Abschied von Schwester Hildegard Steglehner †

Am 22. Jänner ist unsere Mitschwester überraschend von uns gegangen. Zum Lebensbild.

„Komm, ich führe Dich zu Jesus.“

Gott, der Ursprung und die Fülle des Lebens, holte

Sr. Hildegard Steglehner FMA

am Sonntag, den 22. Jänner 2017 überraschend schnell und ganz sanft
im Kreis ihrer Mitschwestern in der Gemeinschaft Vöcklabruck SC zu sich.

Hildegard wurde am 21. Februar 1928 in Aschbach im Bezirk Amstetten in Niederösterreich als jüngstes von fünf Geschwistern geboren. Bald nach ihrer Geburt übersiedelten ihre Eltern Anna, geb. Fröhlich, und Johann Steglehner aufgrund von dessen beruflicher Tätigkeit bei der ÖBB nach Asten-St. Florian. In ihren persönlichen Aufzeichnungen schrieb Sr. Hildegard 2007: „Mit ca. dreieinhalb Jahren wurde ich schwer krank (alles, was mit Lunge zu tun hatte und Rheuma). Meine Eltern machten sich große Sorgen um mich. Eines Tages sagte der mich behandelnde Arzt zu meiner Mutter: ‚Frau Steglehner, bemühen Sie sich nicht länger um ihr Kind, morgen tragen wir es zum Friedhof.‘ Meine Mutter nahm Zuflucht zum Gebet. Sie versprach der Gottesmutter von Mariazell, wenn ich wieder gesund werde, eine Wallfahrt zu machen. Und wirklich, so wurde mir erzählt: Eines Tages schlug ich die Augen auf und mein Gesundheitszustand verbesserte sich von Tag zu Tag. Der behandelnde Arzt sagte zu meinen Eltern: ‚Ein Wunder ist geschehen.‘“ 

So konnte Hildegard nach ihrer Erstkommunion zum ersten Mal „eine zarte Stimme“ spüren, mit der sie damals jedoch noch nicht viel anzufangen wusste. Sie besuchte gern die Gottesdienste, „denn schon damals hörte ich gerne Musik – aber oft hielt mich das Spiel mit den Kindern davon ab. Ich war eben kein Engel – denn bei verschiedenen Streichen war ich auch dabei“. 

Nach dem Besuch der Volksschule der Kreuzschwestern in Linz, die durch das NS-Regime geschlossen wurde, besuchte sie die Hauptschule in der Goethe-Schule, wozu sie jeden Tag von Asten-St. Florian nach Linz fuhr. „Auf diesem Schulweg bemerkte ich vom Zug aus schon damals ein kleines Haus mit einer großen Wiese. Meine Neugierde wuchs … ich hatte keine Ahnung, dass dort Schwestern wohnten. War dies der erste Blick-Kontakt mit den Don Bosco Schwestern?“ Als ihre Eltern 1941 in das Linzer Franck-Viertel zogen, „lüftete sich das Geheimnis des kleinen Hauses. Jedoch wusste ich immer noch nicht, dass es hier eine Don Bosco Kirche gab und noch weniger wusste ich, dass hier Don Bosco Schwestern waren. Der Krieg schlug viele und tiefe Wunden. 1943 starb mein Vater. Durch das NS-Regime benötigte meine Familie einen Ariernachweis. Um diesen Pass zu bekommen, brauchten wir eine Unterlage vom kath. Pfarramt, das die Salesianer führten. So lernte ich die Don Bosco-Pfarre kennen und mit der Zeit auch die Don Bosco Schwestern.“

Da Hildegard nach der Pflichtschulzeit den Wunsch verspürte, Kindergärtnerin zu werden, besuchte sie während des Krieges das Öffentliche Pädagogium, das jedoch wegen der Bombardierungen aus Sicherheitsgründen bald geschlossen wurde. In dieser Zeit war sie als Vorschülerin in verschiedenen Kindergärten in Linz tätig. „Im Kontakt mit der Don Bosco-Pfarre und den Don Bosco Schwestern und trotz des Verbotes des NS-Regimes besuchte ich regelmäßig die Gruppenstunden in der Pfarre. Auch die Bibelrunden wurden prägend für mein religiöses Leben. Pater Stöglehner hat uns Mädchen seelsorglich so gut betreut, dass wir Freude am religiösen Leben hatten. Bei Sonntagsausflügen sagte er uns, dass wir ihn nicht Pfarrer nennen dürfen, sondern Onkel Franz. Denn niemand durfte wissen, dass wir mit der Jugend der Pfarre und dem Pfarrer Ausflüge machten. Trotz des religiösen Verbotes durch das NS-Regime war Linz Don Bosco eine blühende Pfarre.“ 

Nachdem im November 1944 die Pfarrkirche in Linz Don Bosco bombardiert wurde, rückten die Pfarrangehörigen, besonders die Jugendlichen, beim Wiederaufbau der Kirche noch näher zusammen. In dieser Zeit lernte Hildegard auch besser die Don Bosco Schwestern kennen, die bis zum Neuerrichtung ihres Hauses, das ebenfalls durch Bomben zerstört wurde, in Roßbach in Oberösterreich Zuflucht gefunden hatten.

Von 1945 bis 1947 besuchte Hildegard die Privat-Bildungsanstalt der Kreuzschwestern in Linz, die sie im Juni 1947 mit dem „Befähigungszeugnis als Kindergärtnerin und Hortnerin“ absolvierte. „In dieser Zeit tauchte in mir der langersehnte Wunsch wieder auf, ganz für den Herrn und für die Jugend mein Leben einzusetzen. Ich besuchte regelmäßig das sogenannte Oratorium der Don Bosco Schwestern. Dort gefiel es mir so gut, dass ich von nun an drei Jahre lang jeden Sonntagnachmittag bei den Schwestern war. Dort lernte ich die frohe Gemeinschaft, die Herzlichkeit der Schwestern und den Don Bosco-Geist kennen. Ich brauchte nicht mehr viel zu überlegen, ob ich eine Kreuzschwester oder eine Don Bosco-Schwester werde.“ Ihre Mutter jedoch hoffte, dass sie als Jüngste bei ihr bleiben würde, und auch ihre Geschwister waren gegen ihr Vorhaben. So machte sie, um Klarheit zu erhalten, mit ihrer Freundin eine Wallfahrt nach Mariazell: „Tatsächlich, beim Gebet bei der Gottesmutter um Erleuchtung, welchen Weg ich gehen sollte, hörte ich in meinem Herzen eine leise Stimme, die mir sagte: ‚Komm, ich führe Dich zu Jesus.‘ Diese leise Stimme verließ mich nicht mehr. So ging der Alltag weiter … Im August 1947 übernahm ich eine Stelle als Kindergärtnerin in Tragwein O.Ö. An klaren Tagen entdeckte ich im Kindergartenraum ein Fenster, von dem aus ich die Kirche vom Pöstlingberg sah – immer schon war dieser Blick auf den Pöstlingberg zur Schmerzensmutter etwas Besonderes für mich. Natürlich betete ich des Öfteren zu ihr, Mutter, Maria, hilf mir, dass sich mein Herzenswunsch erfüllen kann.“ 

Tatsächlich sollte Hildegard auf Einladung von Sr. Maria Wosnik hin am 4. November desselben Jahres mit einigen anderen Mädchen nach Viktorsberg fahren, um die Kandidatur zu beginnen. Mit 16. Dezember 1947 ist das „Sittenzeugnis“ datiert, das ihr Pfarrer P. Franz Stöglehner SDB, Pfarrer der Stadtpfarre Don Bosco in Linz, ausstellte: „Ihr Betragen war in jeder Beziehung mustergültig. Durch ihre echte ungeschminkte Frömmigkeit und ihr menschlich gerades Wesen war sie allen ein nachahmenswertes Beispiel. Auch hat sie äußerst segensreich im Kindergarten gewirkt und sich dadurch das Wohlwollen und die Sympathie der Eltern erworben.“

So begann Hildegard am 31. Jänner 1948 das Postulat in Viktorsberg, am 5. August desselben Jahres das Noviziat in Ingolstadt/Oberhaunstadt, wo sie am 5. August 1950 die Erste Profess ablegte. Mehr als 60 Jahre lang wirkte sie daraufhin als begabte und begeisterte Don Bosco Schwester an folgenden Orten:

1950-1953 Kindergärtnerin und Assistentin im Oratorium in Wien Hasenleiten
1953-1959 Erzieherin der Heimmädchen in Stams
1959-1964 Kindergärtnerin und Assistentin im Oratorium in Wien Hasenleiten
1964-1967 Kindergärtnerin und Assistentin im Oratorium in Innsbruck (Museumsstr. 17)
1967-1969 Oberin in Innsbruck (Falkstraße)
1969-1975 Oberin in Linz
1975-1980 Kindergärtnerin und Assistentin im Oratorium in Bludenz
1980-1990 Leiterin des Kindergartens und des Oratoriums in Stams
1990-2005 Verantwortliche für die Wäsche in Vöcklabruck MA
2005-2017 Verantwortliche für die Wäsche und Ruhestand in Vöcklabruck SC

Sr. Hildegard widmete sich, wie sie selbst schrieb, nicht nur „mit ganzer Seele dem Beruf als Kindergärtnerin“, sie „festigte den Geist Don Boscos auch in den einzelnen Ortszentren der Salesianischen MitarbeiterInnen“. 
In besonderer Weise geht sie sicher als eine der Pionierinnen von Wien in die Geschichte der österreichischen Provinz ein: „Mein erster Einsatz war eine große Herausforderung in Wien XI. Madre Pierina Uslenghi, die seinerzeit unsere Gemeinschaft in Wien visitierte, sprach von einer ‚Missionsstation‘. Nicht nur die Wohnverhältnisse waren äußerst arm, denn in der Baracke war es im Sommer sehr heiß und im Winter eisig kalt. Auch die Bevölkerung war uns gegenüber abweisend. Die Schwestern wurden verspottet und belächelt. Wir versuchten in Freundlichkeit und Liebe den Menschen zu begegnen.“ Ich selbst erinnere mich daran, dass Sr. Hildegard – sie war jahrelang meine Mitschwester in Vöcklabruck – immer wieder von den ersten Jahren in der Hasenleiten-Siedlung erzählt hat, die damals von manchen als „Messerstecherviertel“ bezeichnet worden sei. 

Sr. Hildegard liebte das Schöne in all seinen Formen, sie konnte so richtig genießen und sich riesig freuen – über ein gutes Essen, über musikalische Klänge, über das Meer bei Cavallino, wo sie jahrelang gern Urlaub machte, um ihren Bronchien Erleichterung zu verschaffen. Bestimmt genießt sie nun bereits in vollen Zügen die Freuden des Paradieses – ganz im Sinn des Wortes Don Boscos: „Un pezzo di Paradiso aggiusta tutto“ – „Ein Stück Himmel macht alles gut“!

Liebe Sr. Hildegard, von Herzen danke für Dein Lächeln, Deine Fröhlichkeit und Deine sprichwörtliche Gelassenheit. Mögest Du uns vom Himmel aus helfen, so unermüdlich wie Du den Betrachtungsvorsatz zu verwirklichen, den Du eines Tages – wie ich Deine damalige Mitnovizin Sr. Theresia Quatember oft humorvoll erzählen gehört habe – in Oberhaunstadt auf die Frage der Novizenmeisterin hin wie aus der Pistole geschossen formuliert hast: „In allen Lebenslagen die Ruhe bewahren!“

Sr. Maria Maul

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