Am Ende wird doch alles gut

Beim Krippenspiel in der Don Bosco Pfarre Stadlau.
Die Hirten haben eine wichtige Aufgabe: „Lasst uns doch folgen diesem Licht, statt hier zu warten bis der Tag anbricht! Ich spür in mir: es wächst der Mut!“

Das Krippenspiel zu Weihnachten ist vielerorts ein Fixpunkt im Terminkalender. Auch die Wiener Don Bosco Pfarre Stadlau ist hier keine Ausnahme. Mit viel Herzblut wird alljährlich das Krippenspiel von den Kindern einstudiert.

Draußen ist es bereits dunkel am Nachmittag des 8. Dezember. Am Eingang zur Pfarrkirche in Stadlau wartet Veronika Hofmann. Sie ist heute als Regisseurin und Autorin des Krippenspiels gekommen. Seit fünf Jahren schreibt sie den Text für das Krippenspiel. 

Die Darstellerinnen und Darsteller sind Kinder aus der Gemeinde. Schon die Jüngsten dürfen auftreten – zunächst als Engel. Später kommen die Sprechrollen dazu als Hirt oder Wirt und als Josef oder Maria. Nicht alle sind heute da, aber die tragenden Rollen haben bereits ihren Text ein wenig geübt. Die Bühne ist im Altarraum und auf den Stufen davor. 

Hanna zeigt heute ihr Können. Sie ist zum ersten Mal mit dabei und nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Ihr Vater ist zur Probe mitgekommen und wartet in der Kirchenbank. Hanna hat ihren Text als Hirte zu Hause vom Badezimmer aus geprobt, ob sie im Wohnzimmer noch zu hören ist, erzählt ihr Vater. Das ist der kleinen Schauspielerin gut gelungen. Konzentriert spricht sie: „Ich spür‘ in mir, es wächst der Mut! Am Ende wird doch alles gut!“ Auch wenn bei der heutigen Probe noch nicht alle ihren Text sattelfest können, wird alles klappen, ist sich Veronika Hofmann mit Pfarrer Siegfried Kettner sicher.

16 Tage später: Um 14.45 Uhr summt es wie im Bienenhaus in der Kirche. In der Sakristei tummeln sich Musiker, Sängerinnen, Pater Kettner, Veronika Hofmann und viele andere, die am Heiligen Abend Aufgaben übernommen haben. Insgesamt 25 Mädchen, in diesem Jahr sind keine Buben mit dabei, haben sich vorbereitet und gestalten diesen besonderen Nachmittag. Bei der musikalischen Begleitung sind auch ehemalige Krippenspielkinder mit dabei, die aus Altersgründen aus ihren Rollen „herausgewachsen“ sind.

Eltern, Großeltern, Kinder sind schon da, die Kleinsten haben am Boden Platz genommen. Von hier aus hat man die beste Sicht auf Maria und Josef beim Krippenspiel. Um 15 Uhr beginnt der Einzug, das erste Lied wird angestimmt. Wirklich ruhig wird es nicht, aber das ist wohl auch zu viel verlangt an diesem aufregenden Tag.

Warum machte ich mir Sorgen? Gott ist da für mich: gestern, heute, morgen. Maria im Krippenspiel
Die Kids haben sich gut vorbereitet und erzählen die Herbergssuche ohne Hänger, alles läuft glatt. Mit den Kostümen wirkt die Aufführung noch stärker: Hanna trägt als Hirte einen zünftigen Norwegerpulli und einen Hut, die Engel sind ganz in Weiß und Gold, die abweisenden Wirte haben Schürzen um. Brutal ihre Worte, die auch die Kinder leicht verstehen: „Unterkommen wollt ihr hier bei mir? Vielleicht ein Schnitzel noch, ein Bier? Eure Not, die sehe ich, aber ich denke nur an mich!“

Frau Hofmann hat hier eine geschickte Dramaturgie eingebaut: Die jeweils letzte Verszeile wiederholt auch das Publikum. So nimmt sie alle noch mehr in das Geschehen hinein. Stark ist die Hoffnung der Hirten, die sich nicht unterkriegen lassen: „Wir sind so einsam und allein, doch seht, ein heller Sternenschein! Der Himmel grad noch dunkel war, nun scheint ein Stern, so hell und klar; Lasst uns doch folgen diesem Licht, statt hier zu warten bis der Tag anbricht!“

Der musikalische Höhepunkt folgt dann für alle mit dem berühmtesten Weihnachtslied „Stille Nacht“ – und dann geht es nach Hause, denn nach der Andacht in der Kirche wird weiter gefeiert. Das Spiel wird bei der Familienweihnachtsmesse etwas später nochmals aufgeführt – zu groß ist der Andrang bei nur einer Andacht.

Für wen dieser Heilige Abend am aufregendsten war, kann man vermutlich nicht genau sagen. Sicher ist: Hanna hat ihren großen Auftritt bravourös gemeistert. Die Erinnerung an dieses Weihnachten wird sie wohl für immer behalten – und das ist auch ein Geschenk, das zur Geburt Christi passt.

(Sophie Lauringer, Fotos: Franz Hamberger)

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