Sr. Elisabeth Siegl: Ewige Profess

Am 8. September legt die Don Bosco Schwester ihre Ewige Profess ab. Schwester Elisabeth im Interview.

Sr. Elisabeth, du bist dabei, ein definitives Ja zu sagen: das Ja zur Nachfolge Jesu in der Gemeinschaft der Don Bosco Schwestern. Was bewegt dich dazu, so gegen den Zeitgeist zu schwimmen?
Die Überzeugung, dass Gott mich auf diesen Weg gerufen hat und dass es daher ein erfüllender Weg ist. Ich glaube, dass es erfüllend ist, mich ganz in den Dienst der Liebe Gottes und der jungen Menschen zu stellen, die auf der Sinnsuche sind. Und auch weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Leben in einer Gemeinschaft, die das gleiche Ziel hat, ein großes Geschenk ist. 

Hast du dir den Schritt gut überlegt? Und was ist, wenn du dich irgendwann einmal Hals über Kopf verliebst? 
Den Schritt habe ich mir gut überlegt. Mit jeder Lebensentscheidung ist natürlich ein Risiko verbunden. Wir Menschen sind zerbrechlich und ich bin es auch. Aber das Gute ist, dass ich Gottes Treue auf keinen Fall anzweifeln brauche und selber möchte ich auch treu sein. Hals über Kopf verlieben könnte mir in einer Ehe auch passieren. Dann muss ich auf meinen Bund schauen, den ich geschlossen habe, und auf die Überzeugung dahinter. Ich denke, dass Verliebtsein nichts Schlimmes ist, das kann jedem passieren, aber das heißt nicht, dass ich meinen Lebensentwurf umschmeiße.

Es ist für mich eine Frage des Vertrauens, diesen Weg zu gehen, denn eine hundertprozentige Sicherheit hat man trotzdem nicht, auch wenn man gerufen ist. Die hat keiner. Aber ich glaube, wenn Gott mich auf diesen Weg schickt, dass er kein  Zickzackspiel mit mir macht, dass er mich nicht auf den Arm nimmt und mich dann in eine ganz andere Richtung schickt. 

Was gibt dir den Mut, in einer Zeit, in der viele Ehen auseinanderbrechen,  öffentlich zu bekennen, dass du ein Leben lang deinem Versprechen treu sein willst?
Die Überzeugung, dass es noch immer Sinn hat, lebenslängliche Entscheidungen zu treffen. Ich glaube, dass in einer Lebensentscheidung, trotz des Risikos, eine große Kraft liegt. 

Ich glaube, dass das Ja zu dieser Lebensform kein eintöniges ist, es wird ein vielgestaltiges Ja sein, das immer anders ausschauen wird, aber immer mit dem einen Ziel, für Gott und die Menschen da zu sein. 
Und ich vertraue darauf, dass Gott mit mir geht. Er ist der Treue und er hilft mir, treu zu sein. 

Und ich fälle diese Entscheidung ja nur deswegen, weil ich glaube, dass Gott diesen Weg für mich bereit hält, auch wenn ich die Zukunft nicht genau kenne. 

Was heißt es für dich konkret, keusch, arm und gehorsam zu leben? Stellst du dich damit nicht ins gesellschaftliche Out? 
Ich glaube, dass in den drei Gelübden ein großer Schatz liegt, ein Schatz zum Gelingen des Lebens, wie es sehr viele Menschen ersehnen. 

Keusch sein heißt für mich, meiner Sehnsucht Raum geben, die Liebe in ihrer Echtheit und auch Verbindlichkeit gegenüber Gott und den Menschen zu leben. Gerade in der Vielfältigkeit der Beziehungen.
Das drückt sich für mich auch im Gehorsam aus, der Beziehungsgeschehen ist. Durch ihn erkenne ich, was lebensfördernd ist.
Gelübde geben mir ein Gefühl der Weite, nicht der Enge. 

Arm sein bedeutet zum einen, wissen, dass ich begrenzt bin, dass ich angewiesen bin auf Gott und die anderen. Es heißt aber auch solidarisch sein. Die gängige Lebenseinstellung „Ich mache, was ich will und was mir taugt“ engt ganz viele andere Menschen ein. Solidarisch sein heißt, schauen, wo ich teilen kann. Das braucht die Welt, weil wir so viel auf Kosten von anderen leben. Armut hilft mir, nicht auf Kosten der anderen zu leben, sondern für die anderen und mit den anderen. 

Wie hast du erkannt, dass du als Ordensfrau leben möchtest? Gab es da ein besonderes Ereignis, eine spezielle Erleuchtung? 
Die Basis ist meine Sehnsucht gewesen, ein Leben für Gott zu leben und seiner Liebe ganz viel Platz einzuräumen. Mich beschäftigte die Frage: Wie kann ich seine Liebe am größtmöglichen weitergeben? Das hat mich auf die Suche geschickt. 

Ich habe schon konkrete Antworten gebraucht: Das war das Buch von Anselm Grün „Ehelos, des Lebens wegen“, ein Gespräch mit meinem Schuldirektor, der gesagt hat „Du wärst eine supermoderne Nonne“, und das Gespräch mit einer Don Bosco Schwester, die meinte: „Ich könnte mir dich von Kopf bis Fuß als Don Bosco Schwester vorstellen.“ Von da an bin ich nicht mehr losgekommen.
Das hat eine innere Kraft wachgerufen. Irgendwann war mir klar: Wenn das die Antwort Gottes auf meine Frage ist, dann will ich nicht nein sagen zur Einladung Gottes, ihm auf diesem Weg zu folgen.
Und dann war es wichtig, die Don Bosco Schwestern selber kennenzulernen. Sie haben in mir ein ganz anders Ordensbild wachgerufen, als ich es bisher kannte: offen, herzlich, lebensfreudig. 

Was fasziniert dich an Jesus Christus?
Seine Liebe, die bis zum Äußersten geht, die nicht zurückhält, die sich ausdrückt im Umgang mit den Menschen. Jeder hat bei ihm Platz, egal ob sündig oder nicht, ob gut oder schlecht, schwarz oder weiß, Mann oder Frau. Es ist völlig egal, welcher Herkunft jemand ist, ob sein Leben verpfuscht ist oder nicht. Mich fasziniert, dass er jedem Menschen eine Lebensperspektive zeigen will. Er hat diese bedingungslose Liebe Gottes für mich sichtbar gemacht. Diese bedingungslose Liebe will ich selber zu leben versuchen, weil ich vielen Menschen wünsche, dass sie sie erfahren können. Liebe bis zum Äußersten macht nicht Halt, wenn man selber eine draufkriegt. Jesus hat durch seine Radikalität Gesellschaftsformen in Frage gestellt und so der Liebe Platz gemacht mit aller Konsequenz. 

Und was fasziniert dich an den Don Bosco Schwestern? 
Ihre Offenheit für die Welt, die wir vorfinden. Unsere Gemeinschaften wollen grundsätzlich Antwort auf diese Welt geben, wollen – sportlich ausgedrückt - auf Ballhöhe mit dieser Zeit sein.

Sie leben eine verständliche Alltagsspiritualität, die sehr geerdet ist, die ohne abzuheben Gott erfahrbar machen möchte und ebenso wie Don Bosco und Maria Mazzarello in jedem Menschen das Gute sieht und es fördern möchte.
Dass unser Blick für die jungen Menschen immer ein positiver Blick ist, ein hoffnungsvoller Blick. 
Dass unsere Spiritualität eine der Auferstehung ist, ein Christsein vermittelt, das froh ist, lebendig macht, nicht einengt oder schwer macht. Sie zeigt eine frohe christliche Perspektive. 

(Das Interview führte Sr. Maria Maxwald)

Termin:
Samstag, 08.09.2012 | 11:00
Klosterneuburg, Stiftskirche
Festmesse mit Pater Hans Schwarzl SDB.

 

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