Auf den Spuren Jesu in Israel

Reisebericht von Schwester Ulrike Weiss FMA über eine außergewöhnliche Reise nach Israel

Voller Spannung und Erwartung waren wir – eine bunte Gruppe von 18 Leuten - als wir uns am Morgen des 13. August am Flughafen Wien Schwechat zum Abflug ins Heilige Land trafen. 
Br. Ernst Ehrenreich OFMcap und Birgit Fischer, Pastoralassistentin, die beide durch einen längeren Aufenthalt in Israel bereits Erfahrungen gesammelt hatten, führten uns gemeinsam mit Sr. Martina Kuda durch das abwechslungsreiche Programm. Einige der vielen Erlebnisse und Erfahrungen seien in diesem Bericht aufgezählt. 

Unterwegs-Sein im Land Jesu - ein echtes Abenteuer …
Dazu trug bei, dass wir uns mit geliehenen Kleinbussen selbständig fortbewegen konnten und uns auch zu Fuß auf den Weg machten, in der kargen Landschaft nördlich des Sees Gennesaret oder in der Wüste Juda, durch das Wadi Quelt nach Jericho. 
So konnte man sich im wahrsten Sinn des Wortes in den „Fußstapfen Jesu“ fühlen und sich so manche Begebenheit aus dem Evangelium sehr lebendig vor Augen führen.  

… im beschaulichen Galiläa
Einen unvergesslichen Eindruck machte uns die gemeinsame Feier der Eucharistie in den Ruinen einer ausgegrabenen byzantinischen Kirche auf Hippos, einer ehemaligen griechisch-römischen Stadt am Fuß der Golan-Höhen, mit Blick auf den See und die golden leuchtenden Hügel im Sonnenuntergang.

Die Worte Jesu wurden besonders greifbar, wenn wir in den Ruinen der Synagoge von Kafarnaum die „Brotrede“ aus Joh 6 hörten oder dem Dialog zwischen Petrus und dem Auferstandenen am entsprechenden Ufer des Sees lauschten. 

Brot teilen – damals und heute…
In Tabgha erinnert die Kirche der deutschen Benediktiner, die auf den Fundamenten und im Stil der wahrscheinlich ersten und ältesten byzantinischen Kirche in Galiläa errichtet wurde, an die Brotvermehrung. Nach einer ausgiebigen Mittagsjause, bei der wir wieder einmal alle unsere „Vorräte“ zusammenlegten und miteinander teilten, wagten wir in der Mittagshitze den Aufstieg auf den Berg der Seligpreisungen. Wir genossen die Zeit des Verweilens bei den Worten Jesu oder einfach beim Blick auf den See. Eine schlichte Feier der heiligen Messe am Ufer rundete den Tag ab. 

Steine erzählen Geschichte…
Von Nazareth aus, wo unsere Unterkunft während des Aufenthaltes in Galiläa war, besuchten wir auch die freigelegte alte Kreuzfahrerstadt Akko an der Mittelmeerküste sowie die Stadt Kana, wo eine Kirche an das erste Wunder Jesu auf einer Hochzeit erinnert.   

Lebendiges Wasser im trockenen Land…
Am fünften Tag verabschiedeten wir uns von Galiläa und fuhren den Jordan entlang nach Jerusalem. Hier gewannen wir einen tiefen Eindruck von den ärmlichen Verhältnissen der Westjordangegend, mit denen die hier ansässigen Araber leben müssen. Zu unserer Überraschung konnten wir vor Jericho durch die jordanische Grenze zur Taufstelle Jesu gelangen. Wir vergegenwärtigten uns die Taufe Jesu durch den Bericht aus dem Markusevangelium und ließen auch uns zusagen: „Du bist meine geliebte Tochter – mein geliebter Sohn!“ 

Innerlich gestärkt fuhren wir weiter zum Toten Meer. Dort machten wir Halt in Qumran, dem Ort, der vom Leben der Essener und den Entdeckungen der alten Schriftrollen Zeugnis gibt. In En-Gedi, der größten und schönsten Oase am Toten Meer, ließen wir uns das Erlebnis,  uns „ins Meer zu legen“, nicht entgehen. 

Jerusalem – Stadt mit Tiefendimension  
Überraschend schnell erreichten wir unser Quartier in Jerusalem, San Pietro in Gallicantu, nahe an der Stadtmauer mit Blick auf den Tempelberg. Auf der zweiten Etappe unserer Reise erlebten wir intensiver als in Nazareth die Kontraste zwischen den Religionen und Bevölkerungsgruppen, die hier auf engem Raum geballt zusammen leben. 
Der Gang auf der Stadtmauer eröffnete uns die Sicht „von oben“ auf die Altstadt mit dem christlichen, muslimischen, jüdischen und armenischen Viertel.  

Entlang der „Via Dolorosa“ gelangten wir zur Grabeskirche, dem Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Dieser antike Komplex spiegelt die bunte Christenheit wider: Hier leben römisch-katholische, griechisch-orthodoxe, armenische, koptische, äthiopische und syrisch-orthodoxe  Christen unter einem gemeinsamen Dach und lassen in all ihrer Verschiedenheit Christus als den gemeinsamen „Herrn“ aller Kirchen erahnen. 

Gott, der Menschgewordene, teilt unser Schicksal 
Der Garten Getsemani und die Kapelle „Dominus flevit“ am Abhang des Ölbergs, wo wir in einem gemeinsamen Gottesdienst der Leidensgeschichte Jesu gedachten, führten uns vor Augen, wie Jesus das Schicksal dieser Stadt und das Schicksal der Menschen teilt.  

Nahe an unserem Quartier befand sich der Abendmahlsaal und die „Dormitio“, die Kirche, die der „Entschlafung“ Mariens gedenkt. In der Krypta nahmen wir an der Vesper der Benediktiner teil. 

Eine ganz besondere Erfahrung war die Wanderung durch die Wüste Juda mit Station im Georgskloster und in Jericho. Es tat gut zu erspüren, wie strenge Kargheit und Entbehrung die Seele von Überflüssigem befreit und für Wesentliches öffnet. 

Der letzte Tag ...
... führte uns nach Bethlehem zur Geburtskirche, die durch einige Fragmente des byzantinischen Fußbodens und Reste der Goldmosaike an den Wänden die alte Pracht dieser ältesten Kirche des Heiligen Landes nur noch erahnen lässt. Die Grotte der Geburt lädt ein zur Stille und zum Verweilen im Gebet. Es schien so, als ob dieser Ort immer noch etwas vom Frieden der Heiligen Nacht ausstrahlen würde. 

Voll von Eindrücken und innerlich erfüllt machten wir uns auf den Weg nach Tel Aviv, um über die Luftbrücke zum eigenen „Heiligen Boden“ zurückzukehren. Dort, wo wir stehen, wollen wir uns neu auf das Abenteuer „Unterwegssein mit Jesus“ einlassen…

Mit herzlichem Dank an unser mutiges Begleiterteam,
Sr. Ulrike Weiss im Namen aller TeilnehmerInnen

 

 

 

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