50 Jahre Missionarin in Österreich

"Meine Asche bleibt in Österreich". Schwester Gabriella Brillo FMA im Interview.

1952 beschloss eine quirlige junge Frau aus der Provinz Venedig Don Bosco Schwester zu werden. Sie packte ihre Sachen und zog nach Novara. Damit war sie dem Ziel ihrer Träume schon etwas näher. Während sie als junge Schwester bei den kleinen Kindern arbeitete, nährte sie einen großen Traum im Herzen: Missionarin unter den Leprakranken zu sein. Was daraus geworden ist? 

Liebe Sr. Gabriella, es sind genau 50 Jahre, dass du als Missionarin nach Österreich gekommen bist. Erinnerst du dich noch an den Augenblick, als man dir deinen Bestimmungsort mitteilte? Als du die Missionsanfrage stelltest, hattest du sicher andere Vorstellungen …

Sr. Gabriella: Ja, ich wollte zu den Borroro-Indianern oder zu den Leprakranken. Als ich dann nach Österreich kam, wurde ich belächelt. Manche sagten: „Du brauchst nur laut rufen, und deine Mama kommt dir zu Hilfe.“  Andere wärmten Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Aber mein Vater war Bäcker und er hat allen Soldaten geholfen. Auch den Deutschen wurde unser Brot heimlich zugesteckt. Ich habe gesagt: „Gott, wenn du willst, dass ich nach Österreich komme, dann mache ich kein Problem daraus.“ 

Dein erster Einsatzort war Stams, wo du dich zunächst um die Wäsche gekümmert hast und dann auch als Kindergärtnerin gearbeitet hast. Was taucht in deiner Erinnerung auf, wenn du an diese ersten Jahre denkst?
Sr. Gabriella: Ich war überall und nirgends. Man hat mich gleich zu den Mädchen geschickt, zur  Garten- und Hausarbeit. Einen Kurs für Deutsch habe ich nie gemacht. Die Kinder im Kindergarten sagten mir schon: „Du sprichst ja nicht richtig Deutsch“, aber die Eltern hatten damit kein Problem. Sie sagten den Kindern, sie müssten mir Deutsch beibringen. Ich habe von den Kindern alles gelernt: Dialekt, schlechte Worte und alles, was wichtig war.

Du warst später auch in Wien, Innsbruck, Klagenfurt, Vöcklabruck … Deine zwei Hauptarbeitsbereiche waren dabei immer die gleichen – die Sorge um die kleinen Kinder und um die Wäsche im Haus. War das ausreichend, um deinen missionarischen Traum zu leben? 
Sr. Gabriella: Ich war überall. Ich bin in alles hineingesprungen und habe überall alles gemacht. Meine Mama hat immer gesagt, dass eine Frau alles können muss. So habe ich mich immer bemüht und wollte nie Schwierigkeiten machen. Für mich war es selbstverständlich, alles zu machen, alles aus Liebe zu Jesus. 

Was heißt es für dich Missionarin zu sein?
Sr. Gabriella: Für die Jugend, für die Kinder, für die Menschen zu leben. Immer mehr Gottes Willen zu sehen. Ich habe trotz vieler Schwierigkeiten versucht weiterzugehen. Er hat mir immer geholfen.

Hattest du manchmal den Wunsch, alles hinzuwerfen und zurück nach Italien zu gehen?
Sr. Gabriella: Nein, das habe ich nicht gehabt. Ich habe ja gesagt zu Jesus und zu Österreich. Schwierigkeiten habe ich genug gehabt, aber ich habe gewusst, das geht vorbei. Ich habe immer gespürt, ich bin wegen Jesus da und nicht wegen der Menschen. So bin ich durchgekommen. Ich möchte nicht zurück. Meine Asche bleibt in Österreich. 

Worin findest du jetzt, im Pensionsalter, deine Erfüllung?
Sr. Gabriella: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit macht mich innerlich glücklich. 

Hast du noch immer kleinere oder größere Träume im Herzen?
Sr. Gabriella: Jedes Kind braucht einen Blick, ein Lächeln, ein gutes Wort. Ich habe guten Kontakt mit den Kindern, wir reden miteinander und sie haben mich gern. Das ist meine Freude. Ich habe viel geliebt und viel zurückbekommen. 

Möchtest du dieses Interview nutzen, um der Don Bosco Familie in Österreich etwas zu sagen? 
Sr. Gabriella: Das Leben ist schön. Wir müssen die Liebe leben. Um glücklich zu sein, braucht man nicht viel Geld, sondern man muss lieben, die Menschen, die Kinder, dann ist man selber glücklich. Ich bin glücklich, weil ich versucht habe, zu lieben. Und lieben heißt, für die Menschen da zu sein.

 

(Die Fragen stellte Sr. Maria Maxwald)

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