Sr. Consuelo Aguirre Martinez FMA:

"Ich hoffe weiter auf eine Generation, die sich nicht mehr vorrangig mit HIV/Aids beschäftigen muss".

Aids-Prävention im südlichen Afrika ist dann effektiv, wenn sie Jugendliche zu einer Verhaltensänderung anregen kann: Das hat die Don Bosco Schwester Consuelo Aguirre Martinez, Direktorin des Berufsausbildungszentrums St. Mary Mazzarello Vocational Training Centre in Maputsoe/Lesotho dargelegt. "Ich hoffe weiter darauf, dass es eines Tages eine Generation Jugendlicher kommen wird, die sich nicht mehr vorrangig mit HIV/Aids beschäftigen muss", so die Ordensfrau, die am Freitag auf der "Fachtagung Weltkirche" im Stift Lambach referiert, gegenüber "Kathpress".

Das in Südafrika gelegene Land Lesotho gilt als das Land mit der dritthöchsten HIV-Rate weltweit. "23 Prozent tragen das Virus in sich, doch 99 Prozent der Menschen sind von Aids betroffen - da es in jeder Familie oder zumindest Großfamilie Erkrankte gibt", so Schwester Aguirre. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Sozialsystem seien enorm, schon allein durch das Fehlen vieler an der Krankheit verstorbener Professionisten, sowie angesichts der vielen Aidswaisen im Land.

Weiterhin sei HIV/Aids in Lesotho mit enormem Stigma verbunden, obwohl Erkrankte heute bereits weniger aus der Gesellschaft ausgestoßen würden wie noch vor wenigen Jahren. "Keiner gibt die Krankheit zu und viele akzeptieren sie nicht oder glauben, sie seien Opfer eines von einem Feind aufgetragenen Hexenzaubers. Auch die Angehörigen sagen im Todesfall meistens, ihr Familienmitglied sei an Tuberkulose gestorben", schilderte Aguirre. Angesteckt würden viele Frauen Lesothos vom eigenen Ehemann - der sich oftmals das HI-Virus bei Arbeitseinsätzen in südafrikanischen Minen eingehandelt hat und darüber schweigt.

Große HIV/Aids-Programme seien vor fünf Jahren von Lesothos Regierung gestartet worden, darunter auch die kostenlose Behandlung der Betroffenen. Effektiv seien die Anstrengungen besonders bei der Prävention jedoch nicht, so die Don Bosco Schwester: "Viele Kondome werden verteilt und die Menschen hören ständig über die Krankheit und ihre Folgen - so viel, dass sie längst weghören. Zudem gehen die Infektionen und auch Todesfälle weiter, unserer Erfahrung nach deshalb, weil mit dem derzeitigen Ansatz keine Verhaltensänderung gelingt."

Als kirchliche Antwort auf diese Situation hat der Salesianerorden in Südafrika die Workshop-Reihe "Love matters" entwickelt, die auch Pfarren aller Diözesen Lesothos übernommen haben. In deren Ein-Wochen-Programm für Jugendgruppen und Schulklassen mit Diskussionen, Videos und Gruppenspielen geht es um HIV/Aids, jedoch nicht vorrangig: "Vor allem geht es um den Wert der eigenen Person, um den Körper als Geschenk Gottes, um den Respekt anderer und um wahre Liebe", erklärte die Ordensfrau. Am Ende der Woche versprechen die Jugendlichen, mit Sex bis auf die Ehe zu warten.

Das Programm sieht eine "Auffrischung" ein Jahr später vor - und braucht dennoch viel Zeit, unterstrich Aguirre. "Was hier geschieht, hat immer Auswirkungen auf die Jugendlichen und ihre Umgebung. Sie denken über die behandelten Themen nach und greifen darauf vielleicht eines Tages zurück." Blicke man auf die messbar geringere Neuinfektionsrate und Teenager-Schwangerschaften bei den Absolventen als auch auf ihren gestiegenen Selbstwert, seien die Ergebnisse jedenfalls "hervorragend".

Tagtäglich ist Aguirre mit dem Thema HIV/Aids vor allem indirekt konfrontiert - in der Arbeit mit jenen Kindern, die durch die Krankheit die Eltern verloren haben. Das von ihr geleitete Ausbildungsprogramm ist Teil des Don Bosco Projekt St. Luke's Mission, das Bildungsangebote für rund 3.000 Kinder und Jugendliche vom Vorschulniveau bis zur Berufsausbildung sowie ein Jugendzentrum umfasst, bei dem spezielles Augenmerk auf Aidswaisen, Schulabbrecher und sozial gefährdete Jugendliche gelegt wird. Unterstützt wird das Programm des Ordens u.a. vom österreichischen Hilfswerk "Jugend Eine Welt" sowie von freiwilligen Jugendlichen des Vereins "Volontariat bewegt".

(Quelle: kathweb)

 

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