Sonntagsarbeit braucht europäische Regelung

Bischof Ludwig Schwarz SDB warnt im EU-Parlament vor schädlichen Folgen durch Liberalisierungen.
Salesianerbischof Ludwig Schwarz

"Es braucht eine europäische Regelung zur Sonntagsarbeit": Dieses Resümee der zweiten Europäischen Konferenz zum Thema arbeitsfreier Sonntag und angemessene Arbeitszeiten hat der Linzer Bischof Ludwig Schwarz SDB gezogen. Schwarz hatte vergangene Woche als einer der Vertreter der "Allianz für den freien Sonntag Österreich" an der Konferenz im Europäischen Parlament in Brüssel teilgenommen. Eingeladen hatte die Europäische Sonntagsallianz mit Hilfe der Abgeordneten Evelyn Regner (SPÖ) und Thomas Mann (EVP) und im Hinblick auf die EU-Wahlen im Mai; unter den 120 Interessierten aus ganz Europa waren auch 20 Mitglieder des Europäischen Parlaments.

Der gemeinsame europäische Markt brauche auch eine einheitliche Regelung betreffend Sonntagsarbeit. In jenen Ländern, wo diese Ergänzung fehle, seien "die schädlichen Folgen einer exzessiven Liberalisierung von Öffnungszeiten" auch an Sonntagen sichtbar, wies Schwarz in er einer Aussendung am Mittwoch hin. Das schade besonders
Klein- und Mittelbetrieben (KMU) und verstärke den Druck auf die Menschen. Und: "Das löst keine wirtschaftlichen Probleme", gab der Linzer Bischof zu bedenken.

Bei einer der Podiumsdiskussionen betonte Schwarz unter Verweis auf Papst Franziskus, dass der Mensch nicht auf seine "Markttauglichkeit" reduziert werden dürfe. Auch das Sozialwort der christlichen Kirchen in Österreich fordere zu einer "Wirtschaft im Dienste der Menschen" auf.

Franz Georg Brantner, Sprecher der "Allianz für den freien Sonntag Österreich" und dort Vertreter des ÖGB, betonte bei der Brüsseler Konferenz, dass der Handel nicht mit anderen Branchen vergleichbar sei. "Weil der Handel der zentrale Taktgeber ist, ist Sonntagsarbeit im Handel automatisch ein Dammbruch. Wenn Österreich weiterhin klug ist, muss es die Fehler anderer Ländern nicht wiederholen."

Kampagne soll EU-Parlamentarier gewinnen
Der bei der Konferenz erhobenen Aufforderung an die EU-Parlamentarier, eine Verpflichtungserklärung für den freien Sonntag zu unterzeichnen, folgten aus Österreich bisher neben Evelyn Regner auch Ulrike Lunacek (Grüne) und Ewald Stadler (Fraktionslos).
Derzeit läuft eine Kampagne, die in ganz Europa möglichst viele Kandidaten zum Europäische Parlament als Unterstützer gewinnen soll.
Die Erklärung besagt, dass ein arbeitsfreier Sonntag und menschenwürdige Arbeitszeiten "von größter Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger sowie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ganz Europa" seien und nicht notwendigerweise einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft entgegenstünden.

Gerade in Zeiten der sozio-ökonomischen Krise hätten gesetzlich erlaubte Arbeitszeiten am späten Abend, nachts und an Feier- und Sonntagen schlimme Auswirkungen auf die Beschäftigten und auf Klein- und Mittelbetriebe. "Wettbewerbsfähigkeit braucht Innovation, Innovation braucht Kreativität und Kreativität braucht Erholung!", heißt es wörtlich in der Erklärung.

Der Präsident der europäischen Arbeitgeberverbände, Burkhard Leffers, warnte davor, Sonntagsarbeit als Problemlöser in der Krise zu verstehen. Eine Liberalisierung bringe keine weiteren Arbeitsplätze, sondern höchstens eine Umsatzverlagerung - nämlich zu den Marktteilnehmern, die ohnedies in der "Pole Position" seien.

Dammbrüche in EU-Ländern
Bei der Konferenz wurde auch die unter Premierminister Mario Monti beschlossene Liberalisierung in Italien analysiert. Wie Manuela Ulandi vom Unternehmerverband der Provinz Alessandria berichtete, gibt es in Italien faktisch keine freiwillige Sonntagsarbeit im Handel, Bedienstete stünden sehr unter Druck. Die KMU könnten nicht mit den großen Playern mithalten. Statt Arbeitsplätze zu schaffen finde eine Verdrängung statt. In Italien entstehe derzeit eine Gegenbewegung zur kompletten Liberalisierung, berichtete Ulandi.
50.000 Unterschriften, die im Vorjahr dem italienischen Parlament übergeben worden sind, seien der Beginn.

Der Vertreter der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Alfred Bujara, berichtete, dass im polnischen Handel das Verkaufspersonal bereits drastisch zurückgebaut worden sei und von Mitarbeitern immer mehr zeitliche Verfügbarkeit gefordert werde.

Die deutsche evangelische Bischöfin Susanne Breit-Keßler - sie ist Psychologin - betonte, dass Burn-out das Resultat eines "Hamsterrades" sei, aus dem Menschen nicht aussteigen könnten.
"Feste Rhythmen" wie der arbeitsfreie Sonntag seien daher unverzichtbar. Der Sonntag sei ein Wert für alle, betonte Breit-Keßler.

Auch in den Diskussionen während der Konferenz wurde immer wieder die "Chance für alle" angesprochen, die im freien Sonntag liege - egal ob für Gläubige oder Nichtreligiöse, Singles oder Menschen in Beziehungen.

Die Europäische Sonntagsallianz ist ein Netzwerk von knapp 100 Organisationen. Nationale Sonntagsallianzen - wie die österreichische als eine der Gründungsorganisationen -, Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Jugend- und Sportorganisationen aus ganz Europa bündeln ihre Kräfte im Einsatz für den arbeitsfreien Sonntag und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

(KAP)

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