Herbergssuche

Seit 68 Jahren pflegt die Pfarre Amstetten Herz-Jesu die Tradition der Herbergssuche.
Pater Hans Schwarzl SDB segnet die Herbergsbilder. (Foto:Wolfgang Zarl)

Weihnachten verbindet religiöses Brauchtum, Lebensfreude und Geselligkeit. Das zeigt sich gerade an der Tradition des Herbergssuchens in der Don Bosco Pfarre Amstetten Herz Jesu.

Im Anschluss an den Satz in der Weihnachtserzählung des Lukas-Evangeliums: „ ... weil in der Herberge kein Platz für sie war“, bildete sich im Mostviertel der liebenswürdige Brauch der Herbergssuche. Neun Tage vor dem Heiligen Abend werden die Bilder mit den Eltern Jesu, Maria und Josef, oder Marienstatuen in der Kirche gesegnet. Anschließend gibt es eine kleine Lotterie: die Grätzel-Gruppen ziehen, wann sie Bild oder Statue weitertragen.

Die Gruppen bestehen aus neun Personen, meist Frauen. Nach dieser Ordnung werden diese einen Tag nach dem anderen besucht und das Bild oder die Statue weitergegeben, die einen Ehrenplatz im Haus erhalten: dabei kommt immer die ganze Familie zusammen und es werden Gebete gesprochen und Lieder gesungen. Werden Kinder miteinbezogen, so ist die Herbergssuche oft mit einem Spiel verbunden. Der wahrhaftige Schlager „Wer klopfet an? O zwei gar arme Leut! Was wollt ihr dann? …“ fehlt selbstverständlich nirgends. In manchen Orten ziehen sie einzeln, in anderen gehen alle Neune von Haus zu Haus. Am 24. Dezember erhält die „Nummer 9“ die Statue oder das Bild und behält es bis Maria Lichtmess, das am 2. Februar gefeiert wird und den Weihnachtsfestkreis abschließt.

„Diese ‚Nummer 9‘ hat ein bisserl ein Pech“, lacht Theresia Ingerl nach der Segnung der Bilder und der Losziehung in der Amstettner Herz Jesu-Kirche, „denn sie muss uns dann zu Maria Lichtmess alle einladen“. Dann wird gesungen, der Engel des Herrn gebetet und „gemütlich beisammen gesessen und gejausnet“. Ihre Neunergruppen-Freundin Frieda Aichberger kann sich noch an den Anfang des Brauchs im Ortsteil Eisenreichdornach erinnern, wo gleich drei Gruppen unterwegs sind: „Wir haben vor 68 Jahren begonnen, das war gleich nach der Bombardierung von Amstetten.“ Die Herbergssuche sei seither eine wunderbare Tradition und eine sinnvolle Einstimmung auf Weihnachten. Andere Gruppen haben noch viel ältere Wurzeln.

Szenenwechsel zum Amstettner Ybbsheim: Dort feiern die Greimpersdorfer ebenfalls den Start der Herbergssuche. Pater Hans Schwarzl SDB segnet die Herbergsbilder, er stellt dabei einen Bezug ins Jetzt und Heute her: „Die Geschichte wiederholt sich. Wir Christen haben auch Verantwortung. Etwa gegenüber den Flüchtlingen aus Syrien.“

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