Honduranischer Salesianer-Kardinal Rodriguez wird 70

Seit dem Sturz von Präsidenten Zelaya 2009 ist er ein Feindbild der Linken.
Kardinal Rodriguez Maradiaga SDB

Der honduranische Salesianer-Kardinal Rodriguez Maradiaga, einer der prominentesten lateinamerikanischen Kirchenvertreter, wird heute 70 Jahre alt. Seit dem weltweit beachteten Sturz des honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya Ende Juni 2009 - von Anhängern als Putsch scharf verurteilt, von Gegnern als verfassungskonform gutgeheißen - ist Maradiaga auch ein wesentlicher "Player" in der Politik der labilen mittelamerikanischen Republik. Seine Gegner werden dem Erzbischof von Tegucigalpa wohl auch an seinem Festtag mit Hass, Protesten und Morddrohungen begegnen.

Der Grund für die tiefe Abneigung, die dem Kirchenmann auch heute noch entgegenschlägt, ist seine differenzierte Haltung zur politischen Krise in seinem Heimatland. Die weltweiten Proteste gegen Zelayas Amtsenthebung brandmarkte Maradiaga als einseitig. Er selbst kritisierte die Amtsführung des abgesetzten Präsidenten öffentlich, zweifelte an dessen Verfassungstreue und forderte Untersuchungen wegen Korruption. Als Maradiaga die Einmischung von Venezuelas Präsident Hugo Chavez in den Konflikt kritisierte und gegen alle Mediendarstellungen auf seinem unbequemen Standpunkt beharrte, rückte er immer mehr ins Zentrum der Angriffe von Zelayas Anhängern.

Zuvor galt der dreifach promovierte Salesianer, der seit 2007 Präsident von Caritas Internationalis ist und von 1995 bis 1999 Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM) war, als einer der wenigen Kirchenvertreter Lateinamerikas, dem sogar das Papstamt zugetraut wurde. Nun haben ihn jedoch vor allem linke Gruppierungen zum Feindbild Nummer eins erklärt. Aus dem Hoffnungsträger ist ein medialer Sündenbock geworden.

Als Präsident von Caritas Internationalis ist Maradiaga Schirmherr einer weltweiten katholischen Entschuldungskampagne zugunsten armer Länder. Der Salesianer steht als scharfer Kritiker der Auswirkungen der Globalisierung inhaltlich ausgerechnet jenem politischen Lager nahe, aus dem die Giftpfeile gegen ihn abgeschossen werden. Hunger wurzele nicht in einem "Mangel an Ressourcen", sondern im "Fehlen gerechter Verteilmechanismen und Strukturen", betont er stets.

Zuletzt hat sich Maradiaga auch weltpolitisch klar positioniert: Der Waffenhandel mit Syrien müsse sofort gestoppt werden, andernfalls könne dem Nahost-Staat und seinen Nachbarländern ein ähnlich tragisches Schicksal drohen wie den Balkanstaaten in den 1990er Jahren, sagte er im Dezember im Gespräch mit Radio Vatikan.

(KAP)

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