nichts, bis auf einen Onkel, der ab und zu vorbeischaut und mit den Sozialarbeitern nach Lösungen sucht, wo Anna (geänderter Name) mit ihren Zwillingen bleiben kann. Die beiden haben letzte Woche ihren 1. Geburtstag gefeiert und ich habe ihnen zwei kleine Armkettchen gebastelt. Es ist etwas besonderes, einen Draht zu solchen Babys zu haben, die wirklich jemanden brauchen. Jeden Morgen komme ich ins „Haus der Sonne“, und sobald mich einer der beiden sieht, kommt er zu mir gekrabbelt und lächelt mich an und möchte, dass ich ihn in den Arm nehme.

Besonders jetzt, da meine letzten Tage in Benin wie im Fluge vergehen, genieße ich jede Sekunde mit ihnen, und ich hoffe, ihnen durch mein Dasein zumindest ein wenig Liebe gegeben zu haben, die ihnen vielleicht enthalten wurde...

(Sandra Bruza, VIDES-Volontärin)

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