Mauthausen Gedenkfeier

Am 2. Mai wurden den Zwangsarbeitern des Außenlagers in Vöcklabruck gedacht.

Jedes Jahr veranstaltet das Mauthausen-Komitee Vöcklabruck Anfang Mai eine Gedenkfeier zur Erinnerung an das Außenlager an der Stelle des heutigen Schulzentrums, in dem 1941/42 ca. 300 Spanier Zwangsarbeit leisten mussten. Ein unscheinbarer Gedenkstein an der Bushaltestelle, neben der Bezirkssporthalle, bewahrt ihnen ein ehrendes Andenken, vor allem den Opfern des „Gaswagens“, der zur Ermordung nicht mehr arbeitsfähiger Häftlinge eingesetzt wurde.

Don Bosco Schulen gestalten die Feier
Um die Gestaltung der Feier wird jährlich eine andere Vöcklabrucker Schule gebeten. Heuer hatten zum ersten Mal wir diese Ehre. Musikalisch umrahmt wurde die Feier im Festsaal der Schule von den Schülerinnen der 4. BAKIP unter der Leitung von Dipl.-Päd. Elisabeth Tischler und FOL Walter Fellner. Inhaltlich hatte Sr. Mag. Gisela Porges mit viel Engagement die Feierstunde mit den SchülerInnen der 5. BAKIP vorbereitet, die an ihrem vorletzten Schultag, am 2. Mai 2012, mit ihren einfühlsamen Texten und eindrucksvollen Schattentheaterszenen die MitschülerInnen und Ehrengäste berührten. Gekommen waren:

Dr. Martin Gschwandtner, Bezirkshauptmann
Mag. Christoph Rill, Vizebürgermeister
Mag.a Susanne Fischer, Gemeinderätin Die Grünen
Lätizia Gratzer, Landessekretärin Die Grünen OÖ
Margarete Thürschmid, Vizebürgermeisterin Lenzing
Frau Nigl, Sekretärin SPÖ OÖ. 

Auszug aus der Begrüßungsansprache von Sr. Maria Maul FMA
„Im Buch Deuteronomium steht einer meiner Lieblingssätze aus der Bibel: „Denk an die Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte“ (Dtn 32,7).

Als all das Schreckliche passiert ist, an das der KZ-Gedenkstein nicht weit von hier erinnert, da hat es mich selbst noch nicht gegeben, da ist dieses Schulgebäude noch nicht hier gestanden und da waren unsere Schülerinnen und Schüler noch lange nicht geboren.
Genau deshalb, weil wir das, woran wir uns heute erinnern, nicht selbst gesehen, erfahren und erlebt haben, genau deshalb ist es so wichtig, dass es uns erzählt und in Erinnerung gerufen wird. 

Schulen sind Orte der Bildung. Bildung aber bedeutet nicht nur, das Hirn mit Wissen vollstopfen oder die Hände die richtigen Griffe lehren. Bildung kann nicht Bildung sein, wenn sie nicht die Erinnerungskultur mit einschließt, denn Bildung meint vor allem Bildung des Geistes und des Herzens und die wiederum kann nicht geschehen ohne das „Erinnern“, ohne das „ri-cor-dare“, wie es im Italienischen so schön heißt, ohne das „Dem-Herzen-wieder-Geben“.

Wir nehmen uns heute zu Herzen, was vor Jahrzehnten hier vor Ort an Furchtbarem passiert ist – nicht, um die Vergangenheit zu verherrlichen, sondern um aus ihr zu lernen und aus den gewonnenen Einsichten eine gute Zukunft für alle zu gestalten. 

Mit folgenden Gedanken präsentierten die Moderatorinnen der 5. BAKIP ihre Aktualisierung des Mauthausen-Themas:
In den letzten Wochen hat sich unsere Klasse im Geschichteunterricht intensiv mit der konkreten Vorbereitung der heutigen Gedenkfeier beschäftigt. Aber schon bevor wir uns nähere Gedanken zu der Gestaltung der Feier machten, arbeiteten wir grundlegend zum Thema „Rassistische Verfolgung – Von der Ausgrenzung zur Vernichtung von Juden, Roma und Sinti.“

Wir hörten von der Utopie des Nationalsozialismus, der davon träumte, eine politisch und genetisch homogene Bevölkerung zu schaffen: Wer nicht in das Idealbild des gesunden, arischen und politisch gleichgeschalteten Volkskörpers passte, wurde erst durch unmenschliche Gesetze ausgegrenzt, entrechtet und entmenschlicht und schließlich „entsorgt“ –, d.h. vernichtet. Wohin die Menschen verschwanden, war den meisten Deutschen bzw. Österreichern damals egal. Hauptsache, die Störenfriede, die nicht ins Schema passten, waren nicht mehr da!

Mit einem Mitarbeiter des Mauthausen-Komitees Vöcklabruck arbeiteten wir mehrere Unterrichtseinheiten zum Thema Zivilcourage. Danach entschieden wir uns, das Thema des Mauthausen Komitees für diese Veranstaltung in die heutige Zeit und in die Sprache der Jugendlichen zu übersetzen. Wir wählten das Thema Mobbing.

Mit drei kleinen Szenen wollen wir aufzeigen, dass damals wie heute die Demütigung, Ausgrenzung und Entmenschlichung von Personen immer nach dem gleichen Mechanismen abläuft.
Wie im Nationalsozialismus gibt es auch beim Mobbing „Täter“, „Opfer“ und viele „By-Stander“ – Zuschauer, die nicht in das Geschehen eingreifen.

In Mobbing-Opfern entsteht mit der Zeit ein Gefühl der absoluten Hilflosigkeit und des vollkommenen Ausgeliefert-Seins. Ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstwert schwinden immer mehr dahin. Den Opfern wird nämlich eingeredet, dass sie selbst – ihre Andersartigkeit, ihre schlechten Charaktereigenschaften, ihre Unsicherheit, ihre vermehrte Nervosität und das häufige Kranksein – schuld am Verhalten der Täter seien. In den Augen der Täter tragen die Schuld für die gesamte Mobbing-Situation nicht sie selbst, sondern immer die Opfer mit ihrem unsozialen Verhalten!

Findet sich in dieser Phase nicht jemand von außen, der gezielt eingreift und zwischen Täter und Opfer tritt, kommt es schließlich beim Gemobbten zu schweren psychischen Problemen, seine Persönlichkeitsstruktur verändert sich nachdrücklich und in den schlimmsten Fällen von Mobbing endet alles mit dem Selbstmord des Opfers.

Ausgrenzung bis zur Vernichtung. Der Störenfried ist weg.
Jetzt kann wieder jeder friedlich vor sich hinleben.
Doch der schöne Schein trügt!
Wenn wir nicht wollen, dass solche Mechanismen immer wieder Menschen kaputt machen – und ein Opfer kann jede/r von uns werden –, dann müssen wir diese Mechanismen aufdecken und zur Sprache bringen.
Wir dürfen Opfer nicht totschweigen, sondern müssen uns an sie erinnern. 
Und wir müssen lernen, gemeinsam gegen die Täter aufzustehen.

Vergangenes ist nicht mehr zu verändern. Aber gemeinsam können wir eine Veränderung in der Gesellschaft bewirken.

Am Ende der Feier teilten die angehenden MaturantInnen Kärtchen mit Sprüchen aus, die die Mitfeiernden in ihren Alltag begleiten sollten: Vielleicht wird Euer Hinsehen, Ihre Bereitschaft zum Handeln bald gefragt sein – damit andere Menschen leben können … Haben wir den Mut, die Welt zu verändern! Denn: Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt!

Die Gedenkfeier endete mit der traditionellen Kranzniederlegung beim KZ-Gedenkstein.

(Sr. Maria Maul FMA)

Zurück zur Übersicht

Um die volle Funktionalität unserer Website zu gewährleisten bzw. unser Angebot zu optimieren, setzt unsere Website Cookies. Weiterlesen …