Abschied von Schwester Theresia Gächter †

Lebensbild unserer Mitschwester von Provinzleiterin Sr. Maria Maul.

„Darum höre ich nicht auf für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke.“ (Eph 1,15)

Gott, der barmherzige Vater, holte

Sr. Theresia Gächter FMA

am Samstag, den 7. Jänner 2017 um 5 Uhr morgens zu sich – in der Pflegeabteilung des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern von Zams (Tirol), die sie in ihren letzten Lebenstagen unglaublich liebevoll gepflegt und begleitet haben.

Sr. Theresia wurde am 8. Oktober 1932 als letztes von vier Kindern des Ehepaares August Gächter und Stephanie, geb. Ludescher, in Klaus, Bezirk Feldkirch (Vorarlberg) geboren. Sie selbst schreibt in ihren Lebenserinnerungen: „In unserer Familie erlebte ich den Glauben, das tägliche Gebet und den täglichen Besuch der hl. Messe als Selbstverständlichkeit.“ Von 1938 bis 1946 besuchte Theresia die (allgemeine) Volksschule, die sie in allen Fächern mit „Sehr gut“ abschloss. Danach absolvierte sie zwei Jahre lang die Fortbildungsschule. Nebenbei und nach dem Ende der Schulzeit arbeitete sie in einer Strickerei in Klaus.

Die Familie Gächter war in der Nähe von Viktorsberg zuhause, wo die Don Bosco Schwestern seit 1936 wirkten. Wie sie mit ihnen in Kontakt gekommen ist, hat sie im Rahmen eines Interviews im März 2002 geschildert: „Die Freundin meines Bruders Walter, Viktoria Ritter (Schwester von Sr. Caroline Ritter), erzählte meinem Bruder, dass die Schwestern in der Sonnenheilstätte auf dem Viktorsberg eine Küchenhilfe brauchen. Zuerst hatte ich Bedenken, denn ich befürchtete, dann ins Kloster gehen zu müssen. Viktorias Mutter, Frau Ritter, ging mit mir zu den Schwestern zum Vorstellen (1949, ich war 17 Jahre alt). Für die Oberin Sr. Wilhelmine Heine schien ich zu schwach zu sein und für den Verwalter zu jung. Ich durfte trotzdem kommen.“ Tatsächlich war Theresia von 1. August 1949 bis 15. Jänner 1955 Küchengehilfin in der Sonnenheilstätte Viktorsberg im Dienst der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Valduna. Dort hat sie, wenn sie aus dem Fenster sah, bis zu ihrem Heimathaus gesehen, sogar dass ihre Mutter Wäsche aufhängte, sodass sie Heimweh bekam, gegen das sie lange kämpfte. Dennoch, so Sr. Theresia in ihren Erinnerungen, „reifte in dieser Zeit in mir der Ordensberuf. Don Boscos Arbeit mit der Jugend begeisterte mich. Und obwohl ich manche Unstimmigkeiten in der Schwesterngemeinschaft erlebte, entschloss ich mich im Alter von 23 Jahren, bei den Don Bosco Schwestern in Stams einzutreten“. Vermutlich hat sie den Entschluss dazu schon ungefähr vier Jahre zuvor gefasst, denn ihrer nicht näher datierten Anfrage an die damalige Provinzoberin Sr. Alba Deambrosis schrieb sie (in schöner Kurrent-Schrift): „Ich, Theresia Gächter, wünsche von Herzen bei Ihnen Anfrage zu machen über den Eintritt in Ihren Orden des Hl. Johannes Bosco. War am 8. Oktober 1950 18 Jahre alt geworden, bin gesund und hoffe, dass meine Eltern dieses Jahr einverstanden sind. Bin die jüngste Tochter und habe noch die Pflicht, nebenher meine Eltern zu betreuen, besonders meine Mutter, die gesundheitlich sehr krank ist. Sie ist zeitweise auch ganz allein, denn der Vater geht noch, soweit es ihm möglich ist, auswärts zum Verdienen und kommt oft wochenlang nicht heim. Es steht ein wenig in Aussicht, dass vielleicht innerhalb dieses Jahres mein Bruder Ritter Viktoria heiratet. Werde mich mit Hilfe der lb. Muttergottes einstweilen gut vorbereiten für mein großes Vorhaben und bitte Sie, ehrwürdige Frau Provinzialin, um Ihr wertes Gebet.“

Am 15. Jänner 1955 konnte Theresia schließlich in Stams eintreten. Mit demselben Datum ist das Dienstzeugnis versehen, das ihr Direktor Ritter von der Heil- und Pflegeanstalt Valduna ausstellte: „Frl. Gächter hat ihre Arbeiten immer sauber und mit Interesse verrichtet, war dienstbereit und verlässlich, hat sich gute Kochkenntnisse angeeignet und war auch fähig, im Bedarfsfalle allein die Küche zu führen. Wegen ihres freundlichen, hilfsbereiten Wesens war sie auch beim übrigen Personal sehr geschätzt.“

Nach dem Postulat, das Theresia am 31. Jänner 1955 begann, folgte das erste Noviziatsjahr in Rottenbuch und das zweite in Linz, wo sie am 5. August 1957 die Erste Profess ablegte. Die ersten vierzehn Jahre ihres Ordenslebens sollte sie in Linz bleiben. In diese Zeit fielen die Ablegung der Ewigen Profess in Baumkirchen (1963) sowie der Erwerb der Oberhirtlichen Sendung zur Mitarbeit in der Seelsorgehilfe und zur religiösen Jugendunterweisung im Familienkreise (1964, nach Abschluss des „Volksapostolischen Kurses“ in Salzburg mit einer Prüfung und einer schriftlichen Arbeit im Bereich der Mariologie) und der Missio Canonica zur Erteilung des katholischen Religionsunterrichts an der ordenseigenen Fachschule für wirtschaftliche Berufe für das Schuljahr 1968/69. Nach einem Jahr zum Erlernen der italienischen Sprache in Rom, wo zu ihrer Freude der damalige Pater Alois Kothgasser SDB gleich in der Nähe an der Salesianer-Universität wirkte, und einem weiteren Jahr als Erzieherin in Klagenfurt führte ihr Weg nach Tirol, wo sie die restlichen beinahe 45 Jahre ihres Lebens verbrachte.

1957 - 1970 Linz Köchin, Religionslehrerin in der Haushaltungsschule
1970 - 1971 Rom Sprachstudium und Mithilfe im Generalat in Rom
1971 - 1972 Klagenfurt Assistentin
1972 - 1975 Innsbruck/Falkstr. Köchin, Wäscherin
1975 - 1984 Baumkirchen Oberin, 1979 - 1985 Provinzrätin
1984 - 1985 Viktorsberg Oberin (Schließung der Niederlassung)
1985 - 1993 Stams Köchin (bis 1987), Oberin (ab 1987)
1993 - 1996 Baumkirchen Oberin
1996 - 2017 Stams Vikarin (1997 bis 2001), Mithilfe im Haus, krank (ab 2010)

Vonseiten mehrerer Schwestern erreichten mich in den letzten Tagen schriftliche Erinnerungen an Sr. Theresia, die ich hier auszugsweise wiedergeben möchte: 
Sr. Theresia war ein herzensguter Mensch. Sie hatte ein Herz für „alt“ und „jung“. In jungen Jahren war sie stets mit vollem Einsatz bei den jungen Menschen. Bereits als Novizin wurde an ihr wahrgenommen, dass sie eine reife Persönlichkeit war, tief verwurzelt im Glauben. Sie war damals schon ein sehr offener und für die damalige Zeit sehr fortschrittlich denkender Mensch. Sie hatte einen gesunden Glauben, hinterfragte aber auch so manches. Sie ging jedoch nicht auf Konfrontation, sondern war eine „stille Kämpferin“. In der Gemeinschaft war sie stets ein sehr ausgleichender Mensch.

Sr. Theresia wurde auch von mancher Kandidatin und jungen Mitschwester als Wegbegleiterin und als lebendiges Vorbild einer Don Bosco Schwester erlebt, die das salesianische Ordensideal verkörperte: Sie hatte ein stets heiteres Wesen und war für so manchen Spaß zu haben, wenn es darum ging, den Mädchen eine Freude zu bereiten. Einmal wurde sie in Stams am Ende einer Veranstaltung in einem geschlossenen Paket auf einem Wagerl auf die Bühne geschoben. Als das Paket geöffnet wurde, stieg Sr. Theresia heraus und verteilte den vielen Mädchen je einen Eislutscher.

Sr. Theresia war eine sehr geschätzte Oberin. Sie wusste jede einzelne Schwester in ihrer je eigenen Art anzunehmen. Besonders einfühlsam sorgte sie immer für die älteren und kranken Mitschwestern in der Gemeinschaft. Wenn Schwestern Kummer hatten, gingen sie aus Gesprächen mit ihr getröstet und ermutigt weg; allein ihre ruhige, angenehme Stimme wirkte schon aufbauend. Durch ihr feinfühliges, ausgleichendes und wertschätzendes Wesen und weil sie sehr gut zuhören konnte, war Sr. Theresia für so manche Schwester „Blitzableiter“, wofür ihr viele bis heute dankbar sind. Wenn es in der Gemeinschaft Schwierigkeiten gab, soll sie gern das Gebet von der ‚Knotenlöserin‘ gebetet haben. 
Ihre Einfachheit und ihr Humor hat immer schon und bis zuletzt viele Menschen berührt. 
In den letzten sieben Jahren, als sie sich nur mehr in ihrem Zimmer aufhielt, war sie eine stille Präsenz in der Gemeinschaft, zugleich jedoch sehr aufmerksam für jede einzelne Mitschwester und sehr interessiert für das Geschehen im Haus und in der Provinz. Sie hatte immer ein offenes Ohr und war Wegbegleiterin für viele Menschen. 
In ihr tägliches Lieblingsgebet, den Rosenkranz, den sie bis zuletzt fast immer in ihren Händen hielt, legte sie alle ihre persönlichen Anliegen ebenso wie die der Kirche und der Welt hinein.

Meine Vorgängerin Sr. Maria Maxwald erinnert sich: „Ich hatte immer den Eindruck, dass sie trotz ihres gesundheitlich bedingten Rückzugs der Mittelpunkt der Gemeinschaft war. Das lag wohl an ihrer freundlichen Art und ihrem großen Herzen, in dem alles Platz hatte und durch das vieles zu Gott getragen wurde. Ihr Apostolat sah sie im Gebet. Darin fand sie Erfüllung. Bei den Exerzitien im Juli 2008, als sie nur noch 45 Kilo hatte, sagte sie: ‚Ich nehme ab und ER nimmt zu. Das meine ich zumindest, dass er in mir zunimmt.‘ Im Oktober 2013 schrieb sie mir noch eine Karte, auf der etwas stand, was mich beeindruckt hat: ‚Ich bin geborgen in Gott und das genügt mir und alles gehört Ihm und ist für die anderen da zu ihrem Segen.‘“

Die Schwestern der Stamser Gemeinschaft bezeugen: „Ausgezeichnet hat sie ihre besondere Dankbarkeit. Bis zum Ende hat sie sich für jeden kleinen Handgriff bedankt, das hat selbst so manchen belastenden Momenten, als es für sie und auch für uns schwer war, sie vom Stuhl wieder ins Bett zu begleiten, eine gewisse Leichtigkeit verliehen. Nach jedem Besuch sagte sie: ‚Danke für deinen Besuch!‘“

Ein befreundeter Bekannter von Sr. Theresia formulierte in seinem Kondolenz-Schreiben an die Stamser Schwestern: „Die letzte Begegnung mit ihr am 5. Jänner in Zams war für mich ein tiefes spirituelles Erleben, seither begleitet mich ein tiefer innerer Friede … Ihr hattet eine Heilige in eurer Gemeinschaft und jetzt eine starke Fürsprecherin in der Ewigkeit.“ Sr. Theresia selbst schrieb in ihren Erinnerungen: „Das Gebet war meine Kraft von Jugend an, und die Erfahrung, dass trotz allem alles wieder recht wird, gab mir Mut und Gelassenheit zu frohem Dienst.“
Danke, liebe Sr. Theresia, dass du uns nun vom Himmel aus hilfst, ebenso mutig, gelassen und froh wie du unseren Dienst zu tun!

Sr. Maria Maul (Provinzleiterin)

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