Barmherzigkeit und ihr Gegenteil

Ein Bericht über die Jugendpastoraltagung im Wiener Don Bosco Haus.

Der österreichische Jugendbischof Stephan Turnovszky erläuterte bei der Jugendpastoraltagung das Hauptthema des Treffens, "Barmherzigkeit". Sie bedeute, "sich einem Menschen, der in Not geraten ist, aus freien Stücken und unentgeltlich hilfreich zuzuwenden".

Der Bischof wies darauf hin, dass echte Barmherzigkeit immer mit einem Aspekt der Sühne zu tun habe: "Der Barmherzige 'bezahlt' für den Schaden, den er selbst nicht verursacht hat, lässt sich das Heil des anderen etwas kosten und macht sich die Hände schmutzig."

So bezahle etwa der Barmherzige Samariter für den unter die Räuber Gefallenen. Ähnlich verhalte es sich beim Bezahlen eines höheren Preises für fair gehandelte Produkte, was ebenfalls Barmherzigkeit sei. Bezahlt werde in diesem Fall nämlich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der von sozialer Ungerechtigkeit betroffenen Kleinbauern in Ländern des Südens.

Dieses Beispiel zeige aber auch, dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit im christlichen Verständnis keineswegs Gegensätze sind: "Das Gegenteil dieser Art von Barmherzigkeit ist nicht Gerechtigkeit, sondern Gleichgültigkeit", so Turnovszky.

Neben Gleichgültigkeit sei Unbarmherzigkeit - in anderen Fällen - das Gegenteil von Barmherzigkeit. "Die Kirche bzw. ihre Vertreter sind dann unbarmherzig, wenn sie sich rigoros auf die Gebote und auf das Urteilen zwischen Gut und Böse zurückziehen und nicht mehr bereit sind, sich die Schuld der Welt etwas kosten zu lassen", sagte Bischof Turnovszky.

Umgekehrt würden selten Priester als unbarmherzig empfunden, die sich die Mühe machten, "Lebensgeschichten anzuhören, zu verstehen, zu versuchen mitzuleiden, zu differenzieren und den glimmenden Docht nicht zu löschen". In dieser Haltung, die sich mit dem anderen Menschen ernsthaft auseinandersetze, könne man "getrost die Gebote hochhalten und wird dennoch nicht als unbarmherzig erlebt werden".

Barmherzigkeit heiße genau nicht, ein Auge zuzudrücken, stellte Turnovszky klar: "Im Gegenteil, sie fordert auf, beide Augen zu öffnen, um genauer hinzuschauen und sich die Hände schmutzig zu machen."

Bei der Tagung standen aktuelle Fragen der kirchlichen Jugendpastoral im Fokus. Rund 100 Teilnehmer aus Österreich und fünf weiteren mittel- und südosteuropäischen Ländern berieten anlässlich des vom Papst ausgerufenen "Jahres der Barmherzigkeit" über neue Perspektiven in der kirchlichen Jugendarbeit und tauschten Vorzeigeprojekte aus. Veranstaltet wurde die Tagung vom internationalen Jugendteam des "Mitteleuropäischen Katholikentags" (MEKT), in dem die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) derzeit den Vorsitz hat. Seitens des Don Bosco Hauses nahm Maresi Welich, Leiterin des Teams der Jugendbildung, an der Tagung teil.

Das MEKT-Jugendteam hat seinen Ursprung in den Jugendprogrammen der "Wallfahrt der Völker" im Rahmen des Mitteleuropäischen Katholikentags 2004. Damals appellierten die Kardinäle und Bischöfe der acht Veranstalterländer Mitteleuropas (Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Slowenien, Slowakei, der Tschechischen Republik, Kroatien, Polen und Österreich) im Sinne der gesamteuropäischen Verantwortung an die Bevölkerung, Vorurteile abzubauen, Fremdenhass zu überwinden sowie Solidarität und Gerechtigkeit im Miteinander zu fördern. Seit 2004 gibt es einen stetigen Austausch sowie mehrere gemeinsame Projekte und Veranstaltungen der acht MEKT-Teilnehmerländer.

(kathpress)

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